Old Trafford Stadion
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Europa League

„Theater der Träume“ als LASK-Motivation

Auch wenn Ausgangslage und Umstände trist sind: Am Mittwoch (21.00 Uhr) wartet auf Österreichs letzten Europacup-Vertreter LASK ein echtes Highlight in seiner Clubgeschichte. Die Linzer gastieren im Rückspiel des Achtelfinals der UEFA Europa League bei Manchester United und damit nicht nur bei einem der berühmtesten Clubs der Welt, sondern auch auf einer der prestigeträchtigsten Fußballbühnen – im Old Trafford, dem „Theater der Träume“.

Der Traum vom Aufstieg ins Viertelfinale ist nach dem 0:5 im Hinspiel ausgeträumt, und wie damals – vor rund fünf Monaten am 12. März – auf der Gugl werden auch am Mittwoch im Nordwesten Englands wegen der Coronavirus-Pandemie keine Zuschauer dabei sein. Für LASK-Trainer Dominik Thalhammer, der sein Debüt gibt, und seine Spieler ist die Reise aber alles andere als eine lästige Verpflichtung. „Gegen solche Teams zu spielen, solche Spiele zu spielen, in diesem Stadion – das ist schon großartig“, betonte Thalhammer im Vorfeld.

20-mal englischer Meister (Rekord), zwölfmal Gewinner des FA-Cups, dreimal Sieger der UEFA Champions League – und als bisher einziges englisches Team holte Manchester United 1999 das Triple bestehend aus den Triumphen in ebendiesen drei Bewerben. Auch wenn die „Red Devils“ in der jüngeren Vergangenheit nur bedingt an diese Erfolge anschließen konnten, gehört der Club zu den Aushängeschildern im Fußball – auch wirtschaftlich. In der 27-jährigen Erfolgsära (1986–2013) unter Trainerlegende Sir Alex Ferguson avancierte ManUnited zu einem der reichsten Clubs der Welt und ist laut „Forbes“ nach Real Madrid und dem FC Barcelona auch der drittwertvollste Verein im Fußball.

LASK trifft auf Manchester United

Im Europa-League-Achtelfinal-Rückspiel trifft der LASK auf Manchester United. Das Match wird gleichzeitig das Debüt für Dominik Thalhammer als LASK-Trainer. Die Ausgangslage ist jedoch nicht sehr rosig.

Drittgrößtes Stadion auf der Insel

Der Wert von 3,24 Milliarden Euro hängt auch untrennbar mit dem Old Trafford zusammen. Das Stadion ist mit einer Kapazität von rund 76.000 Zuschauern nach Wembley und Twickenham das drittgrößte auf der Insel und das in der Premier League meistfrequentierte. In der Liga war die Arena vor der Pandemie ohnehin praktisch immer voll, auch weil sich Touristen unter das traditionelle Fußballvolk mischten. Die angebotene Tour im und durch das Stadion samt Museum war etwa im vergangenen Jahr zudem noch sehr beliebt und belebt.

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Südwestlich des Zentrums von Manchester befindet sich im Stadtteil Trafford die Heimstätte der „Red Devils“
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Das legendäre Old Trafford bietet rund 76.000 Zuschauern Platz – am Mittwoch wird das Stadion wie auf dem Bild leer sein
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Hier werden Trainer und Ersatzspieler des LASK Platz nehmen: Sir Alex Ferguson sorgte 1991 für die Erhöhung, um eine bessere Sicht auf das Spielfeld zu haben – links erkennt man noch den alten Spielertunnel
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Links der kleinere Sir Bobby Charlton Stand und geradeaus Stretford End, in Anlehnung an den gleichnamigen Stadtteil
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Bei einer Tour im und durch das Stadion gelangt man nicht nur in die Kabine des Heimteams, …
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… man kann sich am Ende natürlich auch im Megastore mit sämtlichen Utensilien eindecken
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Wer in weiterer Folge noch Hunger auf mehr hat, kann sich zum einen im „Red Cafe“ behelfen
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Oder im Museum den Titelhunger stillen – denn alleine die Meisterschaft hat Manchester United 20-mal gewonnen

