Toni Sailer in der Abfahrt bei den Olympischen Winterspielen in Cortina dAmpezzo 1956
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Olympia

23 Winterspiele mit Höhen und Tiefen

Olympische Winterspiele fesseln seit 1924 die Sportfans. Österreichs Sportlerinnen und Sportler erlebten in der Geschichte der bisher 23 Ausgaben Höhen, aber auch Tiefen. Die ersten heimischen Stars waren Eiskunstläufer. Die meisten Medaillen gab es 2006 in Turin. Überschattet wurde der Erfolg damals allerdings auch vom Blutdopingskandal.

Aus sportlicher Sicht wurde Sarajevo 1984 mit nur einmal Bronze zu den „Katastrophenspielen“ für das Österreichische Olympische Comite (ÖOC). Die Rangliste der erfolgreichsten heimischen Athleten führt ein Nordischer Kombinierer vor einem Skispringer und einem alpinen Skifahrer an. Im ewigen Medaillenspiegel belegt Österreich den sechsten Platz.

Der Startschuss für die Winterspiele fiel vor 96 Jahren im französischen Chamonix. Ursprünglich als Wintersportwoche im Rahmen der Sommerspiele 1924 von Paris deklariert, beschloss das Internationale Olympische Komitee (IOC) 1925, den Wettkämpfen rückwirkend den Status der I. Olympischen Winterspiele zuzuerkennen.

Ära der Eiskunstläufer von 1924 bis 1972

Die Premiere fiel überaus erfolgreich aus. Österreich holte zweimal Gold und einmal Silber – jeweils im Eiskunstlauf. Herma Jarosz-Szabo und das Paarlauf-Duo Helene Engelmann/Alfred Berger kürten sich zu Olympiasiegern, Willy Böckl belegte Rang zwei. In den elf Winterspielen zwischen 1924 und 1972 holten die heimischen Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer zehnmal zumindest eine Medaille. Nur 1960 in Squaw Valley gingen sie leer aus. Karl Schäfer kürte sich 1932 in Lake Placid und 1936 in Garmisch-Partenkirchen jeweils zum Olympiasieger.

Karl Schäfer bei den Olympischen Spielen 1936
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Schäfer holte nach seinem Olympiasieg in Lake Placid auch 1936 Gold

Olympiamedaillen im Eiskunstlauf

Herren:
Willy Böckl Silber 1924, Silber 1928
Karl Schäfer Gold 1932, Gold 1936
Felix Kaspar Bronze 1936
Edi Rada Bronze 1948
Helmut Seibt Silber 1952
Wolfgang Schwarz Gold 1968
Damen:
Herma Szabo Gold 1924
Fritzi Burger Silber 1928, Silber 1932
Eva Pawlik Silber 1948
Ingrid Wendl Bronze 1956
Regine Heitzer Silber 1964
Trixi Schuba Gold 1972
Paare:
Helene Engelmann und Alfred Berger Gold 1924
Lilly Scholz und Otto Kaiser Silber 1928
Melitta Brunner und Ludwig Wrede Bronze 1928
Ilse Pausin und Erik Pausin Silber 1936
Sissy Schwarz und Kurt Oppelt Gold 1956

Mit insgesamt 20-mal Edelmetall, davon sieben in Gold, neun in Silber und vier in Bronze, holte der österreichische Eiskunstlaufverband (Skate Austria) die zweitmeisten Olympiamedaillen nach dem österreichischen Skiverband (ÖSV). Österreich ist somit nach Russland und der USA die erfolgreichste Nation im Eiskunstlauf bei Olympischen Spielen – und das, obwohl seit Gold durch Trixi Schuba 1972 in Sapporo keine einzige Medaille mehr dazu kam.

Alpine starten ab 1948 voll durch

Österreichs Alpine starteten ab 1948 voll durch und holten bis zu den letzten Winterspielen 2018 in Pyeongchang insgesamt 121 Medaillen, davon 37 in Gold, 41 in Silber und 43 in Bronze. In St. Moritz erlebten die alpinen Skibewerbe ihre „echte“ Premiere mit je drei Rennen für Frauen und Männer. 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurde nur eine Kombination ausgetragen, der Zweite Weltkrieg verhinderte die Durchführung der Winterspiele in den Jahren 1940 und 1944. Insgesamt acht Medaillen nahm Österreich 1948 aus der Schweiz mit, die beiden anderen Medaillen gingen an Eiskunstläufer.

