Dominic Thiem
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Australian Open

Thiem verliert Finalkrimi in Melbourne

Dominic Thiem muss weiterhin auf seinen ersten Grand-Slam-Titel warten: Der 26-jährige Niederösterreicher hat am Sonntag sein erstes Finale bei den Australian Open gegen Novak Djokovic nach hartem Kampf mit 4:6 6:4 6:2 3:6 4:6 verloren. Für den Rekordsieger aus Serbien war es der achte Erfolg im achten Melbourne-Finale, für Thiem das dritte verlorene Endspiel auf Major-Ebene. Der 17-fache Grand-Slam-Sieger Djokovic löst damit Rafael Nadal als Nummer eins der Weltrangliste ab.

Dabei lag Thiem bereits mit 2:1-Sätzen voran, gewann damit erstmals in einem Major-Finale zwei Durchgänge, und zeigte vor allem im dritten Satz eine sehr gute Vorstellung. Doch der 32-jährige Serbe schlug zurück, holte sich jeweils mit einem Break die Sätze vier und fünf und verwertete nach 3:59 Stunden seinen ersten Matchball zum insgesamt 78. Titel auf der ATP-Tour. Noch nie zuvor hatte Djokovic einen 1:2-Rückstand in einem Major-Finale gedreht, zum zweiten Mal nach 2012 (gegen Nadal, Anm.) benötigte er in Melbourne fünf Sätze.

Nach zwei Niederlagen in Folge baute Djokovic das Head-to-Head gegen Thiem auf 7:4 aus und setzte zudem die Serie der „Big Three“ fort: Djokovic, Nadal und Roger Federer haben seit den US Open 2016 alle 13 Grand-Slam-Turniere gewonnen, Stan Wawrinka setzte sich damals in New York durch. Thiem verpasste vorerst den erstmaligen Sprung auf Rang drei der Weltrangliste, nach erfolgreichen zwei Wochen in Melbourne klettert er aber immerhin zurück auf Rang vier.

Thiem unterliegt Djokovic im Finale

Dominic Thiem musste sich im Endspiel der Australian Open dem Serben Novak Djokovic in einem Fünfsatzkrimi geschlagen geben.

„Heute hat es nicht gereicht“

Thiem zeigte sich in einer ersten Reaktion gefasst und gratulierte Djokovic. „Es ist surreal, was du seit Jahren machst. Ich bin glücklich, auf diesem Level mithalten zu können, heute hat es nicht gereicht, aber ich hoffe, ich bekomme bald eine Revanche“, sagte Thiem, der auch nicht auf die „wichtigeren Dinge“ vergaß und dem australischen Publikum ob der Buschbrände sein Mitgefühl aussprach.

Djokovic, der seinen Titel erfolgreich verteidigte und dem nur noch drei Major-Titel auf Rekordhalter Federer (20) fehlen, gratulierte Thiem zu einem „großartigen Turnier. Ich habe knapp gewonnen, aber du hast noch viel Zeit und du wirst mehr als eine Grand-Slam-Trophäe gewinnen.“ Auch der Serbe erinnerte an die Brandkatastrophe sowie an seinen verstorbenen Freund und US-Basketballstar Kobe Bryant sowie dessen Tochter, die wie sieben weitere Opfer bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen waren. „Es gibt wichtigeres als das, was hier passiert. Zusammenhalten ist wichtig.“

Dominic Thiem und Novak Djokovic
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Am Ende konnten Sieger Djokovic (l.) und Thiem mit ihren gezeigten Leistungen sehr zufrieden sein

Erster Durchgang an Djokovic

Der Schlusspunkt des ersten Grand-Slam-Turniers in diesem Jahr ging bei 18 Grad vor fast 15.000 Zuschauern in der ausverkauften Rod Laver Arena über die Bühne. Richtig heiß lief Djokovic gleich zu Beginn, als er nach souveränem ersten Aufschlagspiel Thiem das Service zum 2:0 abnahm. Djokovic bestätigte das Break mit druckvollem Spiel und guten Längen, die Rückschläge kamen wie gewohnt gut.

Thiem wurde bei eigenem Service anfangs andauernd beschäftigt, holte aber jeweils nach Einstand seine ersten beiden Punkte. Mit Fortlauf des ersten Satzes kam Thiem besser in die Partie und nützte auch in der Folge seinen ersten Breakball zum 3:4. Wiederum mit Mühe glich der Lichtenwörther auch noch zum 4:4 aus und konterte damit den Traumstart von Djokovic, der 3:0 bzw. 4:1 geführt hatte.

Doch am Ende behielt Djokovic die Oberhand, brachte zunächst seinen eigenen Aufschlag durch und schaffte dann das Break zum Satzgewinn. Thiem wehrte den ersten Satzball nach längerem Schlagabtausch noch ab, doch nach 52 Minuten besiegelte der erste Doppelfehler den ersten Satz, den der nicht fehlerlose, aber effektive Djokovic gewann.

