Matthias Mayer
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Ski alpin

Mayer pfeift in Kugelkampf auf Taktik

30 Jahre nach der WM-Abfahrt in Saalbach-Hinterglemm könnte in zwei Abfahrten am Freitag (11.20 Uhr) und Samstag (11.00 Uhr, beides live in ORF1) auf der Schneekristall-Piste eine Vorentscheidung im Kampf um die kleine Kristallkugel in der Königsdisziplin fallen. Der Schweizer Beat Feuz geht mit 48 Punkten Vorsprung auf Matthias Mayer ins Rennen, 70 Punkte hinter dem Kärntner lauert Dominik Paris (ITA). Für Mayer zählt im Kugelkampf daher nur Angriff, denn: „Es gibt nichts zu taktieren.“

Die beiden Rennen auf dem Hinterglemmer Zwölferkogel, die als Ersatz für die aufgrund der Coronavirus-Situation abgesagten Abfahrten von Wengen und Kvitfjell dienen, sind die vorletzten vor dem Abschluss in Lenzerheide. Bevor Feuz beim Weltcup-Finale Heimvorteil genießt, kann Mayer auf heimischem Boden angreifen. Der Kärntner, der 2015 den zweiten seiner bisher zehn Weltcup-Siege auf der Schneekristall-Strecke feiern konnte, präsentierte sich bereits im Training mit Platz eins und vier stark.

Aufgrund der knappen Abstände in den Trainingsläufen, so war Mayer im ersten Zeitlauf nur eine Hundertstelsekunde schneller als Paris, geht der 30-Jährige im Rennen von einer „ziemlichen Hundertstelschlacht“ aus. Im Kampf um Kristall sieht sich Mayer trotz des doppelten Heimvorteils als Jäger: „Beat (Feuz, Anm.) ist in einer sehr guten Form. Ich glaube, das wird er auch zeigen wollen. Es gibt sicher einfachere Gegner als ihn. Er war heuer ein paarmal knapp vor mir, ich hoffe, dass es sich ausgeht, dass ich knapp vor ihm sein kann.“

Paris Schnellster in zweitem Saalbach-Training

Nachdem Matthias Mayer am Mittwoch Bestzeit gefahren war, war Dominik Paris (ITA) am Donnerstag der schnellste Mann im zweiten Training vor der Abfahrt in Saalbach. Hinter ihm schafften es vier Österreicher in die Top Ten.

Feuz habe seine Stärken zuletzt im Weltcup perfekt ausgespielt, so Mayer. „Sein Kampfgeist, sein Siegeswille, seine Ruhe“, zählte der zweifache Olympiasieger die Vorzüge des Schweizers auf. Dazu seien die 48 Punkte ein gehöriger Rückstand, den es wettzumachen gelte. Zugleich droht dem Kärntner auch Gefahr von hinten in Form von Paris, der in Garmisch-Partenkirchen den Sieg einfuhr. „Er ist in einer Topform, das hat er gezeigt, auch für ihn ist alles drinnen, ganz klar“, so Mayer, der sich nicht nur in Saalbach-Hinterglemm, sondern auch in Lenzerheide wohlfühlt. Im Schweizer Skiort feierte er einst 2014 seinen ersten Weltcup-Sieg.

Feuz: „Ist noch viel offen“

Für Spitzenreiter Feuz, der sich mit zwei Siegen in Kitzbühel und Platz zwei in Garmisch-Partenkirchen an die Spitze schob, ist der Abfahrtsweltcup daher noch lange nicht entschieden. „Es sind noch drei Abfahrten, da ist noch viel offen, da kann noch sehr viel passieren. Da ist noch ein Drittel der Saison vor uns“, so der 34-Jährige. Vor allem Paris dürfe man „definitiv nicht abschreiben“, so Feuz: „Wenn er zweimal gewinnt oder zweimal vor uns liegt, dann ist er voll im Kampf dabei. Ich glaube, dass das nicht nur ein Duell ist, sondern ein Dreikampf“, sagte Feuz in Richtung seines italienischen Konkurrenten, der im Training am Freitag Schnellster war.

Das Gefühl, die kleine Kristallkugel in Empfang zu nehmen, kennt Feuz mittlerweile zur Genüge. Denn der Schweizer holte sich die jüngsten drei Ausgaben des Abfahrtsweltcups in Folge. Damit rüttelt Feuz auch am Thron von Franz Klammer, der mit insgesamt fünf Abfahrtskugeln – von 1975 bis 1978 vier in Folge, sowie noch einmal 1983 – aktueller Rekordhalter ist. Mit vier Titeln in Folge würde es Feuz nicht nur Klammer nachmachen, sondern auch die Marke seines Landsmanns Didier Cuche von vier Abfahrtskugeln erreichen. „Aber ich verkopfe mich nicht deshalb, ich habe drei Kugeln, alles andere kommt, wie es kommt“, so Feuz.

Beat Feuz (SUI), Dominik Paris (ITA) und Matthias Mayer (AUT)
GEPA/Harald Steiner
Bei der letzten Abfahrt vor der WM standen mit Feuz (l.), Paris (Mi.) und Mayer die drei Kristallanwärter auf dem Podest

Daher rechnet der WM-Dritte von Cortina d’Ampezzo auch nicht mit einer Entscheidung auf dem Zwölferkogel. „Dass ich den Vorsprung auf über hundert Punkte ausbaue, bezweifle ich ehrlich gesagt. Was ich nicht hoffe, ist, dass Matthias (Mayer, Anm.) hundert Punkte vor mir liegt vor Lenzerheide“, so Feuz, der vor allem den Speed seines schärfsten Konkurrenten aus Kärnten hervorstrich: „Er ist nicht nur konstant, sondern er fährt sehr risikohaft, das zeichnet ihn aus. Er kann auf den schwierigsten Strecken sehr viel riskieren und gewinnt dann eben solche Rennen auch“, sagte der Schweizer.

Kriechmayr als Daumendrücker

Apropos WM in Cortina: Weltmeister Vincent Kriechmayr hat nach einer mäßigen Abfahrtssaison keine Chance mehr auf die Kugel, um die Podestränge will er auf der WM-Strecke von 1991 und bei der WM 2025 aber klarerweise schon mitkämpfen. „Natürlich will ich das, unser ganzes Team will das“, sagte der Oberösterreicher, der vor allem am Sonntag im Ersatz-Super-G von Kvitfjell als großer Favorit gilt und dort vorzeitig die Weltcup-Wertung für sich entscheiden kann.

Das Geschehen um den Disziplinensieg in der Abfahrt verfolgt Kriechmayr trotzdem gespannt mit. „Mothl (Matthias Mayer, Anm.) ist in einer super Verfassung, ich würde es ihm wünschen. Aber es spricht auch vieles für Beat. Er war in den letzten vier, fünf Jahren das Maß aller Dinge. Wer auch immer sich durchsetzt, hat es sich verdient.“ Vielversprechende Trainingsleistungen zeigte aus dem ÖSV-Team auch Max Franz, der auf eine Fahrt hofft, wo mal „kein Blödsinn“ passiert. „Blöd“ könnte vor allem das Wetter sein, denn für Freitag ist im Raum Saalbach-Hinterglemm Niederschlag angesagt.