Carter Hart (Flyers)
AP/Matt Slocum
Eishockey

NHL startet „Sprint“ zu Stanley Cup

Mehr als drei Monate nach dem ursprünglichen Termin startet am Mittwoch auch die National Hockey League (NHL) in ihre neue Saison. Die 104. Auflage im Rennen um den Stanley Cup wird aufgrund der Coronavirus-Pandemie zu einem „Sprint“. Mit Michael Raffl ist vorerst nur ein Österreicher mit von der Partie. Der gehört mit den Philadelphia Flyers dafür zum Kreis der Titelkandidaten.

Mit neu zusammengesetzten Divisionen, Spielen nur innerhalb dieser Gruppen und einem reduzierten Grunddurchgang startet die NHL in die neue Saison. Für Raffl ist es sein achtes Jahr in der NHL und bei den Philadelphia Flyers. Zumindest zum Saisonstart ist der 32-jährige Villacher der einzige österreichische Legionär in der prestigeträchtigsten Eishockeyliga der Welt.

In der vergangenen Saison waren Michael Grabner und Raffl zwei aus dem großen Kontingent der Europäer in der NHL. 305 von 976 eingesetzten Spielern kamen aus Europa, 31,3 Prozent bedeuten Rekord (bisher: 29,87 Prozent in der Saison 2001/02). Vor allem dank Schweden (113 Spieler), Finnen und Russen (je 50) wurde die Anzahl der US-Amerikaner übertroffen.

Michael Raffl (Flyers)
GEPA/Philipp Brem
Raffl hält vorerst als einziger Österreicher in der NHL die rot-weiß-rote Fahne hoch

Rossi kämpft mit Verletzung

Mit Grabner und Youngster Marco Rossi könnten im Laufe der Saison noch zwei weitere heimische Spieler dazukommen. Der Einsatz des 19-jährigen Rossi, der 2020 von den Minnesota Wild in der ersten Runde als Nummer neun im Draft gewählt wurde und mit Österreich bei der U20-WM am Start war, liegt vorerst wegen einer Oberkörperverletzung auf Eis. Daher kann das Talent den Kampf um einen Platz im Kader Minnesotas vorerst nicht aufnehmen. Gelingt es dem 19-jährigen Center heuer nicht, sich einen Platz in der NHL zu erspielen, geht es vorerst zurück zu den Zürich Lions in die Schweizer Liga.

Grabner hat bereits elf Spielzeiten in der NHL auf dem Buckel. Doch der 33-jährige Kärntner wurde im Sommer von den Arizona Coyotes aus seinem Vertrag gekauft und ist derzeit ohne Verein. Grabner hatte schon im Herbst angekündigt abzuwarten, ob und wann die NHL ihre neue Saison beginnt. Ob Grabner eine zwölfte Saison bestreitet oder seine NHL-Karriere beenden muss, wollte er in diesen Tagen entscheiden.

Flyers im Favoritenkreis

Raffl ist dagegen bei den Flyers gesetzt und steht zudem vor einem Meilenstein. Inklusive Play-offs hat der 32-jährige Kärntner bisher 498 NHL-Spiele absolviert. Am Freitag dürfte im zweiten Saisonspiel, das so wie das erste am Mittwoch ein Heimduell mit den Pittsburgh Penguins ist, Raffls 500. Partie anstehen.

Nikita Kucherov (Tampa Bay) mit dem Stanley Cup
Reuters/USA Today Sports/Perry Nelson
Ende September 2020 durften die Tampa Bay Lightning zum zweiten Mal in ihrer Clubgeschichte mit dem Stanley Cup jubeln

Zudem könnten der Stürmer und seine Teamkollegen heuer ein ernstes Wort um den Stanley Cup mitsprechen. Philadelphia gilt im Osten als einer der stärksten Herausforderer von Titelverteidiger Tampa Bay Lightning. Die Flyers konnten in ihrer Geschichte bisher zweimal die begehrte Trophäe an Bord holen. Das ist mit 47 bzw. 46 Jahren aber schon eine halbe Ewigkeit her. Favorit auf den Stanley Cup ist für viele Experten allerdings Colorado Avalanche.