Das Stadion an sich ist bereits 110 Jahre alt und entwickelte sich über die Jahrzehnte zum „Theatre of Dreams“. Sir Bobby Charlton zeichnet für den Spitznamen verantwortlich, der Weltmeister von 1966 ist eine von vielen Legenden, die an dieser Stätte ihr Können unter Beweis gestellt haben. Andere lauten auf die klingenden Namen George Best, Bryan Robson, Eric Cantona, Ryan Giggs, David Beckham, Paul Scholes, Cristiano Ronaldo oder Wayne Rooney. Während das Stadion in Anlehnung an die Trainerlegende am Sir Matt Busby Way gelegen ist, lauten zwei Tribünen auf die Namen von Ferguson und Charlton. Erstere ist mit einer Kapazität von 26.000 Zuschauern die größte.

Erbaut, zerbombt, wieder aufgebaut

Seit 1910 tragen die „Red Devils“ ihre Heimspiele an selber Stelle aus, in den Jahren 1941 bis 1949 mussten sie allerdings aufgrund der Folgen des Zweiten Weltkriegs ausweichen und im Stadion des Stadtrivalen Manchester City in Maine Road spielen. Noch zuvor verzeichnete das Old Trafford im Jahr 1939 eine Rekordkulisse von 76.962 Zuschauern – allerdings spielte an diesem Tag nicht United, sondern Wolverhampton und Grimsby Town im Halbfinale des FA-Cups. Nicht immer ging die Kapazität nach oben, in den 1990er Jahren musste die Arena aufgrund der Folgen der Hillsborough-Katastrophe, dem Zuschauerunglück mit 96 Toten, zu einem reinen Sitzplatzstadion umfunktioniert werden, seit 2009 hat das Stadion nach Um- und Ausbauten die heutige Kapazität.

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Ein Bild aus dem Jahre 1922 zeigt das Old Trafford noch in seinem Anfangsstadium

Rund um das Stadion erinnern Statuen und Denkmäler an die bewegte Geschichte des Clubs, die „Munich Clock" am East Stand etwa an das Flugzeugunglück vom 6. Februar 1958, bei dem acht United-Spieler in München starben. Der spätere Weltmeister Charlton überlebte wie Busby, der ob seiner Erfolge (fünf Meisterschaften und Europacup der Landesmeister 1968, Anm.) mit seinem jungen Team („Busby Babes“) ebenso als Statue seinen fixen Platz auf dem Areal bekam wie natürlich der Schotte Ferguson (u. a. 13 Meistertitel, zwei CL-Triumphe, Anm.) und die „United-Trinity“ ("United-Dreifaltigkeit, Anm.), bestehend aus Charlton, Best und Denis Law, die auf die Arena blicken.

Aber das Stadion mit der speziellen Atmosphäre diente bisher nicht nur als Schauplatz für Spiele von United, sondern unter anderen auch für Partien des englischen Nationalteams oder der Weltmeisterschaft 1966 sowie der Europameisterschaft 1996. Über einen weiteren Ausbau samt noch höherem Fassungsvermögen wird zwar immer wieder spekuliert, aber aufgrund des beschränkten Platzes – hinter der kleineren Tribüne verläuft etwa eine Bahnstrecke, und dort sind auch Häuser angesiedelt – ist dieses Vorhaben alles andere als Gewissheit.

Bisher nur österreichische Niederlagen im Old Trafford

Fünfmal gastierten bisher österreichische Teams im Old Trafford. Die Bilanz ist absolut negativ: Auf Clubebene verloren Rapid Wien und Sturm Graz ihre jeweils beiden Gastspiele im Rahmen der Königsklasse. Dem früheren LASK-Kapitän Ivica Vastic war als einzigem Spieler der österreichischen Clubs ein Tor in Old Trafford vergönnt, als er beim 1:2 Sturms im Jahr 1999 vom Punkt zum Endstand getroffen hatte.

Das österreichische Nationalteam verkaufte sich in der WM-Qualifikation 2004/05 nach einem 2:2 im Hinspiel dann in Manchester teuer und unterlag damals nur durch einen Treffer von Frank Lampard per Elfmeter knapp mit 0:1. Ähnlich wie Thalhammer am Mittwoch gab auch damals ein Trainer sein Debüt im Old Trafford: Willi Ruttensteiner hatte 2005 das Zepter interimistisch von Hans Krankl übernommen.