Bundesliga-Logo und Spieler im Hintergrund
GEPA/Patrick Leuk
Fußball

ÖFB und Liga strikt gegen „Super League“

Die österreichischen Fußballfunktionäre haben mit Entsetzen und Verblüffung auf die am Montag präsentierten Pläne einer Superliga reagiert. Während ÖFB-Präsident Leo Windtner den europäischen Fußball in seiner Existenz gefährdet sieht, war Bundesliga-Chef Christian Ebenbauer vor allem vom Zeitpunkt überrascht. Es gäbe aber auch einen positiven Aspekt: „Die Masken wurden fallen gelassen“, sagte der Wiener.

Der Fußballbund und die Bundesliga bekräftigten ihre Ablehnung der „Super League“ am Dienstag auch in einer gemeinsamen Aussendung. „Internationale Bewerbe müssen durch sportliche Qualifikation aus den nationalen Bewerben und Solidarität geprägt sein, anstatt ein quasi geschlossenes System zu implementieren, das nur darauf aufgebaut ist, bestmögliche finanzielle Rahmenbedingungen für einige wenige Auserwählte zu garantieren“, hieß es darin.

ÖFB-Boss Windtner appellierte, dass die geplante Eliteliga unter allen Umständen verhindert werden müsse. „Jetzt geht es wirklich ans Eingemachte, jetzt muss die UEFA ganz klar Flagge zeigen. Es droht der Super-GAU“, sagte der Oberösterreicher der APA. „Es besteht die Gefahr, dass Fußball-Europa auseinanderbrechen könnte und die vielgerühmte Solidarität geopfert wird. Das würde gerade für kleinere Nationen wie Österreich einen historischen Rückschlag bedeuten. Unsere Clubs hätten nie wieder die Chance, die obersten Sphären zu erklimmen.“

Grafik zeigt Daten zur Reform der Champions League
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: UEFA

Für Ligaboss Ebenbauer war vor allem der Zeitpunkt, an dem das Vorhaben veröffentlicht wurde – nämlich wenige Stunden vor der Absegnung einer ohnehin schon sehr umstrittenen Champions-League-Reform, an der einige jener Personen mitwirkten, die plötzlich auf die „Super League“-Seite umschwenkten. „Schon diese Reform hat einiges an Zündstoff. Aber die Super League geht noch um einiges weiter, sie widerspricht sämtlichen im europäischen Sport gültigen Grundsätzen“, meinte Ebenbauer gegenüber der APA mit Hinweis auf die Superliga als gleichsam „geschlossene Gesellschaft“ ohne wirklichen Auf- und Abstieg.

Ligaboss ortet reine Geschäftemacherei

Ein heimischer Club wird wohl nie in die Gefahr geraten, der Millionenversuchung der „Super League“ zu erliegen. „Es ist nicht davon auszugehen, dass ein österreichischer Club eingeladen wird. Aktuell schütteln unsere Vereine aber darüber sowieso nur den Kopf“, so Ebenbauer.

Ebenbauer hat aber große Zweifel daran, ob die neue europäische Eliteklasse auch wirklich kommen wird. Was den sportlichen Wert betrifft, fühlt sich der Ligavorstand nach eigenen Angaben an die „Harlem Globetrotters“ oder einen Showbewerb erinnert. Zudem sinken die Imagewerte der betreffenden Vereine in den Keller. „Der Schaden, den sich diese weltweit bekannten Marken innerhalb eines Tages zugefügt haben, ist enorm. Ich weiß nicht, ob sie das durchhalten.“

Nationalteams droht Aderlass der Spieler

Doch nicht nur die heimischen Vereine, auch die Nationalteams könnten Verlierer der Superliga sein. Zum einen, weil bei den betreffenden Topclubs engagierte Spieler möglicherweise nicht in ihren Landesauswahlen eingesetzt werden dürfen, zum anderen, weil es generell einen Bedeutungsverlust für Nationalmannschaften geben würde, sollten die weltbesten Kicker nicht mehr im Team spielen.

Christian Ebenbauer (Bundesliga) und Leo Windtner (öFB)
GEPA/Mario Kneisl
Ligachef Ebenbauer und ÖFB-Boss Windtner

Einen ersten Vorgeschmack könnte es schon bei der EM ab Juni geben. Setzt der Europäische Fußballverband (UEFA) seine Drohung um, würde etwa Cristiano Ronaldo (Juventus) fehlen. „Aber man muss alles tun, um eine EM ohne Stars zu vermeiden. Die UEFA hat sicher Mittel, um einen entsprechenden Gegendruck aufzubauen“, sagte Windtner.

Nach derzeitigem Stand wäre nur ein Österreicher ab Sommer bei einem „Super League“-Club engagiert – Valentino Lazaro ist bis Saisonende von Inter Mailand an Borussia Mönchengladbach verliehen. Während viele andere EM-Teilnehmer also im Extremfall ihre Schlüsselspieler verlieren, würde sich der Aderlass im ÖFB-Team in Grenzen halten. „Es ist richtig, dass es ein Vorteil für uns sein könnte. Aber wenn jetzt alle mit egozentrischen Szenarien starten, bricht dieses homogene Gefüge endgültig total auseinander“, betonte Windtner.

Windtner hofft auf Rücknahme der Pläne

Der Verbandschef hofft inständig auf eine Rücknahme der Pläne. Sollte das nicht passieren, drohe eine düstere Zukunft. „Wenn der Schritt zur ‚Super League‘ getan wird, wird in den nächsten Jahren ein Heer von Topadvokaten eine Beschäftigung finden und der endgültige Schritt in den Turbokapitalismus im europäischen Fußball gesetzt“, erklärte Windtner und ergänzte: „Es ist klar erkennbar, wer sich bei der ‚Super League‘ in die Reihe stellt – finanziell angeschlagene Clubs oder Clubs mit internationalen Eigentümern.“

Laut Ebenbauer wird nun viel von der weiteren Vorgehensweise von UEFA und dem Internationalen Fußballverband (FIFA) abhängen. „Jetzt müssen alle Flagge zeigen. Entweder gibt es eine sofortige Rücknahme der ‚Super League‘-Ankündigung, oder die Dachverbände und hoffentlich auch die Ligen werden rechtliche Schritte ergreifen“, sagte der Bundesliga-Vorstand.