Jubel von Katharina Liensberger
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Ski alpin

Liensberger crasht Shiffrin-Geburtstagsparty

Als Doppelweltmeisterin von Cortina in Slalom und Parallel-Bewerb hat es für Katharina Liensberger im 75. Anlauf endlich auch im Weltcup für den ersten und wie bei der WM überlegenen Sieg gereicht. Die Vorarlbergerin gewann den Slalom in Aare am Samstag 0,72 Sekunden vor Mikaela Shiffrin und vermasselte der US-Amerikanerin damit den 26. Geburtstag, den sie mit dem 70. Weltcup-Sieg und dem 46. im Slalom hätte würdigen können.

Es war der erste Slalom-Erfolg für die österreichischen Damen seit dem Erfolg von Nicole Hosp am 30. November 2014 in Aspen und der erste ÖSV-Sieg in diesem Weltcup-Winter. „Zeit ist es geworden, definitiv“, sagte Liensberger, die damals als 17-Jährige noch Juniorinnen- und FIS-Rennen absolvierte. Nach dem ersten Durchgang am Samstag Zweite, fing Liensberger Shiffrin mit einem wie schon am Vortag entfesselten zweiten Lauf noch ab. Trotzdem war Liensberger im ersten Aare-Slalom nur Zweite, Shiffrin Dritte.

Den Sieg am Freitag hatte sich Petra Vlhova geholt, die am Samstag nach einem schweren Fehler im ersten Durchgang von Platz 27 in die Entscheidung gegangen war und sich dank einer fulminanten Fahrt noch auf Platz acht verbesserte. Im Disziplinenweltcup blieb die Slowakin in Front. 22 Punkte beträgt Vlhovas Vorsprung auf Liensberger, mit 37 Punkten Rückstand ist auch für Shiffrin beim Weltcup-Finale theoretisch noch die kleine Kristallkugel drin. Im Gesamtweltcup führt Vlhova 96 Punkte vor Lara Gut-Behrami (SUI).

Katharina Liensberger
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Mit zweitbester Laufzeit hinter Vlhova katapultierte sich Liensberger noch zum ersten Weltcup-Sieg ihrer Karriere

Mit dem Wahnsinn eingelassen

Liensberger habe es in der Entscheidung trotz der ramponierten Piste „unglaublich viel Spaß gemacht“. „Ich habe mich einfach voll in den Wahnsinn eingelassen, weil das war es wirklich mit den Spuren. Es hat wirklich gereicht bis zum Schluss, das fühlt sich wunderschön an“, meinte Liensberger. „Ich habe mich so gut gefühlt heute. Es war wirklich mein Tag heute. Ich habe wirklich fliegen können heute, vom Start bis ins Ziel das durchziehen, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin superhappy und stolz, dass ich das in Aare heute erleben darf.“

Für Shiffrin kam Liensbergers Erfolg nicht überraschend. „Ich habe sie gestern beobachtet und habe gewusst, sie geht mit diesen schwierigen Bedingungen am besten von allen um“, sagte die 26-Jährige, die 2012 ebenfalls in Aare ihren ersten Sieg gefeiert hatte. „Aber es gibt immer ein nächstes Rennen. Ich muss an ein paar Sachen arbeiten.“

Gallhuber meldet sich zurück

Auch abgesehen von Liensbergers Triumph war es für die ÖSV-Truppe ein erfreulicher Tag. Katharina Gallhuber gelang als Neunter ihr bestes Ergebnis in dieser Saison, Franziska Gritsch wurde nach Platz sechs am Freitag Zehnte. Marie-Therese Sporer schrieb als 20. erneut an. Gallhuber verbuchte sogar die drittschnellste Zeit im zweiten Durchgang hinter Vlhova und Liensberger und arbeitete sich erstmals in dieser Saison in die Top Ten nach vor.

Katharina Gallhuber
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Gallhuber freute sich über Rang neun und das beste Ergebnis seit Langem

Wie Liensberger, Gritsch, Chiara Mair und Katharina Huber wird sie als eine der besten 25 im Disziplinenweltcup in Lenzerheide starten können. „Ich glaube, ich habe ein ganz gutes Skifahren gezeigt und bin richtig happy“, meinte die Niederösterreicherin, die beim Sieg ihrer Teamkollegin indirekt zudem eine wichtige Rolle spielte.

Liensbergers Helfer in der Not

Wie Liensberger nämlich erzählte, war vor der Entscheidung jenes Paar Ski unauffindbar, mit dem sie zum Startbereich hätte fahren wollen. Ihr Servicemann Raphael Hudler habe ihr nicht weiterhelfen können, dafür Gallhubers Servicemann. „Er hat dann gesagt, ich soll den Ski von der Kathi (Gallhuber) anschnallen.“ Dankbar war sie aber vor allem darüber, „dass mein Rennski wirklich so einen super guten Job gemacht hat. Der ‚Tutti‘ (ihr Name für den Ski/Anm.) hat alles möglich gemacht heute.“