Schiedsrichterassistentin Sara Telek, Schiedsrichterassistentin
picturedesk.com/Daniel Scharinger
Fußball

Telek als Vorreiterin an der Seitenlinie

Der 22. Februar hat für Sara Telek mittlerweile eine ganz besondere Bedeutung: 2019 war die gebürtige Wienerin erstmals in einem Spiel der 2. Liga als Schiedsrichterassistentin im Einsatz, exakt ein Jahr später debütierte die 31-Jährige nun als erste Frau an der Seitenlinie in Österreichs Bundesliga. Das soll für Telek längst nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Bereits dieser Tage ist Telek auch beim Cyprus Women’s Cup 2020 auf Zypern im Einsatz, der nicht nur den Teams, sondern auch den Referees und ihren Assistentinnen im Hinblick auf die Europameisterschaft 2021 als Vorbereitung dient. „Das ist etwas Besonderes und auch nicht selbstverständlich, weil früher zumeist Schiedsrichterinnen und ihre Assistentinnen aus jeweils einem Land nominiert wurden. Das ist für mich ein Motivationsschub“, sagte Telek im Gespräch mit ORF.at.

Für die EM 2021 in England nominiert zu werden, ist ihr nächstes großes Ziel, doch neben weiteren internationalen Auftritten bei Spielen der Frauen, träumt Telek auch von Einsätzen bei Partien der Herren. Zunächst gilt es aber, sich in der Bundesliga zu etablieren, in der sie einen gelungenen Einstand gefeiert hatte. Weibliche Referees sind im Herren-Fußball angekommen: „Es gibt kaum mehr Kommentare, ob positiv oder negativ, dazu. Es ist nicht mehr exotisch“, sagte Telek.

Schiedsrichterin will sich in der Bundesliga etablieren

Die 31-jährige Sara Telek ist seit Kurzem als erste österreichische Schiedsrichterin in der Fußball-Bundesliga der Männer im Einsatz.

An der Seitenlinie ist Telek eine Vorreiterin in der österreichischen Bundesliga, doch hierzulande leitete bereits Anfang der 2000er Jahre eine Frau Spiele im Oberhaus. Dank eines Austauschprogramms zwischen der Schweiz und Österreich pfiff Nicole Petignat zwischen 2000 und 2003 vier Bundesliga-Spiele, die Kärntnerin Tanja Hausott leitete zudem von 2008 bis 2012 insgesamt 39 Partien in der 2. Liga.

Bessere Chancen als Assistentin

Im Jahr 2008 begann auch Telek ihre Ausbildung als Schiedsrichterin, ohne damals die ganz große Karriere im Kopf gehabt zu haben. „Es war eher Zufall. Ich habe selbst gespielt und wollte die Regeln noch besser kennenlernen. Ich bin hängen geblieben, habe Kurse besucht und dann Spiele geleitet“, erzählte die Dreistettnerin (Niederösterreich, Anm.), der in ihrer Studentenzeit auch die Entlohnung gelegen kam. Anfangs mitunter belächelt, kämpfte sie sich nun bis in die Bundesliga.

Als Hauptschiedsrichterin pfeift sie nach wie vor auch Spiele in der Frauen-Bundesliga sowie bis in die drittklassige Herren-Regionalliga, doch der große Durchbruch gelang letztlich an der Linie. „Viele haben natürlich das Ziel, Hauptschiedsrichterin zu werden, mir wurde aber nahegelegt, dass ich den Weg als Assistentin gehen solle, weil hier Potenzial bis nach ganz oben gesehen wurde. Es war die beste Entscheidung“, schilderte Telek, die mit 1,60 Metern Körpergröße zwar keine Spieler überragt, aber im Sprint definitiv mitzuhalten weiß.

