Ein Spieler des LASK verdeckt sich mit seinem Trikot das Gesicht
GEPA/Mathias Mandl
Bundesliga

Wiener Clubs fordern harte Strafe für LASK

In seltener Einigkeit fordern die beiden Wiener Großclubs Rapid und Austria Sanktionen für das Vorgehen von Bundesliga-Konkurrent LASK. Nach Rapid-Präsident Martin Bruckner erwartet sich auch Austria-Vorstand Markus Kraetschmer „eine drakonische Strafe“ für den Tabellenführer aus Oberösterreich, der die Branche wegen der Abhaltung von verbotenen Mannschaftstrainings gegen sich aufgebracht hat.

Die Liga habe zuvor wochenlange Arbeit „für eine Solidarität und ein Konzept“ verrichtet, betonte Kraetschmer in einer Stellungnahme auf der Austria-Website am Dienstag. „Die Vorgangsweise des LASK war es aber, die Regeln systematisch zu brechen. Somit erwarte ich mir auch, dass der Senat die ganze Sache ordentlich aufarbeitet und eine drakonische Strafe als deutliches Signal ausspricht.“

Bruckner verglich die auf einem Video dokumentierten Praktiken des LASK einige Tage zuvor mit Doping im Sport. „Man kann sich nicht so einen Wettbewerbsvorteil schaffen, das ist nicht drinnen“, hatte der Clubpräsident gegenüber dem hauseigenen Rapid-TV gemeint. Er forderte entsprechende Konsequenzen. „Ich erwarte mir vom Senat 1 eine sehr ordentliche Behandlung dieses Falles, und ich glaube, es sind drakonische Strafen notwendig.“

Punkteabzug, Zwangsabstieg und sogar Ausschluss möglich

Der LASK hatte am Freitag auf einer Pressekonferenz die Durchführung von verbotenen Mannschaftstrainings statt der damals lediglich erlaubten Kleingruppentrainings eingeräumt. Der Strafrahmen wegen eines Verstoßes gegen den Grundgedanken des Fair Play reicht von einer Ermahnung über eine Geldstrafe und Punkteabzüge bis zu einem Zwangsabstieg und sogar einem Ausschluss aus dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB). Die Linzer müssen bis Mittwoch eine Stellungnahme abgeben, das erstinstanzliche Urteil des Senats 1 wird noch vor dem Neustart des Meisterschaftsbetriebs am 2. Juni erwartet.

Vorstandsvorsitzender Markus Kraetschmer (Austria Wien)
ORF.at/Christian Öser
Austria-Vorstand Markus Kraetschmer hofft, dass schon bald wieder Zuschauer in den Stadien erlaubt sein werden

„Geisterspiele“ für Kraetschmer nur Übergangslösung

Kraetschmer, der das verfrühte Mannschaftsstraining beim LASK als „absoluten Nackenschlag und riesige Enttäuschung“ bezeichnete, nahm auch auf die noch nötige Arbeit für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs Stellung. „Es gibt noch einige Meetings mit den Clubs, in denen Details geplant und besprochen werden müssen. Zum Beispiel den Torjubel, wie man ihn in Deutschland bei Hertha BSC gesehen hat, oder das Zutrittssystem mit den verschiedenen Farbkategorien. Je seriöser und besser wir mit allem umgehen, umso schneller werden wir in den Normalbetrieb zurückkehren.“

„Geisterspiele“ sind für den Austria-Vorstand eine „notwendige Übergangslösung“, dürften aber keinesfalls zur Normalität in den kommenden Monaten werden. „Es ist ganz wichtig, dass wir wieder Fans in unsere Stadien bringen, und ich denke, dass es wie in der Kultur auch bei uns die Chance gibt, vielleicht schon im Juli wieder mit Publikum zu spielen. Jedenfalls aber beim Anpfiff der neuen Saison.“

Positiv äußerte sich Kraetschmer zum Neustart in Deutschland am Wochenende. „Wir haben gesehen, dass alles ganz gut funktionieren kann, auch wenn man vielleicht beim einen oder anderen noch nachschärfen muss. Wir werden diese Erkenntnisse bei uns einfließen lassen, wollen uns möglichst professionell zeigen. Je schneller wir das hinbekommen, umso schneller werden die Behörden weitere Schritte zulassen. Wir werden sicher mit Argusaugen beobachtet, aber der Hunger der Menschen ist riesengroß nach Fußball und Normalität.“