Matthias Mayer
GEPA/Christian Walgram
Ski alpin

Mayer auch mit Schmerzen schnell

Matthias Mayer hat sich am Mittwoch beim ersten Training für die Abfahrt von Beaver Creek (Samstag, 18.45 Uhr live in ORF1) von seinem spektakulären Sturz im Riesentorlauf-Training unbeeindruckt gezeigt. Der Kärntner mischte auf der „Birds of Prey“ trotz Schmerzen als Dritter wieder gleich vorne mit.

Nur 24 Stunden nach seinem Überschlag auf RTL-Skiern verlor der Abfahrtsolympiasieger von 2014 nur 0,30 Sekunden auf den Trainingsschnellsten Ryan Cochran-Siegle aus Amerika. Der Norweger Aleksander Aamodt Kilde lag als Zweiter nur sechs Hundertstel vor Mayer. Und das, obwohl der Kärntner bei seinem Sturz am Dienstag eine schmerzhafte Muskelverletzung im Hüftbereich erlitten hatte.

Trotz aller Unsicherheit war Mayer, der vor drei Tagen im Super-G von Lake Louise für den ersten österreichischen Saisonsieg gesorgt hatte, auch beim ersten Abtasten auf einer der schwierigsten Abfahrtsstrecken der Welt gleich wieder bester Österreicher. Vincent Kriechmayr (+0,39) kam nach einem Torfehler auf die fünftschnellste Zeit. Das Programm in Colorado beginnt am Freitag mit dem Super-G, die Abfahrt findet am Samstag statt. Am Sonntag folgt in Colorado noch ein Riesentorlauf.

Schrecksekunde für Mayer

Im Riesentorlauf-Training am Dienstag legte Matthias Mayer eine spektakuläre „Brez’n“ hin.

„Super, wenn das so klappt“

„Es ist wirklich gut gegangen, ich bin selbst überrascht“, sagte Mayer nach seiner Fahrt mit Startnummer neun. Bei allen Zwischenzeiten war der Kärntner vorn gelegen, ehe er vor dem Finish abstellte. „Gestern war ich nicht sicher, ob es heute überhaupt gehen wird. Super, wenn das dann so klappt“, freute sich Mayer. „Denn hier runter, das ist keine leichte Strecke. Es gibt viele Sprünge und Wellen, die man gut erwischen muss“, so der Kärntner nach seiner ersten Fahrt auf der spektakulären „Raubvogelpiste“.

Mayer unterstrich damit seine Hochform zu Saisonbeginn. Selbst der heftige Sturz im Riesentorlauf-Training scheint ihn nicht aus dem Tritt bringen zu können. „Aber am ersten Tag fährt sicher nicht jeder Vollgas, alle sind eher ein bissel ruhiger unterwegs“, relativierte Mayer seine Platzierung. „Aber ein gutes Gefühl ist es schon“, sagte der Sieger von insgesamt sechs Weltcup-Rennen.

Matthias Mayer (AUT)
GEPA/Andreas Pranter
Mayer meisterte die „Birds of Prey“ auch mit Schmerzen im Höchsttempo

Der 29-Jährige wusste, dass er sein Antreten den Physios und Betreuern zu verdanken hatte. „Unglaublich, wie sie gleich an mich drangegangen sind und welche Arbeit sie abgeliefert haben“, so Mayer. „Ich habe gut geschlafen und in der Früh war es deutlich besser.“ Ganz ohne Handicap sei er aber nicht unterwegs, sagte Mayer: „Es ist nicht hundertprozentig weg. Ich habe auch eine leichte Knieprellung von einer Torstange, die sich beim Sturz herumgewickelt hat. Das spürt man nach den Landungen bei den weiten Sprüngen.“

„Raubvogelpiste“ zeigt Krallen

Kriechmayr zeigte sich bei einer etwas überraschenden Bestzeit von Cochran-Siegle über Platz fünf nicht wirklich glücklich. „Ich habe ein Tor ausgelassen, also war es doch nicht so gut“, sagte der Oberösterreicher und erklärte: „Die Strecke ist heuer sehr fordernd. Viele Wellen, die Sprünge gehen sehr weit. Die Zuschauer werden im Fernsehen ihren Spaß haben.“

Aber auch Kriechmayr hat die Form von Platz drei in Kanada (Super-G) nach Colorado mitgebracht. „Auch wenn es schwierig ist, macht es hier immer Spaß“, meinte er über die Rennfahrerei in den Rocky Mountains auf rund 3.000 Metern Seehöhe. „Heute hat sich auch die Konkurrenz sehr schwergetan.“

Hoffen auf zweites Training

Die meisten Fahrer wünschten sich aufgrund der aktuellen Streckenbeschaffenheit ein weiteres Abfahrtstraining am Donnerstag. Dieses ist wegen Neuschnees und Schlechtwetters aber fraglich. „Es war ein bisschen Achterbahnfahren heute. Die Wellen und Sprünge sind heuer extrem ausgeprägt, es geht richtig zur Sache“, beschrieb es Hannes Reichelt. „Es ist definitiv nicht langweilig, man hat immer was zu tun“, befand der 39-jährige Routinier aus Salzburg. „Heute hat man schon im ersten Training einige wilde Figuren gesehen. Ich bin eher auf Sicherheit gefahren und muss mich noch steigern.“

„So ein ausgeprägtes Gelände haben wir hier noch nie gehabt“, staunte auch Otmar Striedinger. „Die Sprünge gehen extrem weit, der Kompletteste wird hier gewinnen“, ist Striedinger überzeugt. Sein Kärntner Landsmann Max Franz, im Vorjahr in Beaver Creek Gewinner des Super-G, laboriert immer noch an den Rückenproblemen aus Lake Louise und gestand ein: „Ich habe unterschätzt, wie hoch das Tempo ist. Einmal war’s richtig brenzlig, das hat mir ein bissl die Schneid abgekauft. Ich hätte gerne noch ein zweites Training.“

Herren-Abfahrt in Beaver Creek

Erstes Training am Mittwoch:
1. Ryan Cochran-Siegle USA 1:41,37
2. Aleksander Aamodt Kilde NOR + 0,24
3. Matthias Mayer AUT 0,30
4. Thomas Dreßen GER 0,38
5. Vincent Kriechmayr AUT 0,39
6. Mattia Casse ITA 0,59
7. Adrian Smiseth Sejersted NOR 0,72
8. Kjetil Jansrud NOR 0,86
9. Steven Nyman USA 1,06
10. Peter Fill ITA 1,14
11. Dominik Schwaiger GER 1,18
12. Mauro Caviezel SUI 1,18
13. Otmar Striedinger AUT 1,21
14. Emanuele Buzzi ITA 1,22
15. Andreas Sander GER 1,24
16. Nils Allegre FRA 1,28
17. Dominic Paris ITA 1,33
18. Brice Roger FRA 1,35
19. Nicolas Raffort FRA 1,37
. Beat Feuz SUI 1,37
26. Daniel Danklmaier AUT 1,73
32. Hannes Reichelt AUT 1,93
33. Christopher Neumayer AUT 1,94
36. Christian Walder AUT 2,16
43. Max Franz AUT 2,37
47. Johannes Kröll AUT 2,48
67. Christoph Krenn AUT 4,50
73. Stefan Babinsky AUT 6,59