David Komatz
GEPA/Matic Klansek
Biathlon-WM

ÖSV-Staffeln lassen am Schießstand aus

Die Hoffnungen auf eine weitere österreichische Medaille bei der Weltmeisterschaft in Pokljuka hat sich am Samstag in den Staffel-Bewerben nicht erfüllt. Sowohl die Herren als Zehnte als auch die Damen mit Platz sieben ließen mit einer Strafrunde bzw. mehr als einem Dutzend Nachladern am Schießstand aus. Gold ging da wie dort an Norwegen.

Der Traum von einem Spitzenplatz bei den Männern war aus österreichischer Sicht bereits nach dem ersten Läufer geplatzt. David Komatz, liegend noch fehlerfrei, musste beim Stehendschießen einmal in die Strafrunde und warf die Österreicher damit weit zurück. Simon Eder brachte das ÖSV-Quartett mit fehlerfreier Schießleistung ohne Nachlader zwar zwischenzeitlich zurück in die Top Ten, Felix Leitner und Schlussläufer Julian Eberhard konnten das Ergebnis aber nicht mehr weiter verbessern.

„Eine Strafrunde ist extrem bitter. Leider habe ich uns schon sehr früh aus dem Rennen genommen. Es tut mir leid, dass ich das schon so verbockt habe“, nahm sich Komatz im ORF-Interview auch in die Pflicht. Eder, der am Sonntag noch im Massenstart (15.15 Uhr, live in ORF1) die Chance auf seine Medaille hat, wollte jedoch seinem Teamkollegen nicht den schwarzen Peter zuschieben. „Es gibt aber keine Vorwürfe an den ‚Komi‘. Wir verlieren und gewinnen zusammen“, sagte der routinierte Salzburger.

Biathlon-WM: Keine Staffel-Medaille für Österreich

Österreichs Herren belegten im Staffel-Bewerb der Biathlon-Weltmeisterschaft den enttäuschenden zehnten Rang. Die Damen wurden den Erwartungen gerecht, sie wurden Siebente.

Auch der Kampf um Gold war relativ schnell entschieden. Sturla Holm Laegreid brachte die Norweger als Startläufer sicher auf Distanz zur Konkurrenz, Tarje und Johannes Thingnes Bö sowie Vetle Sjaastad Christiansen brachten den Titel mit dem komfortablen Vorsprung von einer halben Minute auf die Konkurrenz ins Ziel. Silber sicherte sich dank des starken Schlussläufers Sebastian Samuelsson Schweden, Bronze ging an die aufgrund der Dopingsanktionen unter neutraler Flagge angetretene russische Staffel.

Hauser und Co. laden 15-mal nach

Österreichs Damen-Quartett Dunja Zdouc, Katharina Innerhofer, Julia Schwaiger und Lisa Hauser vermied zwar eine Strafrunde, musste bei den acht Schießübungen aber insgesamt 15-mal nachladen und war zumindest in dieser Kategorie die unangefochtene Nummer eins. Die Österreicherinnen brachten sich mit den Nachladern auch um eine gute Laufleistung. Denn am Ende fehlten dem Quartett nur rund 1:05 Minuten auf die siegreichen Norwegerinnen. Platz sieben bedeutet aber trotzdem das bisher beste WM-Ergebnis einer österreichischen Damen-Staffel.

Im Kampf um Gold wurde Norwegen seiner Favoritenrolle auch bei den Damen gerecht – auch wenn die Entscheidung knapper, als bei den Männern ausfiel. Ingrid Landmark Tandrevold, Tiril Eckhoff, Ida Lien und Marte Olsbu Röiseland bescherten dem norwegischen Team die erwartete nächste Staffel-Goldene in Pokljuka. Silber sicherte sich 8,8 Sekunden hinter den Skandinavierinnen im Zielsprint das deutsche Quartett. Bronze ging an die Ukraine.

