Blick in die Puskas Arena in Budapest vor einem Match
Reuters/Bernadett Szabo
Fußball

Tauziehen um Fans in EM-Stadien

Obwohl es zurzeit eigentlich unmöglich ist, hat der Europäische Fußballverband (UEFA) von den EM-Veranstaltern bis Mittwoch ein Konzept veranlagt, wie die zwölf Spielorte in rund zwei Monaten den Einlass von Fans sicherstellen wollen. Die meisten Spielorte bekannten sich zur Ausrichtung der Partien vor Zuschauern, jedoch mit Einschränkungen. Zwei Städte verzichten auf ein Bekenntnis mit Sicherheitsnetz und müssen um die EM bangen. Vor allem für Bilbao wird es eng.

Sowohl aus den Gruppenspielorten Österreichs in Rumänien (Bukarest) und den Niederlanden (Amsterdam) als auch aus Spanien (Bilbao), und Schottland (Glasgow) erhielt die UEFA relativ konkrete Zusagen, allerdings jeweils mit Einschränkungen. Einen negativen Coronavirus-Test sowie eine günstige Pandemielage vorausgesetzt, sollen beispielsweise in der Amsterdamer Johan-Cruijff-Arena bis zu 12.000 Zuschauer zugelassen werden. Das Nationalstadion in Bukarest soll 13.000 Fans aufnehmen.

Auch England (London), Russland (St. Petersburg), Dänemark (Kopenhagen) und Italien (Rom) hatten bereits ihre Bereitschaft mitgeteilt, vor Publikum spielen zu lassen. Die Engländer hoffen sogar auf ein volles Wembley-Stadion zum Finale. Demgegenüber wackeln allerdings Dublin und Bilbao. Irland ließ öffentlich verlauten, dass es zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich sei, Garantien abzugeben. Der spanische Verband gab überhaupt bekannt, dass in Bilbao keine Fans zugelassen werden.

München bleibt bei Zusage vorsichtig

Diskussionen gibt es auch über München, ein Treffen von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder brachte am Mittwoch Entspannung. Ceferin hält nach dem Meeting mit Söder EM-Spiele in München auch unter den schwierigen Bedingungen der Coronavirus-Pandemie für möglich. Es sei ein gutes Treffen gewesen, sagte der Slowene am Mittwochabend am Rande des Champions-League-Spiels Bayern München gegen Paris Saint-Germain. „Und ich bin mir auch sicher, dass der Ministerpräsident bemüht ist, dass die EM hier stattfinden wird“, sagte Ceferin.

Am Nachmittag hatte Söder sehr zurückhaltend auf die Forderung der UEFA nach Zulassung von Fans reagiert. „Im Moment kann ich mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen, mit großartigen Zuschauerzahlen zu operieren, es dauert ja nicht mehr lange“, sagte Söder. Münchens Organisatoren hatten am Dienstag auf Anfrage mitgeteilt, „weiterhin mit verschiedenen Szenarien, was mögliche Zuschauer im Stadion betrifft“, zu planen. Die Umsetzung hänge aber vom aktuellen Pandemiegeschehen im Juni und Juli ab.

Sollte München von der UEFA zur Zulassung von Fans verpflichtet werden, würde das laut Söder „auch bei der deutschen Bundesregierung“ auf Widerstand treffen. „Wir haben jetzt wirklich in der Frage der sogenannten ‚Geisterspiele‘ gute Erfahrung gemacht“, sagte Söder der RTL/ntv-Redaktion. Er wies jedoch daraufhin, dass sich trotz aller Sicherheitsmaßnahmen immer wieder Spieler mit dem Coronavirus infiziert hätten.

Bilbao wackelt gehörig

Dublin und Bilbao jedenfalls droht möglicherweise der Entzug von EM-Spielen. Denn Ceferin hatte zuletzt für Aufregung mit der Aussage gesorgt, dass nur jene der zwölf Spielorte dabeibleiben, die eine Zulassung von Zuschauern garantieren könnten. Und speziell aus Spanien kommen keine hoffnungsvollen Signale. Angesichts der Bedingungen der Regionalregierung des Baskenlandes seien Spiele vor Publikum undenkbar, teilte der spanische Verband (RFEF) mit. Die sieben Forderungen der Behörden seien bis Juni „unmöglich zu erfüllen“, hieß es. Zuvor hatte die Stadt Bilbao der UEFA laut spanischen Medienangaben gemeldet, dafür bereit zu sein, das San Mames zu 25 Prozent (ca. 13.300 Zuschauer) zu füllen.

