Vienna City Marathon auf der Reichsbruecke in Wien
GEPA/Philipp Brem
Vienna City Marathon

VCM hat „schweren Weg“ vor sich

Die von der Coronavirus-Pandemie verursachte Absage des für 19. April geplanten Vienna City Marathon (VCM) hat Veranstalter Wolfgang Konrad hart getroffen. Weil es gegen den Ausfall keine Versicherung gab, sind die finanziellen Verluste enorm. Auch die Planung für 2021 ist keineswegs leicht: "Wir müssen nun schauen, dass wir den Scherbenhaufen aufklauben und in die Zukunft blicken, das wird eh ein schwerer Weg“, sagte Konrad.

Für den langjährigen VCM-Chef waren die Folgewirkungen der am 11. März verkündeten Absage „brutal“, wie er gegenüber der APA erläuterte. Er sei mit seinen Mitarbeitern durch ein Tal der Tränen gegangen, sagte Konrad. „So dramatisch alles war, und wir noch nicht wissen, wie es endet: Es gab eine gewisse Erleichterung in dem Moment, weil wir gewusst haben: Jetzt ist die Entscheidung getroffen, wir können uns an neuen Zielen orientieren.“

Die nicht abgeschlossene Ausfallsversicherung begründete der 61-Jährige mit den extrem hohen Prämien. Er hätte einen Gutteil seines Budgets von fünf Millionen Euro überweisen müssen, und das wäre wirtschaftlich untragbar gewesen, erklärte der 61-Jährige.

Schaden von bis zu zwei Millionen

Die Verluste kann er noch nicht genau beziffern, weil er noch keinen genauen Überblick hat. Der definitive Schaden werde aber wohl zwischen eineinhalb und zwei Millionen liegen. Seine Belegschaft will Konrad bis auf die vorzeitige Freistellung einiger geringfügig Beschäftigter aber unbedingt halten. „Ich will niemanden entlassen, weil ich brauche die Leute, ich will sie nicht auf den freien Markt schicken. Wir sind ein kleines, schlagkräftiges Team, der Marathon kann nur so funktionieren, mit mir alleine geht es nicht.“

Wolfgang Konrad, Veranstalter des Vienna City Marathon
GEPA/Christian Ort
Wolfgang Konrad will sein schlagkräftiges VCM-Team halten

Optimistisch stimmen Konrad die Treuebekenntnisse und positiven Reaktionen seiner Sponsoren. „Viele sagen: ‚Wir lassen euch nicht im Stich’ oder ‚Wir müssen darüber reden‘. Ich verstehe jeden, der sich in der jetzigen Situation die Optionen offenhält. Ich würde auch nicht anders agieren. Ich bin aber zuversichtlich. Es ist eine unserer großen Stärken, dass wir mit relativ einfachen Budgetmitteln viele Menschen erreichen, denen wir positive Emotionen bieten können. Da tun sich andere Sportarten schwerer, ich möchte nicht Fußball und Formel 1 über Sponsoren finanzieren müssen“, so der frühere Leichtathlet.

VCM 2021 wohl in kleinerer Form

Er ist guter Dinge, dass die 37. Auflage des Wiener Marathons am 18. April 2021 stattfinden wird, allerdings in kleinerer Form. „Dass es den VCM in der Zukunft gibt, davon muss ich jetzt einmal ausgehen, aber es wird ein anderer sein. Ich will aber nicht sagen ein schlechterer. Ich brauche nicht unbedingt sieben Vidiwalls, um die Zuschauer zu informieren.“ Für Detailplanungen sei es wegen vieler Unsicherheitsfaktoren aber noch zu früh.

Nenngeldfrage noch offen

Für Konrad ist ein großer noch zu klärender Brocken die Frage, wie man mit den Nenngeldern der für 2020 insgesamt angemeldeten rund 40.000 Teilnehmer umgeht. Einerseits ist eine Rückerstattung der Anmeldegebühr – für die Marathondistanz sind das pro Läufer in etwa 100 Euro – laut Konrad im Falle höherer Gewalt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nicht vorgesehen, andererseits will er natürlich eine gütliche Einigung finden.

„Das sind unsere Kunden, denen wir ein Angebot liefern wollen, weil wir zufriedene Kunden haben wollen. In welcher Form das möglich ist, wissen wir noch nicht, weil wir zu viele Informationen noch nicht haben. Die rechtliche Seite und die wirtschaftliche Seite, egal auf welche Seite das Pendel hinfällt, es wird eine Herausforderung.“ Die Entscheidung über die Kulanzlösung sei wie ein „Spaziergang auf der Rasierklinge“.

Bei all den negativen Effekten hat die Krise für den ehemaligen Hindernisläufer immerhin auch den erfreulichen, dass er mehr Läufern als sonst begegne. „Das stimmt mich zuversichtlich. Man sieht plötzlich Leute laufen, die noch nie laufen waren. Es manifestiert sich, dass Laufen das Einfachste ist, was du machen kannst.“

3.500 Einweghandschuhe gespendet

3.500 Einweghandschuhe, die ursprünglich für die Helfer an den Verpflegungsstellen für den heurigen VCM vorgesehen waren, wurden an den Samariterbund gespendet. Das gab die Hilfsorganisation am Mittwoch bekannt. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir eine Zeit erleben werden, in der Schutzmaterial zur absoluten Mangelware wird. Die Spende ist wirklich sehr hilfreich“, sagte Samariterbund-Wien-Geschäftsführer Oliver Löhlein und bedankte sich beim VCM-Team.