Denis Tscherischew nach dem Aus Russlands im Viertelfinale der Fußball-WM 2018
Reuters/Carl Recine
Doping

Die Auswirkungen des Russland-Banns

Die Sportgroßmacht Russland wird für vier Jahre nur noch eine Nebenrolle im Weltsport einnehmen. Das Exekutivkomitee der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) schloss Russland am Montag für vier Jahre von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften aus. Betroffen sind unter anderen die Fußballer und Eishockeyspieler. Viele Fragen sind aber noch offen.

Ausgewählte Athleten, die nicht vorbelastet sind, dürfen bis 2023 nicht unter eigener Fahne, sondern nur als neutrale Sportler starten. Damit folgte die WADA in ihrem einstimmigen Urteil den Empfehlungen der unabhängigen Prüfkommission CRC, die auch die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA bis 2023 vorsehen.

Direkte Auswirkungen haben die Sanktionen auf alle Sportarten, die dem WADA-Code unterliegen (Liste der Sportverbände). Die vierjährige Sperre gilt demnach unter anderem für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio und 2022 in Peking, die Fußball-WM 2022 sowie die Eishockey-WM 2020 in der Schweiz und 2023 in St. Petersburg. Außerdem darf Russland während der Sperre weder Gastgeber sein noch sich für eine Ausrichtung großer Wettkämpfe bewerben.

Anti-Doping-Agentur sperrt Russland für vier Jahre

Die Sperre hat weitreichende Auswirkungen.

Keine Auswirkungen auf Fußball-EM 2020

Bereits an das Land vergebene Welttitelkämpfe sollen entzogen werden. Betroffen davon könnten unter anderen die Rodel-WM im Februar 2020 in Sotschi, die für 2022 nach Russland vergebene Volleyball-WM und die Kurzbahn-WM der Schwimmer in Kasan sowie die Eishockey-WM 2023 in St. Petersburg sein. CRC-Leiter Jonathan Taylor betonte allerdings auch, dass eine gewisse Flexibilität bestehen bleiben müsse.

Nicht zur Debatte stehen jedoch die Spiele im Rahmen der EM 2020 in St. Petersburg, da es sich laut WADA um „ein kontinentales Sportereignis“ handelt. Das trifft demnach auch auf das Champions-League-Finale 2021 in St. Petersburg zu. Der Europäische Fußballverband (UEFA) hat zudem den WADA-Code gar nicht unterschrieben. Damit kann die russische Nationalmannschaft ohne Einschränkungen an der Fußball-EM im nächsten Jahr teilnehmen.

Offene Fragen für Fußball- und Eishockey-WM

Anders verhält es sich mit der FIFA-WM 2022 in Katar. Zwar dürfte Russlands Nationalmannschaft an der Qualifikation teilnehmen, da diese von der UEFA ausgerichtet wird. Sollte sie sich aber auch für die Endrunde qualifizieren, müsste sie ohne Fahne und Ländernamen als neutrales Team auflaufen. Die FIFA, die sich dem WADA-Code unterworfen hat, hat sich jedoch noch nicht explizit zum weiteren Vorgehen in der Causa Russland geäußert, die genauen Konsequenzen sind daher unklar.

Russisches Eishockey-Nationalteam unter neutraler Flagge mit Goldmedaillen bei Olympia 2018
Reuters/Grigory Dukor
2018 sicherten sich „Olympische Athleten aus Russland (OAR)“ in Pyeongchang Olympiagold

Offen sind auch die Folgen für die „Sbornaja“ im Eishockey. So hatte der Internationale Eishockeyverband (IIHF) erklärt, das Urteil abwarten zu wollen. „Die WM wurde vor dem WADA-Urteil vergeben“, hatte IIHF-Präsident Rene Fasel im November in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur TASS betont. „Wir sehen keinen Grund, etwas zu ändern. Wir haben Verträge unterschrieben und sind unseren Sponsoren verpflichtet. Außerdem wurde bereits mit dem Bau der Eishockeyhalle begonnen.“ Bei der Eishockey-WM 2020 in der Schweiz werden die Russen wie schon bei Olympia 2018 in Pyeongchang, als sie Gold holten, wohl unter neutraler Fahne auflaufen.

„Zu lange dem sauberen Sport geschadet“

„Das Doping in Russland hat zu lange dem sauberen Sport geschadet“, sagte WADA-Präsident Craig Reedie. Der Verstoß der russischen Behörden gegen die im September 2018 genehmigten Bedingungen zur Wiedereinsetzung der nationalen Anti-Doping-Agentur (RUSADA) verlangten nach einer robusten Reaktion. „Genau das wurde heute geliefert“, betonte er. Die WADA hatte die dauerhafte Aufhebung der RUSADA-Sperre mit der Herausgabe der Dopingdaten aus dem Moskauer Labor verbunden. Es wurden manipulierte Daten geliefert.

Auch die NADA Austria sieht die Entscheidung als „wichtiges Zeichen für den sauberen Sport“. Die Ermittlungen hätten systematische Manipulationen und Beweismittelfälschungen nachgewiesen, die nicht toleriert werden können. „Wichtig ist nun, dass klare und transparente Kriterien aufgestellt werden, wie diese Vorgaben erfüllt werden können, beispielsweise in Bezug auf die Zulassung russischer Sportler unter neutraler Flagge und welche sportlichen Großveranstaltungen konkret betroffen sind“, meinte NADA-Geschäftsführer Michael Cepic zu den weiteren Schritten.

Russland will Einspruch einlegen

Russland hat 21 Tage Zeit, das Urteil zu akzeptieren oder es vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS anzufechten. Laut ersten Reaktionen aus Russland ist ein Einspruch gegen die Strafen sehr wahrscheinlich. Moskaus Regierungschef Dmitri Medwedew kritisierte die Strafen als „antirussische Hysterie“ von chronischem Ausmaß, sagte er der Agentur Interfax. Dass Russland erhebliche Probleme mit Doping habe, räumte Medwedew („Ich kann das nicht leugnen“) zwar ein. Eine Bestrafung der Athleten hält er aber nicht für gerechtfertigt.

Damit ist es durchaus möglich, dass die Sperre auch für die Olympischen Spiele 2024 in Paris gilt. „Wenn die Sperre erst nach den Spielen 2020 in Tokio vom CAS final bestätigt werden würde, würde sie für die vierjährige Periode bis Paris 2024 gelten“, sagte CRC-Leiter Taylor. Auf die Frage, ob der CAS vor den Tokio-Spielen entscheiden werde, antwortete er: „Ich bin mir nicht sicher.“