Innenansicht des Handball-Stadions in Kairo
Reuters/Shokry Hussien
Handball-WM

Titelkämpfe unter besonderen Vorzeichen

Die 27. Handball-WM der Männer hat bereits vor dem Auftaktspiel am Mittwoch Geschichte geschrieben. Auf der einen Seite findet das Großereignis, bei dem Österreich zum siebenten Mal dabei ist, mit alarmierenden CoV-Zahlen bei einigen Teams und ohne Fans statt, andererseits ist es die erste WM mit 32 Teams, die zweite in Ägypten bzw. die dritte auf afrikanischem Boden.

Für Hassan Mustafa, den Präsidenten des Internationalen Handballverbands (IHF), ist die zweite WM in seiner Heimat nach 1999 auch eine Art Krönung seiner 20-jährigen Amtszeit. Passenderweise wird der 76-Jährige, der seine Machtposition im globalen Handball ständig ausgebaut hat, vor allem von seinen Kritikern „Pharao“ genannt. Die einstigen Herrscher über das Land sind es auch, die mit den Pyramiden von Giseh für einen Teil der WM-Kulisse sorgten.

Die weltberühmten Bauwerke liegen zwischen den Spielorten Kairo (Fassungsvermögen ca. 16.000 Zuschauer) und der Stadt des 6. Oktober (4.500), in der auch Österreich seine WM-Mission startet. Weitere Schauplätze sind die noch unbenannte und seit 2015 in Bau befindliche „Neue Hauptstadt“ östlich von Kairo (7.000) sowie das am Mittelmeer gelegene Borg al-Arab (5.000).

Veranstalter ziehen bei Fans Notbremse

In Zeiten der Coronavirus-Pandemie setzen die Veranstalter auf ein striktes Präventionskonzept. So werden die Teams etwa fast täglich getestet, die Spieler bewegen sich in einer Art „Blase“ zwischen Hotel und Halle und dürfen ihre Unterkunft ansonsten nicht verlassen. Fans sollten aber ursprünglich – begrenzt auf 20 Prozent des Fassungsvermögens – zugelassen sein. Doch am Sonntag machten die Veranstalter doch einen Rückzieher.

Kurz zuvor hatten die Kapitäne der europäischen WM-Teilnehmer, darunter auch Österreichs Gerald Zeiner, in einem Schreiben an Mustafa den Verzicht auf Zuschauer gefordert – und erhielten nun quasi recht. Schon davor war gerade aus der deutschen Liga heftige Kritik an den angeblich zu wenig strikten Maßnahmen laut geworden. Einige deutsche Leistungsträger verzichteten überhaupt auf eine Teilnahme. Darunter die Kieler Champions-League-Sieger Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold.

Schweiz statt USA erster Österreich-Gegner

Dass die Sorge nicht unbegründet ist, zeigte sich noch unmittelbar vor der Eröffnung. Nachdem Tschechien am Dienstag seine Teilnahme nach mehr als zehn CoV-Fällen unter Spielern und Trainern zurückgezogen hatte, schlug das Virus auch bei Österreichs ursprünglichem Auftaktgegner USA, Brasilien und WM-Neuling Kap Verde zu.

Bei den Afrikanern gebe es so wie bei Brasilien sieben Fälle, bei den US-Amerikanern sollen es sogar 18 sein. Während Nordmazedonien den Platz von Tschechien einnimmt, übernimmt die Schweiz den Platz der USA als erster Gegner Österreichs.

Mehrere Anwärter auf WM-Medaillen

Sportlich zählen gleich mehrere Mannschaften zum Kreis der Titelkandidaten. Dort befinden sich neben Europameister Spanien und seinem Vize Kroatien auch der bei der EM 2020 überraschend in der Vorrunde gescheiterte Titelverteidiger Dänemark sowie Österreichs Vorrundengegner Norwegen und Frankreich. Auch wenn „Les Bleus“ nach dem Ende der „goldenen Generation“ und einer schwachen EM nicht mehr über die Dominanz der vergangenen Dekade verfügen. Teams wie der EM-Vierte Slowenien und Gastgeber Ägypten liebäugeln immerhin mit einem Sprung aufs Podest.

Dort wird sich Österreich nach dem 31. Jänner nicht finden, für die Auswahl des Österreichischen Handballbunds (ÖHB) und Teamchef Ales Pajovic steht nach dem historischen achten EM-Platz im vergangenen Jahr diesmal die Weiterentwicklung im Fokus. Kapitän und Kiel-Legionär Nikola Bilyk ist nach einem Kreuzbandriss schon länger außer Gefecht, der bei der EM so starke Rückraummann Janko Bozovic zog sich erst in der Vorwoche einen Achillessehneneinriss zu. Und Routinier Fabian Posch sagte aufgrund gesundheitlicher Bedenken ab.

Auftakt weist Österreich den Weg

Ein Sieg im Auftaktspiel am Donnerstag (18.00 Uhr, live in ORF1) gegen die Schweiz, die deutlich stärker als die USA einzuschätzen ist, würde in der Gruppe E hinter den wohl nicht zu biegenden Norwegern und Franzosen zu Platz drei und damit dem Aufstieg in die Hauptrunde reichen. Dort will man dann vom Druck befreit noch den einen oder anderen Punkt einfahren.

Erstmals sind bei einer WM 32 Mannschaften vertreten, im Vergleich zur letzten Ausgabe 2019 wurde das Teilnehmerfeld um acht Teams aufgestockt. Das bringt der Endrunde gleich drei Debütanten: Aus Afrika die Demokratische Republik Kongo und Kap Verde sowie den Südamerikavertreter Uruguay.