Mitch Seavey mit seinem Hundeschlitten
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Extremsport

Wo Hund und Mensch Alaskas Wildnis zähmen

Die Sportwelt steht aufgrund der Maßnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie still. Im äußersten Zipfel Nordamerikas spielte sich in den vergangenen Tagen mit dem Iditarod Sled Dog Race trotzdem eines der härtesten Rennen der Welt ab. Das Vorbild des Wettkampfes der Musher auf ihren Hundeschlitten über rund 1.600 km durch Alaska war angesichts der Coronavirus-Pandemie aber noch nie so präsent wie heuer.

Der Wettlauf der Musher und ihrer Hunde über 1.000 Meilen von Alaskas größter Stadt Anchorage ins entlegene Nome an der Bering See gilt heute als Wiederholung des „Serum Run“ von 1925. Damals brach im Winter in der Goldgräberstadt Nome eine Diphterie-Epidemie aus. Mittels eines Staffellaufes über mehr als 1.000 km brachten damals 20 Musher auf Teilen des legendären Iditarod-Trails mit ihren Hunden das dringend benötigte Medikament in nur fünf Tagen ins Krisengebiet.

Die Aktion ging als „Great Run of Mercy“ – das große Rennen der Barmherzigkeit – in die Geschichte ein. Dem Husky Balto, Leithund des Gespanns des Norwegers Gunnar Kaase, der als Letzter der Staffel Nome erreichte, wurde nicht nur ein filmisches, sondern auch ein echtes Denkmal im New Yorker Central Park gesetzt. Die Schlussetappe des Iditarod Race von Kaltag nach Nome führt auch heute noch über die historische Serum-Strecke.

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Ein Hund von Paige Drobny’s Schlitten jaulend
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Seit 1973 steht in Alaska mit Iditarod Rennen die härteste Herausforderung für Schlittenhunde und ihre Musher auf dem Programm
Joar Liefseth Ulsom aus Norwegen mit Thomas Waerner
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Teilnehmer aus aller Welt, wie hier die Norweger Joar Liefseth Ulsom (l.), der Sieger 2018 und Thomas Waerner (r.), Sieger der diesjährigen Ausgabe reisen zum Spektakel an
Fabio Berlusconi aus Italien mit seinem Hundeschitten beim Start des Rennens
AP/Mark Thiessen
Der zeremonielle Start erfolg traditionell in den Straßen von Alaskas Hauptstadt Anchorage
Ein Schlittenhund von Kristy Berington’s Team schaut um die Ecke
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Nach dem Auftakt in der Zivilisaton warten auf die Teilnehmer und ihre Hunde Wildnis, Schneestürme und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt
Oogruk, ein Hund aus Kristy Berington’s team springt in die Luft
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Die Aufregung ist nicht nur bei den menschlichen Teilnehmern an der Grenzerfahrung Iditarod groß
Landschaftsaufnahme mit Hundeschlitten der durch Submarine Lake bei Nikolai, Alaska fährt
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Über 1.600 km geht es von Anchorage nach Nome – teilweise auf der Strecke des legendären Serum Run von 1925
Hunde von Kristy Berington’s Team bei Takotna, Alaska
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Menschen treffen die Gespanne auf ihrem langen Weg quer durch Alaska selten
Joar Leifseth Ulsom mit seinem Hundeschlitten beim Rainy Pass Checkpoint
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Zumindest die Musher sind in Zeiten des Coronavirus in der Wildnis Alaskas vor Kontakt mit infizierten Personen sicher
Luftaufnahme der Landschaft
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In der Weite im Nordwesten Nordamerikas sind Straßen nur noch schwer von der Umgebung zu unterscheiden
Linwood Fiedler mit Hundeschlitten bei Takotna, Alaska
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Rund zehn Tage lang wird den Hunden und deren Führern alles abverlangt
Thomas Waerner mit Hundeschlitten in Unalakleet, Alaska
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Thomas Waerner aus der Nähe von Lillehammer absolvierte mit seinen Hunden die Strecke heuer am schnellsten

Zwischen dem zeremoniellen Auftakt in Anchorage – für den extra Schnee auf die Straßen gekippt wird –, dem offiziellen Start im rund 60 Kilometer nördlich gelegenen Willow und dem Ziel in Nome liegen über 1.600 Kilometer voller Strapazen für die Hunde und ihre Führer. Blizzards und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt machen das Rennen zu einem der gefährlichsten der Welt. Jährlich alternierend wird das Rennen auf einer südlichen oder nördlichen Route geführt. 27 (südliche Route) bzw. 26 (nördliche Route) Checkpoints sind anzufahren.