ÖOC-Bilanz nach Sportarten

Sportart Gold Silber Bronze Gesamt
Ski alpin 37 41 43 121
Eiskunstlauf 7 9 4 20
Skispringen 6 9 10 25
Rodeln 6 8 8 22
Nordische Kombination 3 2 10 15
Snowboard 2 1 4 7
Eisschnelllauf 1 2 3 6
Langlauf 1 2 2 5
Bob 1 2 - 3
Biathlon - 3 3 6
Skeleton - 1 - 1
Skicross - 1 - 1
ÖOC-Gesamtbilanz 64 81 87 232

Sailer schreibt Geschichte

Erfolgreichster alpiner Skifahrer bei Olympischen Spielen ist weiterhin Toni Sailer. Der damals 20-jährige Tiroler schrieb 1956 in Cortina d’Ampezzo Geschichte und gewann als erster Sportler alle alpinen Bewerbe – Riesentorlauf, Slalom und Abfahrt – bei Olympischen Spielen. Im Ranking der erfolgreichsten heimischen Athleten reicht das trotzdem nur zu Platz drei.

In den 1970er und 1990er Jahren brannten sich zwei weitere heimische Athleten durch ihre Leistungen ins kollektive Gedächtnis der Österreicher: 1976 in Innsbruck raste Franz Klammer mit einer verwegenen Fahrt auf dem Patscherkofel zum Abfahrtssieg und machte sich damit zur lebenden Legende. „Dieser Erfolg hat mein Leben total verändert“, erinnerte sich Klammer. 1998 in Nagano war die Geburtsstunde des „Herminators“. Nur drei Tage nach seinem „Jahrhundertsturz“ in der Abfahrt raste Hermann Maier zu Gold im Super-G, dem er auch noch Gold im Riesentorlauf folgen ließ.

Franz Klammer beim Abfahrtslauf der Herren am 3.2.1976 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck
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Klammer machte sich mit dem Heimsieg in Innsbruck zur lebenden Legende

Innsbruck war gleich zweimal Ausrichter der Winterspiele. Bei der Premiere 1964 in Österreich wurde auch erstmals die Grenze von tausend Teilnehmern übersprungen. 1.091 Athleten aus 36 Nationen nahmen an den Wettkämpfen in Tirol teil. Mit zwölf Medaillen (viermal Gold, fünfmal Silber und dreimal Bronze) stellten die heimischen Athleten eine Rekordmarke auf, die erst 28 Jahre später in Albertville übertroffen werden sollte. 1976 gastierten die Winterspiele ein weiteres Mal in Tirol. Doch diesmal war die Medaillenausbeute weniger eindrucksvoll: je zweimal Gold, Silber und Bronze.

Tiefpunkt in Sarajevo, Affäre um Walter Mayer

Sarajevo 1984 markierte den sportlichen Tiefpunkt für das ÖOC. Der Abfahrer Anton „Jimmy“ Steiner sorgte mit seinem dritten Platz für das einzige Edelmetall im damaligen Jugoslawien. Zehn Medaillen in Calgary 1988 bedeuteten für Österreich nach dem Desaster von Sarajevo eine Wohltat. Albertville 1992 löste Innsbruck dann als die bis dahin erfolgreichsten Spiele für den ÖOC ab. 21 Medaillen eroberten die heimischen Athletinnen und Athleten, davon sechs in Gold, sieben in Silber und acht in Bronze.

Peter Müller, Bill Johnson und Anton Steiner, 1984
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Anton Steiner (r.) gewann in Sarajevo die einzige Medaille für Österreich

Die Affäre um den damaligen Nordischen Direktor für Biathlon und Langlauf, Walter Mayer, überschattete die Spiele 2002 in Salt Lake City. In einem von ÖSV-Langläufern genutzten Privathaus wurden leere Blutbeutel und Injektionsnadeln gefunden. Mayer rechtfertigte sich, dass damit unter anderem UV-Behandlungen des Blutes durchgeführt wurden. Das IOC disqualifizierte die Athleten Marc Mayer und Achim Walcher, bei denen die Therapie angewandt wurde, und schloss Walter Mayer bis einschließlich 2010 von den Olympischen Spielen aus.

Blutdopingskandal in Turin

Mayers Anwesenheit vier Jahre Später in Turin trotz IOC-Sperre und der Fund eines angeblich für Blutdoping geeigneten Gerätes durch Dopingkontrollore in seiner Ramsauer Pension führten zu einer vom IOC mitinitiierten spätabendlichen Anti-Doping-Razzia im Privatquartier der österreichischen Langläufer in Pragelato und der Biathleten in San Sicario. Beschlagnahmt wurden Geräte und Substanzen, die für Blutdoping geeignet waren.

