Formel-1-Auto
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Formel 1

Suche nach „Quadratur des Kreises“

Kurz vor dem Formel-1-Auftakt am Sonntag (15.10 Uhr, live in ORF1) in Spielberg hat Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko die Strategie für eine außergewöhnliche Saison offengelegt. Taktisch müsse man heuer aufgrund der geringeren Anzahl an Rennen den Spagat zwischen Vollgas und Durchkommen finden. „Vollgas gehen, aber das Risiko nicht zu groß werden lassen – die Quadratur des Kreises“, sagte der 77-Jährige der APA.

Die Heimrennen seien dabei besonders wichtig. „In der kurzen Saison ist jedes Rennen wichtig, und wenn wir da die Ersten vorn dabei sind, wäre das psychologisch ein großer Vorteil“, so Marko. Red Bull hat nicht zuletzt dank sehr hoher Temperaturen die beiden jüngsten Rennen in Spielberg gewonnen. Seine Wünsche für das Wochenende sind deshalb wenig überraschend „sonnig und sehr heiß“. Statt des ursprünglich als elftes Saisonrennen geplanten WM-Laufs ist man nun am kommenden Sonntag der WM-Auftakt, gefolgt von einem weiteren Rennen eine Woche später.

„Man muss bei der geringen Anzahl bei jedem Rennen versuchen, optimal zu punkten“, so Marko. Er ist überzeugt, dass neben den bisher acht geplanten Rennen noch weitere dazukommen dürften. Schanghai ist offenbar fast fix. Marko nannte im Gespräch mit der APA als weitere mögliche Kandidaten Türkei, Portugal und Mugello in Italien. Sotschi in Russland sei ebenfalls im Gespräch, „Hockenheim ist auf Reserve“. Bei einem TV-Auftritt Montagabend in Servus TV meinte Marko, dass er sich aufgrund der Verträge aber kein drittes Rennen im Herbst in Spielberg vorstellen könne.

Kleinere Teams fahren um Zukunft

Für einige kleinere Teams geht es auch laut Marko in der geschrumpften Saison um viel Geld und wohl auch um das Überleben. Einige haben TV-Verträge abgeschlossen, die zumindest 15 Rennen voraussetzen. Marko zufolge dürften Teams aber „nicht ganz wegfallen, da wird es Kompromisse geben“. Williams habe bereits Anteile zum Verkauf angeboten. Die restlichen Teams haben Eigentümer, die – wenn sie wollen – entsprechend zuschießen können. McLaren habe auch gerade einen Investor gefunden.

„Akut sehe ich die Gefahr nur bei Williams, und mit einem Anteileverkauf müsste das dort auch zu lösen sein.“ Red Bull habe aber kein Interesse daran. Bei Red Bull Racing sei der Ausfall jedenfalls geringer als beim zweiten Team AlphaTauri, weil Red Bull Racing mit drei anderen Teams einen Sonderstatus hat, begründete der Grazer. Wie hoch die Ausfälle aber sind, lasse sich momentan in keiner Weise abschätzen.

„Die intensivste Saison aller Zeiten“

Außergewöhnliche Belastungen erwartet auch McLaren-Teamchef Andreas Seidl. „Wir werden die intensivste Saison aller Zeiten erleben“, sagte der Deutsche vor dem Auftakt in Spielberg. Die Teams müssten sich auf einen „permanenten Balanceakt“ einstellen, um den dicht gedrängten Kalender und die nötige Weiterentwicklung der Autos in den Fabriken zu meistern. Trotz Kurzarbeit bei McLaren und fehlenden Testmöglichkeiten im Rahmen des Regelwerks mit einem älteren Auto sei er „sehr happy mit der Vorbereitung“ des Teams, sagte der 44-Jährige.

Die beiden Fahrer Carlos Sainz und Lando Norris seien „fitter als je zuvor“. Es bedürfe lediglich „drei, vier Runden in Österreich, dann werden die beiden den Rost abgeschüttelt haben, wenn sich denn einer angesetzt hat“, sagte Seidl. Wegen der Pandemie kam die englische McLaren-Gruppe, zu der das Formel-1-Team und die Supersportwagen-Marke gehören, auch finanziell in Bedrängnis. Doch am Montag gab die National Bank of Bahrain bekannt, dass McLaren ein Kredit zu günstigen Konditionen über 150 Millionen Pfund (163,86 Mio. Euro) gewährt wird. Der Staatsfonds des Königreichs Bahrain, die Mumtalakat Holding Co., ist sowohl Mehrheitseigentümer der Bank of Bahrain als auch von McLaren.

Rennen ohne Zuschauer als Verlustgeschäft

Angesichts der hohen Sicherheitsstandards und Testreihen, um mögliche Covid-19-Infektionen rasch zu finden, müssen die Teams gesunde Ersatzfahrer bereit halten: Für beide Red-Bull-Teams ist das aktuell der zurückgekehrte einstige RB-Junior Sergio Sette Camara aus Brasilien. Zweiter Ersatzmann ist „für den schlimmsten aller Fälle“ laut Marko der Schweizer Sebastien Buemi. Dieser stehe aber nicht immer zur Verfügung, „weil er in der Formel E einen Vertrag mit Nissan hat“.

Spielberg bereit für F1-Auftakt

Die Vorbereitungen für die Rennwoche in Spielberg laufen auf Hochtouren. Das gesamte Ringareal ist zum Sperrgebiet erklärt worden.

Für das Projekt Spielberg stellen die beiden Auftaktrennen auf dem Red Bull Ring ohne Ticketeinnahmen eine fast unlösbare Rechenaufgabe dar, denn die Kosten der beiden Rennwochenenden können sich ohne diese Einnahmen wohl nicht decken. Marko dazu: „Es wurde mit Liberty Media eine neue Vereinbarung getroffen, über deren Inhalt Stillschweigen vereinbart wurde.“ Die anstehenden möglichen Vertragsverlängerungen für die Formel 1 in Spielberg – 2020 ist nach aktuellem Plan das vorerst letzte Rennen im Aichfeld – seien keine Beweggründe gewesen, betonte Marko.