Marita Kramer
GEPA/Christian Walgram
Nordische WM

Jury verteidigt Verkürzung vor Kramer

Auch am Tag nach der fragwürdigen Entscheidung der Jury im ersten Oberstdorfer WM-Springen der Frauen am Donnerstag hat es in Oberstdorf noch Diskussionen darüber gegeben. Die Jury hatte unmittelbar vor der in der Halbzeit führenden Österreicherin Marita Kramer den Anlauf verkürzt, sie fiel danach auf Rang vier zurück. Der Technische Delegierte der FIS, Saso Komovec, verteidigte die Verkürzung als einzig logische Entscheidung.

Die Slowenin Ema Klinec war bei 100,5 Metern gelandet, wegen angeblich aus Athletensicht besser werdender Bedingungen wurde Kramer dann weniger Anlauf gegeben. Komovec, dessen Landsfrau schließlich Gold holte, sprach gegenüber dem ORF von einer „schwierigen Entscheidung. Sicherheit geht immer vor.“

„Marita ist im ersten Durchgang weit gesprungen und konnte den Sprung kaum stehen. Da können Verletzungen passieren. Im zweiten Durchgang wurde der Wind plötzlich viel besser, wir sind ein Gate runtergegangen, damit sie sicher landen kann“, erklärte der Slowene. Es tue ihm leid, aber man habe wirklich im Sinne der Athletin handeln wollen.

Kramer schrammt an Medaille vorbei

Marita Kramer, die im ersten Durchgang mit 109,0 Metern Schanzenrekord erzielt hatte, fehlten am Ende 4,4 Punkte auf die neue Weltmeisterin Ema Klinec. Die Verkürzung des Anlaufs unmittelbar vor Kramers Sprung sorgte aber für Diskussionen.

ÖSV-Protest gegen handelnde Personen

Mario Stecher sah die Entscheidung hingegen als falsch an. Der Sportliche Leiter für Skispringen und Nordische Kombination im ÖSV hat Protest eingelegt – nicht gegen die Wertung des Bewerbs, sondern gegen die handelnden Personen. Dieser werde erst in den FIS-Gremien diskutiert werden, ein baldige Rückmeldung wird vom ÖSV derzeit nicht erwartet, hieß es am Freitag aus dem ÖSV.

„Es besagt eine ganz klare Regel – bei 95 Prozent der Hillsize muss die Jury zusammentreten, und dann können sie entscheiden, ob sie den Anlauf verkürzen. 95 Prozent sind in diesem Durchgang absolut noch nicht gesprungen worden, das waren genau 100,5 Meter, also ist es unter dieser 95-Prozent-Regel.“ Exakt wäre diese Marke bei 100,7 Metern erreicht gewesen.

Mario Stecher
GEPA/Patrick Steiner
ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher hofft nach dem Bewerb auf der Normalschanze auf personelle Konsequenzen

Stecher störte sich vor allem an den zuständigen Herren, Komovec und auch Renndirektor-Assistent Miran Tepes (SLO). „Man sollte eventuell schauen, dass die nicht mehr bei solchen Großveranstaltungen an der Ampel bzw. als Assistent dabei sind. Solche Leute sollten an der Ausübung ihres Jobs gehindert werden“, meinte der Ex-Sportler gegenüber dem ORF erzürnt.

Unverständnis bei Hannawald und Kraft

Rückendeckung bekamen die Österreicher vom deutschen Ex-Weltklassespringer Sven Hannawald, der als Experte für das deutsche Fernsehen an Ort und Stelle ist. „Man hat ja Erfahrungswerte. Um die Uhrzeit ist gefühlt 365 Tage immer Rückenwind. Da muss man kurz warten und da erledigt sich das Thema von selber, wenn man dann eingreift, runtergeht und dann der Rückenwind mehr wird, hat man weniger Anlauf und auch noch schlechtere Bedingungen. Dann zerpflückst du den kompletten Anlauf. Auch mir steht die Überraschung im Gesicht, warum man das gemacht hat – speziell bei der letzten Springerin.“

Auch Stefan Kraft äußerte Unverständnis. „Ich verstehe es nicht. Im ersten lässt man alle runterdonnern, da wird nicht verkürzt. Im zweiten, wo du 102 Meter hupfst, wo es am besten zum Hinspringen ist auf der Schanze, wird dann verkürzt. Also, ab und zu übertreiben sie es mit der Hin- und Herschieberei der Luken.“

Damen-Bewerb auf der Normalschanze

Endstand:
1. Ema Klinec SLO 105,0/100,5 279,6
2. Maren Lundby NOR 102,5/99,5 276,5
3. Sara Takanashi JPN 104,0/100,0 276,3
4. Marita Kramer AUT 109,0/98,0 275,2
5. Nika Kriznar SLO 95,0/97,0 257,5
6. Silje Opseth NOR 93,0/98,0 255,1
7. Thea Minyan Björseth NOR 99,5/92,0 252,7
8. Daniela Iraschko-Stolz AUT 95,5/95,0 248,0
9. Jerneja Brecl SLO 95,5/94,5 244,6
10. Katharina Althaus GER 91,0/98,0 241,8
11. Yuki Ito JPN 93,5/95,0 241,7
12. Irina Awwakumowa RUS 92,5/95,5 238,9
13. Ursa Bogataj SLO 96,0/94,0 235,9
14. Anna Rupprecht GER 93,0/91,5 233,7
15. Jessica Malsiner ITA 89,5/93,5 229,3
16. Josephine Pagnier FRA 88,0/92,5 228,0
17. Julia Clair FRA 86,5/97,5 225,4
18. Lara Malsiner ITA 90,0/93,0 222,3
19. Anna Odine Ström NOR 92,0/89,5 220,6
20. Nozomi Maruyama JPN 91,0/90,0 217,5
21. Juliane Seyfarth GER 86,0/93,0 210,9
22. Yuka Seto JPN 91,0/88,0 203,5
23. Irma Machinia RUS 84,5/90,0 200,2
24. Sofia Tichonowa RUS 82,5/88,0 197,9
25. Karolina Indrackova CZE 85,0/88,5 197,8
26. Daniela Haralambie ROU 84,0/84,5 193,9
27. Abigail Strate CAN 80,0/86,0 191,8
28. Kristina Prokopiewa RUS 84,0/84,0 185,0
29. Julia Kykkänen FIN 81,5/81,5 180,8
30. Carina Vogt GER 81,0/70,0 148,7
Nicht für zweiten Durchgang qualifiziert (u.a.):
32. Eva Pinkelnig AUT 81,0 86,9
Disqualifiziert (Anzug): Sophie Sorschag (AUT)