Sprinttest beim Bundesliga-Debüt

So auch bei ihrem Bundesliga-Debüt, als WSG-Tirol-Stürmer Zlatko Dedic aus der eigenen Hälfte auf und davon zog und den 2:0-Endstand gegen den WAC sicherstellte. „Das war ein super Test für mich, da geht es darum, die Situation schnell zu erkennen, um Schritt zu halten“, sagte Telek im Rückblick auf ihr Debüt im Oberhaus („Es war schön, dieses Ziel zu erreichen“). Nervös sei sie an diesem Tag nicht gewesen.

Sara Telek während einer Partie zwischen den Juniors OOE und Yusuf Efendioglu (Steyr)
GEPA/Walter Luger
In der 2. Liga und Bundesliga hat Sara Telek nun insgesamt 25 Einsätze als Assistentin zu Buche stehen

„Vielleicht weil ich das Schiedsrichterteam und das Stadion schon gekannt habe. Ich hatte einfach eine positive Anspannung und ich war froh und erleichtert, dass es ein schöner Einstieg war. Es war für mich ein gelungenes Debüt, das ich genießen konnte“, sagte die frühere Sportreporterin, die das Bachelorstudium Hungarologie abgeschlossen hat und aktuell im Bereich Medien und Public Relations arbeitet. Das Schiedsrichterdasein bringt zwar für jeden Einsatz auch finanziell etwas ein, „aber davon leben kann man in Österreich nicht. Es ist eine schöne sportliche Herausforderung mit nettem Beigeschmack.“

„Sturheit und Beharrlichkeit“ zahlen sich aus

Nach 24 Spielen in der 2. Liga wurde Telek in die Bundesliga gehievt. „Ich war stur und beharrlich und wollte dieses Ziel einfach erreichen. Viele Funktionäre oder auch Kollegen hätten damit vielleicht nicht gerechnet, aber ich habe einfach nicht lockergelassen“, schilderte Telek, die die physischen Limits für die Bundesliga klar erreicht hatte. So schaffte es sie es nicht nur in den Förderkader für Assistentinnen des Österreichischen Fußballbunds (ÖFB), sondern ein Jahr zuvor 2016 auch zur Assistentin im Internationalen Fußballverband (FIFA).

Nun gilt es, die Leistungen nach und nach zu bestätigen. „Der Fokus liegt darauf, in der Bundesliga Fuß zu fassen. Die Spiele sind wichtig, um sich für internationale Aufgaben zu empfehlen. Der zweite Fokus liegt bei der Ausbildung zum Video Assistant Referee (VAR), das ist auch im Hinblick auf die EM 2021 wichtig“, sagte Telek, die mit der Nominierung für das freundschaftliche Kräftemessen in Zypern einen Schritt zum nächsten großen Ziel gemacht hat.

Schiedsrichterassistentin Sara Telek, Schiedsrichterassistentin
Privat
Telek weilt dieser Tage beim Cyprus Women’s Cup 2020

Traum von Einsätzen im Herren-Europacup

Auf Vereinsebene dürfte ein Einsatz in der Champions League der Frauen nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, Telek träumt aber auch von internationalen Einsätzen bei den Herren. Die Engländerin Sian Massey sowie die Griechin Chryoula Kourombylia kamen etwa bereits in der Europa League zum Einsatz. „In Österreich habe ich das Maximum erreicht, international möchte ich nun bei den Frauen einen Fußabdruck hinterlassen und noch mehr erreichen als ursprünglich für möglich gehalten. Theoretisch ist jetzt auch möglich, dass ich bei Männer-Spielen zum Einsatz komme. Das wäre das Nonplusultra.“

International scheinen Frauen im Schiedsrichterwesen tatsächlich mehr und mehr Chancen zu bekommen, auch in Österreich werden Talente gefördert, wobei am Ende wiederum die Leistung zählt, wie Telek bestätigte. „Wenn du die Kriterien erfüllst, dann bekommst du auch die gleichen Chancen, das ist schon positiv. Aber warum sollte ich auch wiederum mehr Möglichkeiten erhalten als männliche Kollegen?“