Marte Olsbu Roiseland, Ida Lien, Tiril Eckhoff und Ingrid Landmark Tandrevold
Reuters/Borut Zivulovic
Norwegen wurde seiner Favoritenrolle auch in der Damen-Staffel gerecht

Schießen trübt Laufleistung

Bei den Österreicherinnen, die sich in den Einzelrennen großartig präsentiert hatten, platzte der Traum von einer Sensation bereits beim ersten Liegendschießen. Startläuferin Zdouc musste beim ersten Versuch bereits dreimal nachladen. Die Kärntnerin und ihre Kollegin Innerhofer waren insgesamt für zehn der 15 Nachlader verantwortlich. Auch Schwaiger und Schlussläuferin Hauser blieben von Fehlschüssen diesmal nicht verschont.

„Ich habe mir beim Schießen, vor allem liegend, schwergetan. Beim Einschießen waren die Scheiben im Schatten, im Rennen dann in der Sonne. Läuferisch hat es gepasst. Heute war es nicht mein Glanztag“, sagte Startläuferin Zdouc, die vor allem mit den höheren Temperaturen zu kämpfen hatte, im ORF-Interview. Innerhofer und Schwaiger strichen das persönlich Positive heraus. Innerhofer, vor allem beim Stehendschießen immer für Fehler gut, freute sich „irrsinnig“, wenigstens eine Strafrunde vermieden zu haben, Schwaiger zeigte sich von ihrer Laufleistung überrascht: „Ich wusste gar nicht, dass ich läuferisch so gut unterwegs war.“

Schlussläuferin Hauser, die bereits Silber in der Mixed-Staffel und Silber in der Verfolgung in der Tasche hat, musste ebenfalls dreimal nachladen und konnte daher die Lücke zu den Top Fünf nicht mehr schließen. „Der siebente Platz lässt sich schon sehen, wir wussten, wir können in dem Bereich dabei sein“, sah die Tirolerin das Ergebnis realistisch. Die Vorstellung am Schießstand stieß Hauser jedoch sauer auf: „Leider haben wir mit den Nachladern einen Rekord erreicht. Das war Spitze in dem Feld. Da werden wir am Abend noch eine Nachbesprechung haben, die nicht so lustig wird. Dafür ist der Rückstand eh noch akzeptabel. Aber wir waren optimistisch für die Staffel, weil wir alle gut drauf waren.“

Biathlon-WM Pokljuka

Herren-Staffel (4 x 7,5 km):
1. Norwegen Laegreid, T. Bö, J.T. Bö, Christiansen 1:12,27,4 0/8*
2. Schweden Femling, Nelin, Ponsiluoma, Samuelsson + 33,1 0/7
3. Russland Khalili, Jelisejew, Loginow, Latipow 50,9 0/5
4. Frankreich 1:02,0 1/11
5. Ukraine 1:12,7 0/4
6. Italien 1:35,5 2/14
7. Deutschland 1:43,2 0/4
8. Slowenien 1:44,3 0/8
9. Weißrussland 2:25,4 0/9
10. Österreich Komatz, Eder, Leitner, Eberhard 2:31,1 1/6
* Strafrunden/Nachlader
Damen-Staffel (4 x 6 km):
1. Norwegen Tandrevold, Eckhoff, Lien, Röiseland 1:10:39,0 0/11*
2. Deutschland Hinz, Hettich, Herrmann, Preuß + 8,8 0/5
3. Ukraine Merkuschina, Dschyma, Blaschko, Pidhruschna 9,2 0/7
4. Weißrussland 28,8 0/8
5. Schweden 47,9 0/9
6. Polen 52,1 0/6
7. Österreich Zdouc, Innerhofer, Schwaiger, Hauser 1:04,3 0/15
8. Frankreich 1:15,2 0/5
9. Italien 1:28,1 0/9
10. Tschechien 1:40,4 0/6
* Strafrunden/Nachlader

Programm

21. Februar Massenstart Herren (15 km) 15.15 Uhr *
* live in ORF1

Medaillenspiegel

Gold Silber Bronze Gesamt
1. Norwegen 7 3 4 14
2. Frankreich 2 2 3 7
3. Schweden 1 3 2 6
4. Österreich 1 2 - 3
5. Tschechien 1 - - 1
6. Deutschland - 2 - 2
7. Russland - - 1 1
. Ukraine - - 1 1
. Weißrussland - - 1 1
Endstand nach zwölf Bewerben