Ski alpin

Liensberger nur von Shiffrin bezwungen

Katharina Liensberger hat zum dritten Mal in Folge einen Slalom-Sieg nur um wenige Hundertstelsekunden verpasst. Die 23-jährige Vorarlbergerin belegte am Dienstagabend beim Nightrace in Flachau wie schon zuvor auf dem Semmering und in Zagreb Platz zwei. Diesmal war US-Superstar Mikaela Shiffrin um 0,19 Sekunden schneller als Liensberger, die aber im fünften Torlauf der Saison zum fünften Mal auf dem Podest landete.

Shiffrin, die bereits nach dem ersten Lauf geführt hatte, feierte bei leichtem Schneefall ihren ersten Slalom-Sieg seit 29. Dezember 2019 in Lienz – also seit über einem Jahr. Am 14. Dezember 2020 hatte die 25-Jährige, die nach dem Tod ihres Vaters erst verspätet in den Weltcup zurückgekehrt ist, allerdings schon im Riesentorlauf von Courchevel triumphiert. Für Shiffrin war es der bereits vierte Erfolg in Flachau, der 44. Weltcup-Sieg im Torlauf und der 68. insgesamt.

Liensberger schob sich mit Laufbestzeit in der Entscheidung noch vom vierten Zwischenrang nach vor, verpasste aber erneut den ersten ÖSV-Sieg in einem Damen-Slalom seit über sechs Jahren (Nicole Hosp im November 2014 in Aspen). Im Disziplinenweltcup hat sie als Zweite nun nur noch 40 Punkte Rückstand auf Petra Vlhova, die sich diesmal hinter der Schweizerin Wendy Holdener mit Rang vier begnügen musste. Die dreifache Saisonsiegerin aus der Slowakei hatte sich in Flachau in den letzten zwei Jahren zur „Snow Space Princess“ gekürt.

1. Mikaela Shiffrin (USA)
2. Katharina Liensberger (AUT)
3. Wendy Holdener (SUI)

Chiara Mair als Siebente, Katharina Truppe als Zehnte und Katharina Huber als Zwölfte komplettierten das starke Ergebnis der Österreicherinnen bei ihrem Heimrennen. Die übrigen ÖSV-Damen hatten im letzten Slalom vor der WM in Cortina d’Ampezzo (8. bis 21. Februar) die Qualifikation für die Entscheidung der Top 30 verpasst.

Große Freude und Gratulation an Siegerin

Bei Liensberger, der Ende Dezember auf dem Semmering nur 0,11 und Anfang Jänner in Zagreb nur 0,05 Sekunden auf die Siegerinnen (Michelle Gisin bzw. Vlhova) gefehlt hatten, überwog die Freude über den neuerlichen Stockerlplatz gegenüber der Enttäuschung über den wiederum hauchdünn verpassten ersten Weltcup-Sieg.

„Ich habe gleich von Beginn alles gegeben, so wie ich mir das vor dem zweiten Durchgang vorgenommen habe. Alles in allem bin ich megahappy. Es ist wirklich cool hier und ich freue mich riesig. Es hat sich super angefühlt, ich wollte Zug aufbauen, und dann macht es auch Spaß. Die Piste war super zu fahren“, sagte sie im ORF-Interview. „Ich gratuliere Mika, sie hat da echt phänomenal etwas heruntergezaubert. Ich muss mich gedulden, aber die Arbeit geht stetig voran. Das Ziel ist, immer besser zu werden, die Konstanz ist da. Das Skifahren passt und die Schwünge sind schnell, darauf kann ich weiter aufbauen.“

Bei Shiffrin passt wieder alles zusammen

Shiffrin durfte das Ende einer für ihre Verhältnisse langen Slalom-Durststrecke und ihren 100. Weltcup-Podestplatz bejubeln: „Ich habe mich wieder am Leben gefühlt und konnte richtig pushen. Es ist schwierig zu erklären. Der zweite Durchgang war wirklich das Beste, was ich machen kann. Ich habe zum ersten Mal wieder diese Mentalität gespürt. Am Semmering habe ich mir gedacht, ich kann das nicht mehr, aber heute habe ich mir gedacht, jetzt geht es, und ich will das. Es war wirklich aufregend. Heute hat wieder alles zusammengepasst.“

Mit ihrem 68. Sieg überholte sie in der ewigen Weltcup-Bestenliste ÖSV-Star Marcel Hirscher. Zudem hat sie mit nun 44 Slalom-Erfolgen die meisten Siege in einer Disziplin bei den Damen errungen. Ihre Landsfrau Lindsey Vonn hatte 43 Abfahrten gewonnen.