Fabian Posch (AUT) und Pablo Paredes La Pena (ESP)
GEPA/Oliver Lerch
Handball-EM

Spanien für ÖHB-Team größtmögliche Hürde

Ist das Duell mit Kroatien für Österreichs Handballer ein Kampf Davids gegen Goliath gewesen, kann das zweite EM-Hauptrundenspiel gegen Spanien getrost als nahezu unlösbare Aufgabe bezeichnet werden. Ein Sieg am Samstag (18.15 Uhr, live in ORF1) gegen die im Turnier bisher makellosen Spanier wäre eine Sensation. „Gegen Spanien Punkte zu suchen, wird schwer“, bemerkte Teamchef Ales Pajovic treffend.

Der slowenische Cheftrainer der Österreicher weiß um die Weltklasse des Gegners, aber auch um die steigende Belastung für seine Mannschaft. Die drei hart errungenen Siege in der Vorrunde gegen Tschechien, die Ukraine und Nordmazedonien forderten ihren Tribut. Auch bei der 23:27-Niederlage gegen Kroatien zum Auftakt der Hauptrunde musste man an die körperlichen Grenzen gehen.

„Ein paar Jungs sind schon ein bisschen angeschlagen“, berichtete Pajovic von Verschleißerscheinungen in der Auswahl des Österreichischen Handballbunds (ÖHB). „Ich muss ein bisschen auf sie aufpassen“, fügte der Teamchef hinzu. Vor allem Nikola Bilyk, der bisher auf eine Turniernettospielzeit von 3:10 Stunden kommt (von möglichen 4:00 Stunden), braucht er auch noch gegen Deutschland am Montag (20.30 Uhr) und Weißrussland am Mittwoch (18.15 Uhr, jeweils live in ORF1) bei Kräften.

Handball-EM: Österreich trifft auf Titelverteidiger Spanien

Nach der 23:27-Niederlage gegen Kroatien bekommt es das heimische Team als klarer Außenseiter mit Spanien zu tun.

Spanier bisher unantastbar

Auch der zweite „Rückraumbomber“ Janko Bozovic stand schon 3:06 Stunden auf dem EM-Parkett. Dem Linkshänder war dieses Arbeitspensum gegen Kroatien auch schon anzumerken. Soll Pajovic nun im fünften spiel innerhalb von acht Tagen kompromisslos auf eine Sensation losgehen oder in Anbetracht des nahezu aussichtslosen Kräfteverhältnisses auf Rotation setzen? Vieles spricht für die zweite Möglichkeit.

Einmal mehr gelten die Spanier nämlich auch bei dieser EM als Titelkandidat. Im Verlauf des bisherigen Turniers gab sich die hochkarätige Truppe von Trainer Jordi Ribera keine Blöße. Vier Siege in vier Spielen lautet die perfekte Bilanz. Nicht zuletzt beim 33:26-Vorrundenerfolg gegen Deutschland zeigten die Spanier ihre Klasse. Auch im ersten Hauptrundenspiel gegen Tschechien agierte Spanien wie aus einem Guss.

Spanische Starpower ohne Schwächen

Mit den Rückraumstars Raul Entrerrios (38 Jahre) und Joan Canelas (33) verfügt der schwerste Gegner Österreichs bei der Heim-EM über viel Erfahrung. „Alex Dujshebaev bringt außerdem noch viel Dynamik und Gefahr im Eins-gegen-eins“, ergänzte Pajovic zu den enormen Stärken der Spanier. „Dazu kommt ihr geduldiges Angriffsspiel und mit Gonzalo Perez de Vargas ein starker Tormann.“

Raul Entrerrios Rodriguez
AP/NTB scanpix/Ole Martin Wold
Raul Entrerrios und seine spanischen Kollegen werden bei dieser EM nur schwer zu stoppen sein

In den jüngsten Duellen mit Spanien hinterließ Österreich dennoch immer einen guten Eindruck. Bei der EM 2014 unterlag man hauchdünn mit 27:28, in der EM-Qualifikation unterlagen die ÖHB-Männer ebenso knapp mit 29:30. Eines der freundschaftlichen Duelle im Rahmen des Euro-Cups 2019 gewann Österreich sogar mit 29:28 – es war die erste Partie unter Teamchef Pajovic, der als Aktiver sechs Jahre bei Ciudad Real in der spanischen Liga spielte.

„Wir sind nicht so weit weg“, sagte Tobias Wagner, der Kreisläufer sieht gerade angesichts der im Vergleich zu den Kroaten noch offensiveren Deckungsvariante der Spanier Chancen. „Sofern sie sich nicht 6:0 hinten reinstellen – das können sie genauso.“ Die Hoffnung auf Gruppenplatz drei, für den wohl zumindest im Montag-Spiel gegen Deutschland und eventuell dann auch zum Hauptrundenabschluss gegen Weißrussland Siege her müssen, hat Wagner noch nicht aufgegeben. „Wir wollen nach Stockholm fahren.“