Thiem gelingt Satzausgleich

Den zweiten Durchgang startete Djokovic ähnlich souverän wie den ersten, doch erstmals brachte auch Thiem seinen Aufschlag zu null durch. Mit Rückenwind holte sich der Österreicher im dritten Game insgesamt drei Breakbälle, ein Doppelfehler von Djokovic sorgte für das wichtige Break zum 2:1. Die Nummer zwei der Welt wirkte daraufhin genervt, zeigte sich selbst den Vogel und Thiem baute dieses Momentum fortlaufend aus, auch mit erfolgreichen Challenges.

Dominic Thiem
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Thiem spielte sein bisher bestes Major-Finale, noch sollte es für den ersten Titel nicht reichen

Während die Rückhand in dieser Phase für den einen oder anderen Fehler sorgte, war auf die Vorhand Verlass. Wie schon gegen Nadal im Viertelfinale und gegen Alexander Zverev im Halbfinale präsentierte sich Thiem auch gegen Djokovic mental in Schuss. Nach einem gelungenen Stoppball bei 15:30 gab es zunächst auch noch Applaus vom Superstar auf der anderen Seite.

Der applaudierte sich dann innerlich selbst, denn unerzwungene Fehler Thiems sorgten zunächst für einen Breakball und letztlich auch für das Rebreak zum 4:4 des 32-Jährigen. Aber wiederum schlug Thiem zurück, holte dank guter Rückschläge zwei Breakbälle – auch weil Djokovic zweimal die „Shot Clock“ herunterlaufen ließ und jeweils den ersten Aufschlag damit verlor – und das Game zum 5:4. Djokovic klopfte dem Stuhlschiedsrichter auf die Schuhe und merkte sarkastisch an: „Super Job. So machst du dich berühmt.“ Thiem holte sich unbeeindruckt den Satzausgleich mit der zweiten Chance nach 49 Minuten – der Ball landete via Djokovics Rückhand im Aus.

Thiem geigt auf

Den ersten Breakball im dritten Durchgang richtete sich Thiem zwar gut her, doch im Gegensatz zu den jüngsten Partien hatte er an diesem Tag nicht allzu viel Glück mit der Netzkante – der Ball landete im Aus. Djokovic ermöglichte seinem Gegner aber eine weitere Chance, die Thiem zum ersten Break im dritten Durchgang nützte. Thiem bestätigte das mit Mühe und einem abgewehrten Breakball zum 2:0.

Der Serbe wirkte zunehmend fehleranfälliger, während bei Thiem nun auch die Rückhand besser funktionierte. Zudem kam das Glück kurzzeitig zurück, als ein Ball von Djokovic von der Netzkante zurück in dessen Feld sprang und Thiem sogleich das zweite Break im dritten Durchgang glückte. Den Frust von Djokovic machte sich der Niederösterreicher zunutze, spielte erst einen herrlichen Lob und vollendete dann per Ass zum 4:0.

Der Serbe verkürzte auf 1:4 und ließ sich daraufhin kurz behandeln. Doch Thiem ließ sich nicht beirren und gewann den dritten Durchgang nach 47 Minuten nach einer abgewehrten Breakchance mit dem vierten Satzball – der Ball landete dabei im Netz. Für Thiem war es das erste Mal, dass er zwei Sätze in einem Major-Finale gewann.

Djokovic dreht Match zum Sieg

Nach einer mehrminütigen Pause, die Djokovic in den Katakomben wohl auch dazu nützte, sich zu sammeln, steigerte er sich wiederum, und auch das Glück kehrte wieder zu ihm zurück – Thiem vergab eine Breakchance zur möglichen Vorentscheidung, Djokovic half im Anschluss die Netzkante zum 2:1. Thiem glich noch zum 2:2 und 3:3 aus, doch dann schlug das „Mentalitätsmonster“ Djokovic wieder einmal zu, schnappte sich das Break zum 5:3 und schließlich den vierten Satz nach 42 Minuten zum 2:2-Ausgleich.

Novak Djokovic
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Djokovic hatte das bessere Ende für sich und gewann nach fünf Sätzen

Wiederum hatte das Momentum in einer engen Partie den Besitzer gewechselt: Thiems Vorhandschlag landete im Netz, Djokovic hatte eine Breakchance und der Ball des Österreichers landete daraufhin knapp im Aus zum 1:2. Thiem bewies zwar nochmals Stehaufqualitäten, holte sich zwei Breakbälle, doch konnte diese nicht verwerten. Mit breiter Brust und angefeuert von den serbischen Fans hielt Djokovic Thiem auf Distanz, brillierte phasenweise mit seinen Schlägen, Thiem rettete aber nach abgewehrtem Breakball das Spiel zum 4:3.

Thiem hielt die Partie bis zum Schluss offen, doch konnte selbst keine Breakchancen mehr kreieren. Nach fast vier Stunden hatte Djokovic die Chance, auf den Turniersieg auszuservieren. Der Serbe hatte schließlich zwei Matchbälle, Thiems Vorhandschlag landete im Aus und Djokovic sicherte sich zum achten Mal den Sieg bei den Australian Open – auch bei der achten Finalteilnahme war ihm der Titel nicht zu nehmen.

Thiems nächste Chance auf einen Grand-Slam-Titel bietet sich wiederum Ende Mai/Anfang Juni bei den French Open, wo er zuletzt viermal in Folge zumindest im Halbfinale gestanden war.