Colt McCoy (Washington Redskins)
Reuters/USA Today Sports/Kevin Jairaj
NFL

Ablaufdatum für „Redskins“ rückt näher

Die Antirassismusproteste in den USA könnten einem der bekanntesten, aber auch umstrittensten Sportlogos nach jahrzehntelanger Debatte nun den Garaus machen. In die Reihen der Gegner des die Ureinwohner Amerikas diskriminierenden Namens Washington Redskins und des dazugehörigen Indianerkopfes reihte sich am Freitag mit FedEx auch der Hauptsponsor des Stadions des Traditionsvereins der National Football League (NFL) ein.

Das weltweit tätige Logistikunternehmen aus Memphis stellte dem Football-Team aus der US-Hauptstadt finanziell die Rute ins Fenster. Entweder der seit Langem umstrittene Name werde geändert, oder FedEx ziehe sich als Sponsor des Redskins-Stadions in Landover im US-Bundesstaat Maryland zurück. „Wir haben dem Team in Washington unseren Wunsch, den Namen des Teams zu ändern, kommuniziert“, ließ der Konzern am Freitag ausrichten.

FedEx hatte 1999 um 205 Mio. Dollar (rund 182,5 Mio. Euro) bis 2025 die Namensrechte an dem zwei Jahre zuvor fertiggestellten Stadion rund acht Kilometer östlich Washingtons erworben. Die 82.000 Zuschauer fassende Arena heißt seit damals FedEx Field. Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd durch weiße Polizisten und die dadurch ausgelösten Proteste flammte auch die Debatte über den Namen Redskins wieder auf. Mehrere Investoren forderten die Sponsoren auf, den Druck auf das Team zu erhöhen. FedEx, dessen Präsident Frederik Smith Anteile an den Redskins hält, machte nun den Anfang.

Fedex Field
GEPA/US Presswire/Geoff Burke
Mit dem Sponsoring des mächtigen Stadions übt FedEx nun Druck auf die Clubführung aus

Auch von anderer Seite erhöhte sich der Druck auf Besitzer Daniel Snyder, der die Mehrheitsanteile an der Traditionsfranchise hält. Auf der Website von Ligaausrüster Nike spuckte der Suchbegriff Redskins am Donnerstagabend keine Ergebnisse mehr aus. Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser bezeichnete den Namen des sportlichen Stolzes der US-Hauptstadt als „Hindernis“ für eine mögliche Rückkehr in die Stadt selbst. Der Nutzungsvertrag des Stadions in Maryland läuft 2027 aus, ein neues Stadion in Washington selbst ist eine mögliche Option.

Besitzer als größtes Hindernis

Obwohl das englische Wörterbuch den Begriff Redskin (Dt.: Rothaut) als „umgangssprachlich, meist diskriminierend und beleidigend“ ausweist, wollte man in der Führungsetage in Washington DC bisher aber nichts von einer Änderung des 1933 eingeführten Namens und des Logos wissen. Die Redskins gehören nicht nur dank ihrer drei Super-Bowl-Siege zu den bekanntesten NFL-Marken. Mit einem Wert von 3,1 Mrd. Dollar gehörte Washington zu den Top 15 der wertvollsten Sportteams der Welt.

Washington-Redskins-Besitzer Dan Snyder
APA/AFP/Getty Images/Patrick Mcdermott
Redskins-Besitzer Snyder wollte bisher von einer Änderung des Namens nichts wissen

Vor allem der aktuelle Mehrheitseigentümer Snyder wehrte sich bisher mit Händen und Füßen gegen eine Änderung des Logos. „Wir werden den Namen nie ändern. So einfach ist das, NIEMALS – das könnt ihr in Großbuchstaben schreiben“, antwortete der 55-Jährige im Jahr 2013 auf eine entsprechende Frage. Eine Umfrage der „Washington Post“ 2016 unter Native Americans stärkte Snyders Ansicht, dass die Marke Redskins zu wertvoll sei, um sie aufzugeben. 90 Prozent der Befragten hatten mit Namen und Logo des Football-Teams kein Problem.