Aufgrund der Strapazen für die Hunde ist das Iditarod seit Längerem auch Zielscheibe der Kritik von Tierschutzorganisatoren, allen voran von People for the Ethical Treatment of Animals (PETA). Laut PETA sind seit dem ersten Rennen 1973 mehr als 150 Hunde in den Weiten Alaskas einen qualvollen Tod gestorben. Eine Zahl, die von den Organisatoren des Rennens dementiert wird. Der Einsatz der Tierschützer führte bereits dazu, dass mehrere prominente und langjährige Sponsoren wie Alaska Airlines nach 40 Jahren ihre Unterstützung entzogen.

Norweger holt Sieg 2020

Trotzdem wurde heuer am 7. März die 48. Ausgabe des Iditarod gestartet. Der Sieger kommt heuer zum insgesamt vierten Mal aus Norwegen. Thomas Waerner überquerte am Mittwoch nach neun Tagen, zehn Stunden und 37:47 Minuten mit seinem Gespann als Erster die Ziellinie in Nome. Vor dem 47-Jährigen aus der Nähe der Olympiastadt Lillehammer hatten Robert Sörlie 2003 und 2005, sowie Joar Leifseth Ulsom 2018 den Sieg für Norwegen geholt. Waerners erster Verfolger, der dreifache Gewinner Mitch Seavey aus den USA hatte beim letzten Checkpoint fünf Stunden Rückstand.

„Es ist unglaublich, ich bin sprachlos“, sagte Waerner, nachdem er mit seinem von den Leithunden K2 und Bark angeführten Gespann als Erster ins Ziel gekommen war. Der erste Dank galt seinen Hunden, die ihn durch den tiefen Schnee auf den letzten Etappen des Rennens an die Spitze zogen. K2 sei „der Motor, der niemals stoppt“. Sein zweiter Leithund Bark jener Teil seines Teams, der selbst bei starkem Sturm immer weiter zieht. „Sie sind ein unglaubliches Gespann“, so Waerner.

Thomas Waerner mit Hundeschlitten in Unalakleet, Alaska
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Waerner und seine Hunde meistern die Tücken der strapaziösen Strecke am schnellsten

Der Norweger, der laut eigener Aussage seit seinem elften Lebensjahr vom Sieg beim Iditarod geträumt hatte, nahm erst zum zweiten Mal nach 2015 an dem Rennen teil. Damals wurde er nach Platz 17 zum Rookie des Jahres gekürt. Vor einem Jahr holte sich der 47-Jährige den Sieg beim Finnmarkslopet in seiner Heimat, dem mit 1.200 km längsten Hundeschlittenrennen Europas. „Für mich ist ein Traum wahr geworden“, so der Iditarod-Sieger 2020, der sich über rund 50.000 Dollar Preisgeld und ein neues Auto freuen darf.

Keine Events wegen Coronavirus

Auch wenn die 48. Ausgabe des Iditarod wie geplant über die Bühne ging, waren die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auch im entlegensten Winkel der USA zu spüren. Im Zielort Nome wurde auf die traditionellen Events verzichtet. Sieger Waerner wurde nicht von einer jubelnden Menschenmenge, sondern nur von Personen des Organisationskomitees empfangen.

Um den Personenkontakt minimal zu halten, wurden auch die meisten der Kontrollpunkte auf der heuer gefahrenen nördlichen Route aus Ortschaften ins freie Feld verlegt. Ein Checkpoint befand sich mitten auf dem zugefrorenen Fluss Yukon. Insgesamt 57 Musher hatten sich heuer in Anchorage auf den Weg gemacht, bei Waerners Zieldurchfahrt waren laut offiziellen Angaben noch 45 Schlitten unterwegs. Elf mussten aufgeben.