Paul Gartler (Rapid)
GEPA/Christian Moser
Bundesliga

Rapid-Ärger über eigene „Dummheit“

Nach der unerwarteten 1:3-Niederlage von Red Bull Salzburg daheim gegen Sturm Graz am Samstag hätte am Sonntag in der tipico-Bundesliga eine kurzfristige Wachablöse an der Tabellenspitze stattfinden können. Doch Rapid konnte die Gunst der Stunde mit einer 3:4-Niederlage bei Aufsteiger SV Guntamatic Ried nicht nutzen. Entsprechend groß war der Frust bei den Wienern. „Das ist einfach dumm“, fasste Verteidiger Maximilian Hofmann die Gefühlslage zusammen.

Nach fünf Siegen und zwei Remis musste Rapid erstmals in dieser Saison nicht nur eine Niederlage einstecken, die Hütteldorfer rutschten in der Tabelle auch aufgrund der schlechteren Tordifferenz gegenüber dem LASK (1:1 bei TSV Prolactal Hartberg) auf den dritten Platz zurück. Dazu ging auch die Generalprobe für das „Rückspiel“ in der Gruppenphase der Europa League am Donnerstag beim irischen Vertreter Dundalk in die Hose.

Dabei hatte es nach der Pause im Innviertel noch so ausgesehen, als könnte Rapid erstmals seit dem ersten Spieltag wieder von der Tabellenspitze lachen. Nach dem zweiten Treffer von Christoph Knasmüllner (51.) und einem Eigentor von Constantin Reiner (65.) sah es nach 1:2-Pausenrückstand nach einer neuerlichen Wende im Spiel aus, nachdem ein Eigentor von Srdan Grahovac (25.) und Bernd Gschweidl (40.) das 1:0 von Rapid durch Knasmüllner umgedreht hatten.

Rapid lässt Chance auf Tabellenführung aus

Rapid hat am Sonntag die große Chance auf die Tabellenführung in der Bundesliga liegen gelassen. Die Hütteldorfer mussten sich bei Ried mit 3:4 geschlagen geben.

Am Ende gaben die Hütteldorfer aber zum zweiten Mal in der Partie noch eine Führung aus der Hand. Die Gründe dafür waren augenscheinlich, die Gäste waren anfällig bei Standardsituationen und hatten große Probleme, wenn die Innviertler schnell umschalteten. Reiner (71.) und Marco Grüll (87.) sorgten für ein Rieder Happy End. „Wir haben uns überlaufen lassen und in den Duellen nicht gut genug dagegengehalten“, resümierte Rapids Assistenztrainer Manfred Nastl, der den erkrankten Dietmar Kühbauer an der Seitenlinie vertrat.

Standards weiter große Schwäche

Die Gründe dafür waren augenscheinlich, die Gäste waren anfällig bei Standardsituationen und hatten große Probleme, wenn die Innviertler schnell umschalteten. Die Anfälligkeit bei ruhenden Bällen zieht sich durch die Saison. Diesmal fiel das Grahovac-Eigentor (25.) nach einem Eckball, zudem köpfelte Reiner (71.) nach einem Nutz-Freistoß ein.

„Wir trainieren es oft genug, leider passiert es uns aber immer wieder, dass wir nicht aktiv genug sind und nur schauen, unseren Raum zu verteidigen“, sagte Nastl. Auch Innenverteidiger Hofmann wirkte ratlos: „Wir müssen uns was überlegen, weil das sind unnötige Gegentore, die uns jedes Mal Punkte kosten oder die Arbeit erschweren. Das ist einfach verdammt unnötig.“

Innviertel bleibt schwieriger Boden

Mit Blick auf die Vergangenheit kam die Niederlage nicht so überraschend. Zum vierten Mal in Folge ging Rapid in der Liga im Innviertel als Verlierer vom Platz. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir überheblich waren. Wir wussten, dass es in Ried immer schwer war, und das hat sich nicht geändert“, meinte Nastl. So liegen die Rapidler nach acht Runden statt auf Rang eins weiter zwei Zähler hinter Salzburg nur noch auf Platz drei.

„Jeder ist wahnsinnig angefressen, weil wir so eine große Chance liegen gelassen haben. Wir drehen das Spiel und geben es wieder aus der Hand, das ist einfach dumm, die Niederlage haben wir uns selber zuzuschreiben“, sagte Hofmann. Bereits am Donnerstag bietet sich im Europacup die Chance, es besser zu machen. Im Aufstiegsrennen zählt auch im zweiten Duell mit Dundalk nur ein Sieg. „Alle sind jetzt enttäuscht, aber solche Spiele gibt es. Am Donnerstag geht es schon weiter, das wird ein ganz anderes Spiel“, so Nastl.

Szene aus dem Match Ried gegen Rapid
APA/EXPA/Roland Hackl
Siegestorschütze Grüll (l.) und die Rieder hatten gegen Hofmann und Rapid wieder das bessere Ende für sich

Ried spürt Aufwind

Bei den Riedern durfte man sich über den insgesamt dritten Erfolg und den zweiten Heimsieg hintereinander freuen. Wir haben ziemlich schlechte Partien gespielt und sind jetzt gut in der Liga angekommen", sagte Siegtorschütze Grüll, der im Sommer beinahe bei Rapid gelandet wäre. Und der unfreiwillige „Doppeltorschütze“ Reiner ergänzte: „Der Sieg gegen Hartberg hat uns Selbstvertrauen gegeben, war vielleicht ein changing point.“

Wie bei Rapid stand auch bei Ried mit Gerhard Schweitzer der Assistenztrainer anstelle des erkrankten Gerald Baumgartner in der ersten Reihe. „Im Spiel waren wir gut dabei, bei einem 4:3 ist aber natürlich auch ein bisschen Glück dabei. Es war klar, dass wir nur so gegen Rapid bestehen können, indem wir höher stehen und mit aggressivem Pressing. Nicht nur wir, auch Rapid hat Geschenke verteilt“, analysierte Schweitzer.