Rassismus als Markenzeichen

Die Franchise aus der US-Hauptstadt war nicht nur aufgrund ihres Namens immer wieder Zielscheibe der Kritik von Bürgerrechtlern. George Preston Marshall, 1932 Mitgründer und bis 1969 Besitzer des Teams, trug den wenig schmeichelhaften Beinamen „größter Rassist der NFL“. Der 1969 verstorbene Geschäftsmann wehrte sich lange gegen die Verpflichtung von afroamerikanischen Spielern.

Marshall, der unter anderem auch für die Einführung des Vorwärtspasses mitverantwortlich war und als erster Teambesitzer die Macht von Fernsehübertragungen erkannte, nahm erst auf Druck der Regierung 1962 schwarze Spieler in sein Team auf. Von den anderen Clubs wurden seit 1948 Afroamerikaner unter Vertrag genommen und seit 1949 auch im Draft gezogen. Kurioserweise gewann ausgerechnet in Redskins-Uniform mit Doug Williams 1988 erstmals ein schwarzer Quarterback die Super Bowl.

Mehrere fragwürdige Namen

Die Redskins sind auch nicht das einzige US-Profiteam, das in seinem Namen Bezug auf die Ureinwohner Nordamerikas nimmt. Der aktuelle Super-Bowl-Champion aus Kansas City nennt sich seit den 1960ern Chiefs (Dt.: Häuptlinge) und trägt als Erkennungsmerkmal eine Pfeilspitze als Logo. In der Major League Baseball (MLB) sind mit den Atlanta Braves und den Cleveland Indians Teams mit indianischem Namenshintergrund zu finden. Das Eishockeyteam der Chicago Blackhawks gehört zu den Gründungsmitgliedern der National Hockey League (NHL).

Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs)
APA/AFP/Getty Images/Tom Pennington
Mit Patrick Mahomes (M.) führte heuer ein Afroamerikaner die „Häuptlinge“ aus Kansas City zum Titel

Dass die Debatten über Namen und Logos nicht immer im Sand verlaufen, bewiesen die Cleveland Indians 2018. Das Team trennte sich auch unter Druck von MLB-Commissioner Rob Manfred von ihrem über Jahrzehnte gebräuchlichen Logo, einer Karikatur eines Indianerkopfes mit dem Namen „Chief Wahoo“. Der grinsende Schädel, der hierzulande vor allem dank eines Hollywood-Films über Clevelands Baseballer bekannt wurde, wurde von Trikots, Kappe und aus dem Stadion verbannt. Um die Marke zu schützen, gibt es aber noch immer limitierte Fanartikel mit dem umstrittenen „Chief“.

Erste kleine Maßnahmen

Die Antirassismusproteste zwangen immerhin auch Snyder bereits zu ersten kleinen Änderungen. So wurde der Name seines Vorgängers Marshall vom „Ring of Fame“ im Stadion abgenommen. Auch eine vor dem RFK Stadium in Washington – der ehemaligen Heimstätte des Teams – stehende Statue des umstrittenen Teamgründers wurde entfernt. Und auch der Druck der Sponsoren zeigte Wirkung. Bereits am Freitag kündigte das Team „im Lichte der jüngsten Entwicklungen“ eine genaue Prüfung des Namens – allerdings „unter Berücksichtigung der stolzen Tradition und der Geschichte des Teams“ – an.

Die Umbenennung des Teams, das 1933 von Boston nach Washington übersiedelte und sich von Braves in Redskins umbenannte, dürfte damit nur noch eine Frage der Zeit sein. Der Schritt wäre für ein Profiteam aus der US-Haupstadt keine Premiere. Denn auch das Basketballteam wurde 1997 in Wizards (Dt.: Zauberer) unbenannt. Der Grund war simpel: Der bis dahin verwendete Spitzname Bullets (Dt.: Kugeln) war dem neuen Besitzer zu gewaltverherrlichend.