Biathlet Felix Leitner (Österreich)
GEPA/Andreas Pranter
Biathlon-WM

Leitner lässt Medaille am Schießstand liegen

Felix Leitner hat zum Abschluss der Biathlon-WM in Antholz am Sonntag im Massenstart als Sechster noch einen Topplatz für Österreich geholt. Für den 23-jährigen Tiroler wäre sogar noch mehr möglich gewesen. In der Loipe mit der zweitschnellsten Zeit, ließ Leitner eine mögliche Medaille am Schießstand liegen. Gold holte sich der makellose norwegische Superstar Johannes Thingnes Bö.

Der 26-jährige Bö blieb über die 15 km als einziger der 30 angetretenen Läufer bei allen vier Schießübungen fehlerfrei und holte mit 42 Sekunden Vorsprung auf den Franzosen Quentin Fillon Maillet, der dreimal in die Strafrunde musste, seine insgesamt dritte Goldmedaille in Südtirol. Bronze ging mit Emilien Jacquelin (zwei Fehler) ebenfalls an Frankreich.

Leitner klassierte sich als bester Österreicher an der sechsten Stelle (1:06,7 Min.), auf Bronze fehlten dem Tiroler letztendlich nur 11,7 Sekunden. Drei Fehlschüsse kosteten den 23-Jährigen einen Platz auf dem Stockerl. Trotzdem erreichte der ehemalige Junioren-Weltmeister nach zwei neunten Plätzen sein bestes Resultat in Antholz und durfte erstmals zur Siegerehrung. Julian Eberhard wurde mit vier Fehlschüssen Neunter (1:19,6), Dominik Landertinger musste ebenfalls dreimal in die Strafrunde und landete an der 17. Stelle (2:15,1).

Der norwegische Biathlet Johannes Thingnes Bö beim Stehendschießen
APA/AFP/Marco Bertorello
Während alle anderen strauchelten, ließ Bö (l.) am Schießstand nichts anbrennen

Laufleistung stimmt Leitner zuversichtlich

„Ich habe mich läuferisch noch nie so gut gefühlt, ich bin zuversichtlich, was die nächsten Jahre bringen“, sagte der ehemalige Junioren-Weltmeister Leitner im ORF-Interview und freute sich trotz der Fehler über seinen Spitzenplatz: „Wenn ich eine starke Form habe, wird es von Rennen zu Rennen besser. Außerdem hatte ich wieder einen Wahnsinnsski, wie schon während der gesamten WM. (Martin, Anm.) Fourcade bin ich niedergelaufen, das war richtig geil.“ Der französische Superstar musste sich im Finish hinter Leitner auf Rang sieben einreihen.

Schlusstag der Biathlon-WM in Antholz

Für Österreich gab es zwar keine weitere Medaille mehr, in den Massenstartbewerben holten Lisa Hauser, Felix Leitner und Julian Eberhart dennoch starke Top-Ten-Plätze.

Auch Eberhard zeigte in der Loipe eine deutliche stärkere Leistung als am Schießstand. Anders als sein junger Teamkollege zeigte sich der 33-Jährige enttäuscht. „Es tut weh, dass ich die Medaille nicht geschafft habe. Aber ich habe bis zum Schluss gekämpft“, meinte der Salzburger, der am Vortag in der Staffel beim Sieg von Frankreich mit zwei Strafrunden einen besseren Platz als den sechsten vergeben hatte.

Röiseland in eigener Liga

Bei den Damen krönte sich Marte Olsbu Röiseland endgültig zur Königin von Antholz. Die 29-jährige Norwegerin eroberte im abschließenden Massenstart-Rennen über 12,5 km ihre fünfte Goldmedaille in Südtirol. Mit zwei Fehlschüssen gewann sie nach einer spannenden Schlussphase 20,7 Sekunden vor der Doppelweltmeisterin und Lokalmatadorin Dorothea Wierer, die dreimal daneben schoss. Bronze ging mit ebenfalls drei Fehlern an die Schwedin Hanna Öberg.

