Leichtathletin
Reuters/Sergei Karpukhin
Leichtathletik

Russland bleibt von WM ausgesperrt

Wie der Internationalen Leichtathletikverband (IAAF) am Montag bekanntgegeben hat, wird die Sperre von Russlands Verband (RUSAF) auf unbestimmte Zeit verlängert. Damit bleiben Russlands Leichtathleten zum zweiten Mal hintereinander von einer WM ausgesperrt. Bei der WM in Katar dürfen nur 29 Athleten unter neutraler Flagge antreten.

Vier Tage vor Beginn der Titelkämpfe hat das IAAF-Council damit die vagen Hoffnungen der russischen Athleten doch noch zerschlagen. „Es kann ganz klar gesagt werden, dass Russland die Bedingungen für eine Wiederzulassung nicht erfüllt hat“, sagte Rune Andersen, Chef des IAAF-Inspektionsteams. IAAF-Präsident Sebastian Coe sagte: „Das hat mich nicht überrascht. Wir hatten eine lange Diskussion im Council heute darüber.“

Die Entscheidung sei schließlich einstimmig gefallen. Sie stütze sich auch auf die Daten, die der Weltverband von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) bekommen habe, sagte Taskforce-Chef Andersen. „Wir haben die Fakten noch nicht, aber wir vertrauen den Informationen.“ Die IAAF ist die letzte internationale Sportorganisation, die den im November 2015 verfügten Bann Russlands noch nicht aufgehoben hat.

Gefälschte Daten an WADA übermittelt?

Der Urteilsverkündung vorangegangen waren Anschuldigungen der WADA, die den Verantwortlichen in Russland vorwirft, gefälschte Daten übermittelt zu haben. "Die WADA hat die russische Seite dazu aufgefordert, innerhalb von drei Wochen Erklärungen zu den angeblichen Unregelmäßigkeiten im Moskauer Labor abzugeben“, sagte der Chef des Aufsichtsgremiums der russischen Anti-Doping-Behörde RUSADA, Alexej Iwljew, am Montag der Agentur Interfax.

Der RUSADA und dem russischen Sportministerium seien Kopien der Berichte der WADA und von unabhängigen Experten zur Verfügung gestellt worden, teilte die WADA-Exekutive nach ihrer Sitzung in Tokio mit. In den Dokumenten seien „die fraglichen Widersprüche aufgeführt. Sie erhielten drei Wochen Zeit, um ihre Kommentare abzugeben, zusammen mit Antworten auf eine Liste mit spezifischen Fragen“, heißt es in dem Statement. Allerdings gab es laut WADA auch „gute Fortschritte“ bei der Analyse der Moskauer Labordaten: „Bislang wurden bereits 47 Fälle identifiziert und Beweispakete an die zuständigen internationalen Sportverbände übermittelt.“

Auch IOC behält sich weitere Schritte vor

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) teilte auf dpa-Anfrage am Montag mit: „In Übereinstimmung mit den neuen WADA-Regularien, die seit April 2018 in Kraft sind, wird dieser Prozess von der Anti-Doping-Agentur durchgeführt, und das IOC respektiert dieses Vorgehen voll und ganz.“ Wenn sich der Fälschungsvorwurf erhärten sollte, droht der RUSADA eine erneute Suspendierung durch das IOC. Nach einer dreijährigen Sperre hatte die WADA den Bann am 20. September 2018 aufgehoben – mit der Auflage, dass Russland die Dopingdaten und -Proben aus den Jahren 2012 bis 2015 an die WADA übergibt. Das geschah aber erst nach einigem Zögern.

Der russische Sportminister Pawel Kolobkow betonte, ausländische wie russische Experten würden in dem Fall zusammenarbeiten. „Wie werden weiterhin alles machen, um jede Unterstützung von unserer Seite zu garantieren“, sagte er. Iwljew betonte, es sei noch zu früh, um über mögliche Folgen für die Teilnahme russischer Athleten an den Olympischen Spielen 2020 zu spekulieren. Auch der Kreml reagierte zurückhaltend. „Die WADA hat eine Reihe von Fragen“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. „Jetzt müssen wir einfach warten.“