Nairo Quintana
AP/Pool/Marco Bertorello
Radsport

Dopingrazzia: Quintana beteuert Unschuld

Nach einer Razzia beim französischen Radsportteam Arkea-Samsic noch während der Tour de France und der Aufnahme von Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Marseille hat sich der kolumbianische Teamkapitän Nairo Quintana zu Wort gemeldet und seine Unschuld beteuert.

„Die Behörden betraten mein Zimmer und beschlagnahmten völlig legale Vitaminpräparate, obwohl sie den französischen Behörden vielleicht nicht bekannt waren“, hieß es in einer Mitteilung Quintanas in Sozialen Netzwerken am Dienstagabend. Das sei der Hauptgrund, warum es Zeit braucht, um alles, was passiert ist, aufzuklären.

„Um jeden Zweifel zu vermeiden, möchte ich bestätigen, dass nie Dopingsubstanzen gefunden wurden“, betonte der frühere Giro- (2014) und Vuelta-Sieger (2016). Die diesjährige Tour de France beendete der 30-Jährige am vergangenen Sonntag mit mehr als einer Stunde Rückstand auf Gesamtsieger Tadej Pogacar (SLO) auf dem 17. Platz. Quintana soll am Wochenende bei der Straßenrad-WM in Imola an den Start gehen.

Weiter Vernehmungen

Am Tag der Königsetappe zum Col de la Loze am vergangenen Mittwoch war der französische Arkea-Rennstall ins Visier geraten. Im Teamhotel in der Nähe des Wintersportorts Meribel wurden Medien zufolge auch Hinweise auf Doping entdeckt. Ein Arzt und ein Betreuer kamen in Polizeigewahrsam. Beide wurden in der Nacht auf Mittwoch wieder auf freien Fuß gesetzt.

Es gebe weiter Vernehmungen, teilte Staatsanwältin Dominique Laurens mit. Ermittelt wird wegen des Verdachts „der Verabreichung und Verschreibung einer verbotenen Substanz oder verbotenen Methode an einen Sportler ohne medizinische Begründung“. Es drohen Strafen von bis zu fünf Jahren Haft und Geldbußen bis zu 75.000 Euro.

Bei Vorermittlungen wird geprüft, ob an den Vorwürfen etwas dran ist. Quintana bekräftigte, dass er vor der Staatsanwaltschaft erschienen sei und alle Fragen „mit gutem Gewissen“ beantwortet habe. Er sei zeit seines Lebens ein sauberer Fahrer gewesen und habe nichts zu verstecken. „Ich werde – ohne Angst – weiterhin stark sein, ich werde die Wahrheit verteidigen, und ich werde meinen Weg fortsetzen, auch wenn die Menge manchmal eine andere Richtung einschlägt“, schrieb der Kolumbianer.

Teamchef wartet noch ab

Teammanager Emmanuel Hubert hatte seinen Profis für den Fall illegaler Praktiken sofortige Konsequenzen angekündigt: „Natürlich stehen wir hinter unseren Fahrern, aber sollten die Untersuchungen tatsächlich Dopingpraktiken bestätigen, würde sich das Team umgehend von solchen Handlungen distanzieren und ohne abzuwarten die notwendigen Maßnahmen ergreifen.“

Quintana, der in seiner Karriere bei der Tour bisher drei Etappen gewann und in der Gesamtwertung zweimal Platz zwei belegte (2013, 2015), war erst zu Beginn dieser Saison zu Arkea-Samsic gewechselt. Er fuhr zuvor jahrelang für das spanische Team Movistar, für das in der nächsten Saison auch der Österreicher Gregor Mühlberger startet, der das deutsche Bora-Team verlässt.