Razzia im Quartier der österreichischen Langläufer und Biathleten am Samstagabend, 18. Februar 2006, in San Sicario
APA/Hans Klaus Techt
Razzia im Quartier der österreichischen Biathleten in San Sicario

Als eine der zahlreichen Folgen schloss das IOC-Exekutivkomitee Wolfgang Rottmann, Wolfgang Perner, Martin Tauber, Jürgen Pinter, Johannes Eder und Roland Diethart lebenslänglich von der Teilnahme an Olympischen Spielen aus und annullierte ihre Turin-Ergebnisse aus den Listen. Weiters strich das IOC dem ÖOC Fördermittel in Höhe von einer Million US-Dollar.

23 Medaillen bedeuten neuen Rekord für ÖOC

Der Blutdopingskandal überschattete auch, dass Österreichs Olympiasportler 2006 das beste Ergebnis der Geschichte erreichten. Mit neunmal Gold sowie jeweils siebenmal Silber und Bronze holte das ÖOC insgesamt 23 Medaillen. Die Alpinskifahrer Michaela Dorfmeister (Abfahrt und Super-G) und Benjamin Raich (Riesentorlauf und Slalom), Skispringer Thomas Morgenstern (Großschanze und Team) sowie der Nordische Kombinierer Felix Gottwald (Sprint und Team) krönten sich zu Doppelolympiasiegern.

ÖOC-Medaillen bei Winterspielen

Jahr Ort Gold Silber Bronze Gesamt
2006 Turin 9 7 7 23
1992 Albertville 6 7 8 21
2018 Pyeongchang 5 3 6 14
2014 Sotschi 4 8 5 17
2010 Vancouver 4 6 6 16
1964 Innsbruck 4 5 3 12
1956 Cortina d'Ampezzo 4 3 4 11
1998 Nagano 3 5 9 17
1988 Calgary 3 5 2 10
2002 Salt Lake City 3 4 10 17
1968 Grenoble 3 4 4 11
1980 Lake Placid 3 2 2 7
1952 Oslo 2 4 2 8
1994 Lillehammer 2 3 4 9
1976 Innsbruck 2 2 2 6
1924 Chamonix 2 1 0 3
1948 St. Moritz 1 3 4 8
1960 Squaw Valley 1 2 3 6
1972 Sapporo 1 2 2 5
1936 Garmisch-Partenkirchen 1 1 2 4
1932 Lake Placid 1 1 0 2
1928 St. Moritz 0 3 1 4
1984 Sarajevo 0 0 1 1

Gottwald siebenfacher Medaillengewinner

Gottwald und Morgenstern sind auch jene beiden Athleten, die im Ranking der erfolgreichsten Österreicher bei Winterspielen Legende Sailer hinter sich ließen. Kombinierer Gottwald gewann in Turin auch Silber im Einzel. Vier Jahre zuvor in Salt Lake City hatte der Salzburger dreimal Bronze (Einzel, Sprint und Team) geholt. Bei seinen letzten Winterspielen 2010 in Vancouver durfte er noch einmal über Gold im Team jubeln. Damit darf Gottwald insgesamt sieben Olympiamedaillen sein Eigen nennen.

Der zweifache Goldmedaillen-Gewinner in der Nordischen Kombination (Mannschaft,Sprint) und Silbermedaillen-Gewinner im Einzelbewerb Felix Gottwald, 2006
APA/Robert Jaeger
Gottwald (hier mit seinen Goldmedaillen in Turin) ist der erfolgreichste Österreicher bei Winterspielen

Morgenstern holte nach seinen zwei Goldmedaillen in Turin auch vier Jahre später Gold, 2014 folgte in Sotschi die Silbermedaille – jeweils im Team. Hinter den dreifachen Olympiasiegern folgen zwölf Österreicherinnen und Österreicher, die zumindest zweimal Olympiagold gewannen.

Erfolgreichste Österreicher bei Winterspielen

1. Felix Gottwald 2002-2010 Nord. Kombi 3/1/3
2. Thomas Morgenstern 2006-2014 Skispringen 3/1/0
3. Toni Sailer 1956 Ski alpin 3/0/0
4. Hermann Maier 1998-2006 Ski alpin 2/1/1
5. Michaela Dorfmeister 1998-2006 Ski alpin 2/1/0
. Trude Jochum-Beiser 1948-1952 Ski alpin 2/1/0
. Marcel Hirscher 2014-2018 Ski alpin 2/1/0
. Andreas Kofler 2006-2010 Skispringen 2/1/0
. Andreas Linger 2006-2014 Rodeln 2/1/0
. Wolfgang Linger 2006-2014 Rodeln 2/1/0
11. Benjamin Raich 2002-2006 Ski alpin 2/0/2
. Mario Stecher 2002-2014 Nord. Kombi 2/0/2
13. Petra Kronberger 1992 Ski alpin 2/0/0
. Matthias Mayer * 2014-2018 Ski alpin 2/0/0
. Karl Schäfer 1932-1936 Eiskunstlauf 2/0/0
* noch aktiv