Divisionen neu geordnet

Die begehrte Trophäe wird nach der längsten Saison, die aufgrund von mehr als vier Monaten Cov-bedingter Pause 363 Tage dauerte, diesmal in einer Kurzversion ausgespielt. Statt 82 Spielen im Grunddurchgang stehen nur 56 Partien an. Um Reisen in der Pandemie einzuschränken, wird auch nur innerhalb der neu zusammengestellten Divisionen gespielt.

Problemen beim Grenzübertritt zwischen den USA und Kanada ging die Liga aus dem Weg, indem eine rein kanadische North Division installiert wurde. Acht- bis zehnmal treffen die Clubs im bis 8. Mai angesetzten Grunddurchgang aufeinander. Auch das folgende Play-off wird ab 11. Mai bis zum NHL-Halbfinale innerhalb der North, West, Central und East Division gespielt.

27 positive Tests vor Saisonstart

So wie schon in der Finalphase der Vorsaison, die in isolierten „Bubbles“ in Edmonton und Toronto gespielt wurde, gehören auch in der neuen Saison Virustests zum Alltag der Spieler. Dazu sind die Trainer hinter den Spielerbänken verpflichtet, während der Partien einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Wie herausfordernd der Kampf zur Eindämmung des Covid-19-Erregers trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wird, zeigen die Ergebnisse der Tests zwischen 30. Dezember und 11. Jänner. Insgesamt 27 Spieler wurden vor dem Start der Saison positiv auf das Coronavirus getestet, wie die Liga am Dienstag bekanntgab.

Anton Khudobin
APA/AFP/Getty Images/Bruce Bennett
Bei den Dallas Stars bildete sich in der kurzen Vorbereitung ein Coronavirus-Cluster

Davon entfallen gleich 17 der positiv getesteten Spieler auf den Finalisten der vergangenen Saison, die Dallas Stars. Die anderen Fälle verteilen sich auf acht weitere Teams. Angaben dazu, um welche Mannschaften es sich handelt, machte die NHL am Dienstag jedoch nicht. Die erste Partie der Stars gegen die Florida Panthers wurde aufgrund der Situation in Dallas bereits verschoben.

Zusperren wäre billiger

Die Mannschaften konnten sich zudem nur in kurzen Trainingscamps auf die Saison vorbereiten, Testspiele gab es nicht. Zuschauer sind nicht zugelassen, was die Liga wirtschaftlich trifft. Deshalb wurde die Gehaltsobergrenze für die Clubs nicht wie ursprünglich geplant auf 84 bis 88 Millionen US-Dollar angehoben, sondern bei 81,5 Mio. Dollar eingefroren. Das stellte einige Teams vor Probleme bei der Kaderplanung, Spieler mussten abgegeben werden, um das Limit nicht zu übersteigen.

Laut NHL-Commissioner Gary Bettman werden die NHL und die Teams über eine Milliarde Dollar wegen dieser verkürzten Saison verlieren. „Es wäre billiger, die Tore zu schließen und nicht zu spielen. Wir kommen in dieser Saison zurück, weil wir glauben, es ist wichtig für das Spiel, und es mag den Leuten, besonders in Isolation, eine Portion Normalität geben.“

Zu einer Portion NHL-Normalität gehören mittlerweile auch Freiluftspiele – und auch die sollen heuer trotz Pandemie stattfinden. Die Liga gab am Montag (Ortszeit) bekannt, dass es im Februar zwei Spiele auf dem Edgewood Golf Course am Südufer des Lake Tahoe an der Grenze von Nevada und Kalifornien geben wird. Zuschauer wird es aber auch auf dem Golfplatz voraussichtlich keine geben.

National Hockey League

Donnerstag, 14. Jänner:
NY Rangers NY Islanders 0:4
Buffalo Washington 4:6
New Jersey Boston 2:3 n.P.
Detroit Carolina 0:3
Nashville Columbus 3:1
Winnipeg Calgary 4:3 n.V.
Arizona San Jose 3:4 n.P.
Edmonton Vancouver 5:2
Los Angeles Minnesota 3:4 n.V.
Vegas Anaheim 5:2
Freitag, 15. Jänner:
Buffalo Washington
Ottawa Toronto
Philadelphia Pittsburgh
Tampa Bay Chicago
Colorado St. Louis