F1-Strecke in Monaco
Reuters/Gonzalo Fuentes
Formel 1

Fadesse bedroht Monte Carlos Kult

Im Vorjahr machte die Coronavirus-Pandemie dem Grand Prix von Monaco den Garaus, heuer steht das prestigeträchtigste Rennen der Saison am Sonntag (15.00 Uhr) wieder auf dem Programm. Nirgendwo sonst ist bereits das Qualifying (Samstag, 15.00 Uhr) für den Ausgang des Rennens so entscheidend wie auf dem engen Stadtkurs in Monte Carlo. Doch die daraus resultierende Fadesse ist die größte Bedrohung für Monacos Kult.

An der Faszination des Rennens im Fürstentum hat die einjährige Pause jedenfalls nichts geändert. „Es ist der beste Austragungsort. Es ist der schönste Platz, an dem wir Rennen fahren. Was du an dem gesamten Wochenende erlebst, ist faszinierend“, sagte etwa WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, der sich in den Freien Trainings am Donnerstag noch zurückgehalten hatte.

Für die Fahrer bedeuten die 78 Runden auf dem nur 3,337 Kilometer langen Kurs mit legendären Abschnitten wie Tunnel, Swimming Pool und Rascasse erhöhten Stress. 50 Schaltvorgänge sind auf einer Runde Standard, dazu rast man mit einem Topspeed von immer noch rund 290 km/h nur um Zentimeter an den Leitplanken vorbei. Jeder noch so kleine Fehler wirkt sich in Monte Carlo doppelt aus.

Heimsieg für Hoffnungsträger Leclerc möglich

Ferrari-Pilot Charles Leclerc fuhr im Training vor dem Grand Prix von Monaco Bestzeit. Er darf nun auf einen Sieg bei seinem Heimrennen hoffen. Es wäre der erste Triumph seines Teams seit über eineinhalb Jahren.

„Nie aufregend für die Fans“

Doch weil sich die Strecke im Laufe der Jahre kaum geändert hat, die Autos aber vor allem viel breiter geworden sind, ist das Überholen vor, in und nach den 19 Kurven kaum mehr möglich. „Du weißt vorher, dass es nie aufregend für die Fans sein wird“, ist sich auch Hamilton der Problematik bewusst: „Das geht seit Jahren so, und ich bin der Meinung, man muss das ändern.“ Wie diese Lösung ausschauen könnte, weiß aber auch der siebenfache Weltmeister nicht. Eine Verbreiterung der Strecke ist nur schwer möglich. „Aber ich hoffe, dass es aufregender für die Leute wird bei kommenden Generationen“, sagte Hamilton.

Die Vorentscheidung über den Sieg beim Rennen fällt meist schon in der Qualifikation am Samstag. In acht der vergangenen elf Rennen im Fürstentum gewann der Pilot mit der Pole auch das Rennen. Nur einmal in dem Zeitraum fuhr der spätere Sieger Nico Rosberg nicht aus der ersten Reihe, sondern als Dritter direkt dahinter los (2015). Hinzu kommt, dass auch die Strategie zumeist auf einen Einstopper mit nur einem Reifenwechsel hinausläuft. Das schränkt auch die taktischen Möglichkeiten noch einmal deutlich ein.

Rennen 2019
Reuters/Gonzalo Fuentes
Nirgendwo ist die Startaufstellung so von Bedeutung wie zwischen den Leitplanken von Monte Carlo

Spannung kommt oft nur auf, wenn sich ein Fahrer einen Fehler leistet. Diese werden auf dem engen Kurs nicht selten mit dem vorzeitigen Aus bestraft. Eine Erfahrung, die auch Neuling Mick Schumacher an seinem ersten Trainingstag in Monte Carlo in einem Formel-1-Auto machen musste. „Jetzt kenne ich das Limit und weiß, wie weit ich gehen kann“, sagte der 23-jährige Deutsche, nachdem er am Donnerstag mit seinem Haas die Leitplanken so touchiert hatte, dass er seinen Wagen letztlich abstellen musste.

Hoffen auf Heimsieg

Immerhin wurde in den Freien Trainings die Hoffnung auf einen monegassischen Heimsieg genährt. Charles Leclerc erzielte in seinem Ferrari in der zweiten Session am Donnerstag vor seinem spanischen Teamkollegen Carlos Sainz die schnellste Zeit des Tages und brachte sich damit um den ersten Startplatz ins Spiel. „Sie sind wirklich stark, es ist überraschend, dass sie sich so verbessert haben. Es ist aber auch großartig“, hat auch Hamilton die „Scuderia“ auf dem Zettel.

Leclerc deutete mit seiner Bestzeit nicht nur ein weiteres Mal die Aufwärtstendenz von Ferrari an. Er zeigte damit auch eine starke Reaktion auf sein Pech im ersten Training, das für ihn schon nach acht Minuten zu Ende gegangen war. Ein Getriebeschaden hatte ihn wertvolle Vorbereitungszeit gekostet. Dennoch blieb der Monegasse in Sachen erster Heimsieg in Monte Carlo vorsichtig: „Es schaut gut aus, aber auch ein bisschen zu gut, um wahr zu sein.“