Historisches Debakel für Alpin-Herren

Mit vier Goldmedaillen durch Skirennläuferin Andrea Fischbacher im Super-G, die Rodel-Doppelsitzer Andreas und Wolfgang Linger, die Kombinierer und die Spezialspringer-Mannschaft, sechs Silber- und sechs Bronzemedaillen (Gesamt 16 Medaillen) erreichte Österreich auch 2010 in Vancouver ein sehr gutes Ergebnis. Zum sportlichen Debakel wurde Whistler aber für die rot-weiß-roten Alpin-Herren, die erstmals in der Olympiageschichte ohne Medaille blieben.

Vier Jahre später in Sotschi durfte sich das ÖOC sogar über 17-mal Edelmetall (4/8/5) freuen. Die Winterspiele 2018 in Pyeongchang wurden mit fünfmal Gold, dreimal Silber und sechsmal Bronze (Gesamt 14 Medaillen) zu den dritterfolgreichsten nach Turin 2006 und Albertville 1992. Gemessen an der Gesamtmedaillenzahl waren die Spiele in Südkorea mit 14 Stück jedoch nur die siebentbesten.

Rodler übertreffen Erwartungen

Die Rodler und die Kombinierer waren die positive Überraschung der Spiele in Pyeongchang aus ÖOC-Sicht. David Gleirscher (Gold im Einzel), Peter Penz/Georg Fischler (Silber im Doppelsitzer) sowie Penz/Fischler mit Gleirscher und Madeleine Egle (Bronze in der Staffel) gewannen einen kompletten Medaillensatz.

Madeleine Egle, David Gleirscher, Peter Penz und Georg Fischler
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Die heimischen Rodler holten in Pyeongchang einen kompletten Medaillensatz

Die weiteren vier Goldmedaillen in Pyeongchang holten die alpinen Skifahrer Marcel Hirscher (Kombination und Riesentorlauf) und Matthias Mayer (Super-G) sowie Snowboarderin Anna Gasser (Big Air). Die Skispringer enttäuschten hingegen gänzlich. Statt der erhofften ein bis zwei Medaillen gingen die ÖSV-Adler in Südkorea leer aus.

Im ewigen Medaillenspiegel bei Winterspielen belegt Österreich mit 64-mal Gold, 81-mal Silber und 87-mal Bronze den sechsten Platz. Insgesamt gewannen die Sportlerinnen und Sportler damit 232-mal Edelmetall. In Führung liegt Deutschland vor Russland und Norwegen.

Ewiger Medaillenspiegel Winterspiele

Land Gold Silber Bronze Gesamt
1. Deutschland * 150 145 115 408
2. Russland ** 138 111 111 358
3. Norwegen 132 125 111 368
4. USA 105 110 89 304
5. Kanada 73 63 63 199
6. Österreich 64 81 87 232
7. Schweden 57 46 55 158
8. Schweiz 55 56 52 153
9. Niederlande 45 44 41 130
10. Finnland 43 63 61 167
11. Italien 40 36 48 124
12. Frankreich 36 35 53 124
13. Südkorea 31 25 14 70
14. China 13 28 21 62
15. Japan 14 22 22 58
16. Großbritannien 11 4 16 31
17. Tschechien *** 11 19 26 56
18. Polen 7 7 8 22
19. Weißrussland 8 5 5 18
20. Australien 5 5 5 15
21. Kroatien 4 6 1 11
22. Estland 4 2 1 7
23. Slowenien 2 5 10 17
24. Liechtenstein 2 2 6 10
25. Slowakei 3 4 1 8
26. Ukraine 3 1 4 8
27. Kasachstan 1 3 4 8
28. Ungarn 1 2 4 7
29. Bulgarien 1 2 3 6
. Belgien 1 2 3 6
31. Spanien 1 - 3 4
32. Usbekistan 1 - - 1
33. Lettland - 4 4 8
34. Jugoslawien - 3 1 4
35. Luxemburg - 2 - 2
36. Neuseeland - 1 2 3
37. Nordkorea - 1 1 2
38. Dänemark - 1 - 1
39. Rumänien - - 1 1

Stand vom 25. Februar 2018

* davon DDR (39/36/35/110)
** davon UdSSR und GUS (87/63/67/217), 2018 als OAR (2/6/9)
*** davon Tschechoslowakei (2/8/15/25)