Die baskische Regionalregierung will EM-Spiele vor Zuschauern nur unter bestimmten Bedingungen zulassen. Dazu gehört unter anderem, dass bis zum 14. Juni mindestens 60 Prozent der Bevölkerung des Baskenlandes sowie auch ganz Spaniens gegen das Coronavirus geimpft sein müssen. Dem Impfprogramm der Zentralregierung zufolge wäre diese Bedingung allerdings nicht zu erfüllen. Madrid will erst bis Ende August rund 70 Prozent aller Bürger immunisiert haben. Und Medien bezweifeln auch, dass dieses Ziel realisierbar ist.

Eine andere Forderung, die laut Verband nicht zu erfüllen ist, lautet, dass im Juni höchstens zwei Prozent aller Intensivbetten mit Covid-Patienten besetzt sein dürfen. „Das alles wird dazu führen, dass es in Bilbao kein Publikum geben wird“, hieß es in einer RFEF-Stellungnahme. In der baskischen Stadt wäre neben den drei Gruppenspielen Spaniens gegen Schweden, Polen und die Slowakei auch ein Achtelfinale geplant.

Überblick über die Situation der EM-Stadien

Wembley-Stadion in London (England):

  • Kapazität: 90.000 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele, ein Achtelfinale, beide Semifinale und Finale
  • Status: Sportminister Oliver Dowden ist zuversichtlich, dass bei den Gruppenspielen 10.000 Zuschauer möglich sein werden. Diese Zahl soll in der K.-o.-Phase „substanziell“ erhöht werden

Stadio Olimpico in Rom (Italien):

  • Kapazität: 72.700 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele, darunter das Eröffnungsspiel, und ein Viertelfinale
  • Status: Laut Italiens Verband sei ein „starkes Signal“ für einen Start mit Zuschauern von der Regierung eingegangen. Die genaue Zahl und weitere Parameter seien vor allem vom Impffortschritt abhängig.

St.-Petersburg-Stadion (Russland):

  • Kapazität: 68.000 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale
  • Status: Das lokale Organisationskomitee gab bereits im März bekannt, dass es auf eine Stadionauslastung von 50 Prozent hoffe.

Fußball-Arena München (Deutschland):

  • Kapazität: 70.000 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale
  • Status: Absicht ist es laut Medienberichten weiterhin, alle vier Partien in München abzuhalten. Angesichts der Pandemielage ist Bayerns Ministerpräsident Söder aber skeptisch, mit „großartigen Zuschauerzahlen“ operieren zu können.

Baku-Olympiastadion (Aserbaidschan):

  • Kapazität: 69.870 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale
  • Status: bisher keine offizielle Stellungnahme

Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam (Niederlande):

  • Kapazität: 55.500 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele, darunter Niederlande – Österreich (17. Juni), und ein Achtelfinale
  • Status: Der niederländische Verband plant derzeit mit 12.000 Zuschauern pro Spiel, dafür gebe es aufgrund der unberechenbaren Situation mit dem Coronavirus aber „keine Garantien“.

Arena Nationala in Bukarest (Rumänien):

  • Kapazität: 55.600 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele, darunter Österreich – Nordmazedonien (13. Juni) und Österreich – Ukraine (21. Juni), und ein Achtelfinale
  • Status: Laut Rumäniens Sportministerium sollen bis zu 13.000 Zuschauer pro Spiel, darunter auch ausländische Fans, erlaubt sein. Das entspricht rund 25 Prozent der Stadionkapazität – ein wichtiger Richtwert für die UEFA.

San Mames in Bilbao (Spanien):

  • Kapazität: 53.300 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale
  • Status: Die Stadt gab gegenüber der UEFA an, bereit zu sein, das Stadion zu 25 Prozent (ca. 13.300 Zuschauer) zu füllen, laut Spaniens Fußballverband seien die dafür von der baskischen Regionalregierung verhängten Auflagen bis zum Start des Turniers aber „unmöglich zu erfüllen“. Bilbao wackelt daher als Spielort.

Parken-Stadion in Kopenhagen (Dänemark):

  • Kapazität: 38.065 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale
  • Status: Die dänische Regierung gab bekannt, dass zumindest 12.000 Fans pro Spiel zugelassen sein werden.

Dublin-Arena (Irland):

  • Kapazität: 51.700 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale
  • Status: Der irische Verband gab bekannt, dass er „zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage“ sei, Zusagen für ein Minimum an Zuschauern abzugeben. Ob die geplanten Spiele in Dublin bleiben, ist daher offen.

Hampden Park in Glasgow (Schottland):

  • Kapazität: 51.870 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale
  • Status: Die schottische Regionalregierung hat bereits zugestimmt, bis zu 25 Prozent der Stadionkapazität zuzulassen. Dadurch sollen etwas mehr als 12.000 Fans Eintritt finden.

Puskas Arena in Budapest (Ungarn):

  • Kapazität: 67.200 Plätze
  • Spiele: drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale
  • Status: bisher keine offizielle Stellungnahme