Jubel der norwegischen Biathletin Marte Olsbu Röiseland
Reuters/Leonhard Foeger
Röiseland fährt mit fünf Goldmedaillen im Gepäck aus Italien heim

Lisa Theresa Hauser beendete die Weltmeisterschaft in den Top Ten. Die Tirolerin kam nach zwei Fehlschüssen mit 1:02,5 Min. Rückstand auf die Siegerin als Neunte ins Ziel. „Der neunte Platz ist ein cooler und versöhnlicher WM-Abschluss für mich. Nachdem ich im Einzel und in der Single-Mixed-Staffel nicht das richtige Konzept gefunden und mit meinen Leistungen etwas gehadert habe, darf ich heute auf jeden Fall zufrieden sein“, sagte Hauser.

Innerhofer verschießt Sensation

Ein Wechselbad der Gefühle erlebte Katharina Innerhofer. Die Salzburgerin blieb bei den zwei Liegendanschlägen fehlerfrei und lag zur Halbzeit des Rennens in Führung. Doch beim Stehendschießen ging die 29-Jährige zu viel Risiko ein und verschoss mit insgesamt sechs Fehlern eine mögliche Medaille. Am Ende landete Innerhofer auf dem 19. Rang.

„Es war richtig geil, da vorne zu laufen, das hat so viel Spaß gemacht. Stehend ist einfach meine Wackeldisziplin. Da muss ich heuer im Sommer intensiv daran arbeiten“, sagte Innerhofer, „läuferisch war die Schlussrunde nach zuvor sechs Strafrunden extrem hart. Heute durfte ich schon mal schnuppern, wie es sich da vorne anfühlt. Jetzt heißt es läuferisch dranbleiben und im Stehendschießen hart arbeiten.“

Logwinow verzichtet auf Start

Großer Abwesender am Schlusstag der Titelkämpfe in Antholz war Alexander Loginow. Der russische Sprint-Weltmeister verzichtete nach der Dopingrazzia am Samstag auf seine Teilnahme im Massenstart. Wie der russische Verband am Sonntag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, sei der 28-Jährige aufgrund der jüngsten Umstände „nicht in einem optimalen psychischen Zustand“.

Am Samstagmorgen hatte um 5.50 Uhr eine Sondereinheit der Polizei das Hotelzimmer Loginows durchsucht und Material beschlagnahmt, darunter seinen Laptop, sein Handy, Vitaminpräparate und Cremes. Loginow startete am Samstagnachmittag dennoch in der Staffel und lieferte als Schlussläufer bei Platz vier eine starke Leistung ab.

Biathlon-WM in Antholz

Damen-Massenstart (12,5 km):
1. Marte Olsbu Röiseland NOR 39:14,0 2*
2. Dorothea Wierer ITA + 20,7 3
3. Hanna Öberg SWE 26,1 3
4. Monika Hojnisz-Starega POL 29,1 2
5. Julia Simon FRA 45,1 2
6. Jekaterina Jurlowa-Percht RUS 52,0 2
7. Tiril Eckhoff NOR 1:00,2 4
8. Franziska Preuß GER 1:00,3 3
9. Lisa Theresa Hauser AUT 1:02,5 2
10. Anais Bescond FRA 1:21,3 3
19. Katharina Innerhofer AUT 2:19,4 6
* Schießfehler = Strafrunden
Herren-Massenstart (15 km):
1. Johannes Thingnes Bö NOR 38:09,5 0*
2. Quentin Fillon Maillet FRA + 42,0 3
3. Emilien Jacquelin FRA 55,0 2
4. Tarjei Bö NOR 55,6 2
5. Simon Desthieux FRA 1:03,7 1
6. Felix Leitner AUT 1:06,7 3
7. Martin Fourcade FRA 1:13,1 3
8. Johannes Dale NOR 1:17,1 3
9. Julian Eberhard AUT 1:19,6 4
10. Johannes Kühn GER 1:25,2 4
17. Dominik Landertinger AUT 2:15,1 3
* Schießfehler = Strafrunden

Medaillenspiegel

Gold Silber Bronze Gesamt
1. Norwegen 6 3 2 11
2. Frankreich 3 2 3 8
3. Italien 2 2 - 4
4. Russland 1 - 1 2
5. Deutschland - 4 1 5
6. USA - 1 - 1
7. Tschechien - - 2 2
8. Österreich - - 1 1
. Schweden - - 1 1
. Ukraine - - 1 1
Endstand nach zwölf Bewerben