Thomas Schaffer im Trikot von Stanford Cardinal
AP/Icon Sportswire/Jeff Halstead
NFL

Schaffer und Bears als „perfekte“ Combo

Thomas Schaffer ist einer von gleich drei Österreichern, die sich heuer Hoffnungen auf einen Einsatz in der National Football League (NFL) machen dürfen. Der 24-jährige Wiener wurde unmittelbar nach dem Draft vergangene Woche von den Chicago Bears an Bord geholt. Der Defensive-Lineman lässt auch keinen Zweifel daran, dass er mit Einsätzen für die Bears österreichische Football-Geschichte schreiben wird. Denn gerade seine Spielanlage sei für das in Chicago praktizierte System „perfekt“.

Das Team aus Chicago, das neben den früher ebenfalls in Chicago, aber mittlerweile in Arizona beheimateten Cardinals einzige noch immer aktive Gründungsmitglied der NFL holte Schaffer als „Undrafted Free Agent“ an Bord. Anders als Bernhard Seikovits, der ausgerechnet bei Arizona landete, und im Vorjahr Sandro Platzgummer (New York Giants) führte Schaffers Weg nicht direkt aus Österreich und via „International Pathway Program“ in einen erweiterten NFL-Kader. Der 24-Jährige wechselte einst von den Mödling Rangers bereits an eine US-Highschool und spielte sich zuletzt bei der Stanford-Universität ins Blickfeld der NFL-Scouts.

Nun ist Schaffer seinem großen Ziel, NFL-Profi zu werden, ein weiteres Stück näher gerückt. Football sei nun endgültig sein Beruf, meinte der Stanford-Absolvent, und dem werde er ab sofort alles unterordnen. „Ich bin mir sicher, dass ich dort (in Chicago, Anm.) einen Platz erkämpfen werde. Ich habe jetzt ein bisschen weniger als drei Monate noch, um in die beste Form meines Lebens zu kommen. Ich habe das Gefühl, dass ich physisch noch nicht einmal nah an dem bin, wo ich sein kann“, sagte Schaffer.

Trainingscamp als „Heimkehr“

Seinen Platz im Kader des insgesamt neunfachen NFL-Champions aus Chicago will er sich mit Professionalität und der ihm anerzogenen Siegermentalität erkämpfen. „Dann bin ich einer, der es nicht nur dorthin schaffen will, sondern einer, der auch starten will“, sagte der Defensive-End in einem virtuellen Mediengespräch. Schon mit einem Start in einem der drei anstehenden Vorbereitungsspiele würde Schaffer zum ersten Österreicher mit NFL-Einsätzen avancieren, der nicht wie Toni Fritsch, Toni Lienhart und Raimund „Ray“ Wersching auf der Spezialposition des Kickers beheimatet ist.

Im Sommercamp der Bears in Lake Forest wird Schaffer Heimvorteil genießen. Denn in genau jener Kleinstadt nördlich von Chicago hatte der frühere Nachwuchsspieler der Rangers Mödling nach seinem Wechsel in die USA von 2013 bis 2016 die Highschool besucht. Die Trainingsplätze des NFL-Teams waren damals nur „ein Feld und einen Hügel“ entfernt. „Es ist wirklich lustig, dass die Bears die ganze Zeit neben mir waren und ich jetzt dorthin zurückgehe.“ Übertragen auf Österreich meinte Schaffer. „Jetzt bin ich wieder im selben kleinen Waldviertel.“ Am 12. Mai schon fliegt er für ein „Minicamp“ mit Medizincheck ein, eventuell bezieht er gleich bis zum Auswahlcamp Mitte/Ende Juli dort Station.

Training der Chicago Bears in Lake Forest (US-Bundesstaat Illinois)
AP/Nam Y. Huh
Das Trainingscamp der Chicago Bears findet nicht weit von Schaffers alter Highschool statt

„Haben sich in mich verliebt“

Beim Draft 2021 gehörte der Paradeathlet zwar nicht zu den 259 Auserwählten. Doch noch während die Wahl der vermeintlich besten College-Spieler am Laufen war, deponierte Chicago sein Angebot am freien Markt. In der sechsten von sieben Runden kam ein Anruf, erzählte Schaffer und berichtete vom Gespräch mit den Chicago-Verantwortlichen: „Sie haben mir geradeheraus gesagt: Ich bin der Nummer-eins-Typ für sie. Die Bears haben sich in mich verliebt. Sie haben gewusst, dass sie mich billig – also ungedrafted – kriegen können“, sagte der gebürtige Wiener.

Österreich muss damit zwar weiter auf seinen ersten Spieler mit Draft-Siegel warten. Dass er es nicht in die ‚Verlosung‘ geschafft hat, stört Schaffer laut eigenem Bekunden aber nicht. Zumal man das „richtige Geld“ beim zweiten Vertrag verdiene. „Jetzt muss ich der ganzen NFL beweisen, dass sie einen großen Fehler gemacht haben.“ Der 2,01 Meter große und 137 Kilogramm schwere Schaffer sieht sich als Prototyp für das Bears-Spiel. „Das System ist genau dasselbe, das wir in Stanford spielen. Ich bin athletisch und lang. Das ist perfekt für dieses System“, so der 24-Jährige.

Einmarsch der Chicago Bears im Soldier-Field-Stadion (Chicago) unter Rauch und Flammen
AP/Charles Rex Arbogast
Schaffer sieht sich bereits bei Heimspielen der Bears in einem ausverkauften Soldier Field einlaufen

Das bestätigt auch Österreichs Teamchef Maximilian Sommer. „Thomas bringt alles mit, was ein NFL-Spieler auf seiner Position braucht. 201 cm Körpergröße und 137 kg Kampfgewicht kann man niemandem beibringen“, meint der Nationaltrainer. Schaffer bringe auch das mentale Rüstzeug mit, um zu bestehen. „Verlässlich, intelligent, starker Wille und auf einer Mission. Diese Tugenden findest du selten und schon gar nicht in der zweiten Reihe deines Kaders, wo ich Thomas aktuell sehe in der NFL“, sagte Sommer.

Packers-Faible liegt ad acta

Sollte es Schaffer tatsächlich in den endgültigen, üblicherweise 53 Mann starken Kader der Bears schaffen, darf er sich in der North Division der National Football Conference (NFC) zweimal im Jahr mit seinem Lieblingsclub messen. Denn der 24-Jährige drückte bisher den Green Bay Packers die Daumen – ausgerechnet dem Erzrivalen der Bears. Sein Faible für das Team aus Wisconsin ist aber seit der Vertragsunterzeichnung in Chicago zu Ende. „Ich bin jetzt eben ein früherer Packers-Fan, so funktioniert das“, erklärte Schaffer, der nach seiner langen Zeit in Nordamerika mittlerweile sprachlich etwas an seinen berühmten Landsmann Arnold Schwarzenegger erinnert.

Vergleiche mit Arnie kämen vor, so Schaffer, in puncto Selbstvertrauen fehlt auf den Terminator sowieso nicht viel. Dass er in naher Zukunft seinem ehemaligen Lieblingsclub das Fürchten lehrt, davon ist der Wiener jedenfalls überzeugt. „Ich freue mich schon darauf, gegen (Packers-Quarterback und Liga-MVP, Anm.) Aaron Rodgers zu spielen“, sagte Schaffer. Detail am Rande: Dazu könnte es möglicherweise trotzdem nicht kommen, denn ob der wertvollste Spieler der Liga Rodgers heuer wieder für Green Bay spielt, steht aufgrund von schweren Differenzen mit dem Management in den Sternen.