Fußball-EM

ÖFB-Team feiert historischen Sieg

Die österreichische Nationalmannschaft hat am Sonntag den ersten Sieg bei einer Fußball-EM eingefahren. Die Mannschaft von Teamchef Franco Foda gewann ihr Auftaktspiel gegen Nordmazedonien in Bukarest mit 3:1 (1:1) – trotz eines Pannentreffers, der zwischenzeitlich den Ausgleich bedeutete. Nun stehen die Chancen gut, dass Österreich bei der dritten EM-Teilnahme erstmals an einer K.-o.-Phase teilnehmen wird.

Die Leistung beim ersten ÖFB-Sieg in einer Endrunde seit 31 Jahren (2:1 gegen die USA, WM 1990) war nicht herausragend, der Erfolg aber verdient und erfüllte die Erwartungen. Foda und David Alaba sprangen bei der Positionierung des künftigen Legionärs von Real Madrid jeweils über den eigenen Schatten, und das Team lieferte am Ende ab.

Stefan Lainer erzielte die Führung nach schönem Assist von Marcel Sabitzer (18.), doch die Abwehr um EM-Debütant Daniel Bachmann patzte vor Goran Pandevs Ausgleich (28.). Im Finish entschieden die Österreicher mit Geduld und Leidenschaft durch „Joker“-Tore von Michael Gregoritsch (78.) und Marko Arnautovic (89.) die Partie.

Arnautovic mit dem 3:1 (90. Minute)

Marko Arnautovic zeigt seine Klasse und macht den Sack zu.

Im zweiten Spiel der Gruppe C feierten die Niederlande einen 3:2-Sieg gegen die Ukraine in Amsterdam. Dort gastiert das ÖFB-Team nun als Tabellenführer am Donnerstag (21.00 Uhr, live in ORF1), ehe man für die abschließende Partie (21. Juni, 18.00 Uhr, live in ORF1) nach Bukarest zurückkehrt und auf die Ukraine trifft.

Dunkle Wolken, aber gute Stimmung

Nach einem verregneten Samstag, an dem ein Wolkenbruch Österreich das Abschlusstraining in der National Arena vermiest hatte, zogen nach weiteren Schauern am Sonntag vor Spielbeginn dunkle Wolken auf. Das trübte allerdings die Stimmung der 13.000 Zuschauer im Osten von Bukarest nicht. Vor allem jene der nordmazedonischen Fans, die sich letztlich wohl auch aufgrund der geografischen Nähe in Überzahl befanden. Zudem gab die Nummer 62 der Welt ihr Endrundendebüt.

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ÖFB-fan mit Andreas-Goldberger-Fanschal
AP/Vadim Ghirda
Sie waren in Unterzahl, aber am Ende am lautesten: die österreichischen Fans in Bukarest
Marcel Sabitzer (ÖFB) gegen Darko Velkovski (MKD)
Reuters/Daniel Mihailescu
Marcel Sabitzer riss die Partie an sich und legte auch das Tor von Stefan Lainer sehenswert auf
Tor von Stefan Lainer (ÖFB)
Reuters/Mihai Barbu
Der eingesprungene Lainer: Der Rechtsverteidiger krönte seine Glanzleistung und traf wieder gegen Nordmazedonien
Torschuss von Sasa Kalajdzic (ÖFB)
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EM-Debütant Sasa Kalajdzic war bemüht, aber am Ende glücklos – der Stürmer vergab zwei gute Chancen
Goran Pandev (MKD) jubelt nach seinem Tor, Daniel Bachmann und Martin HInteregger sowie David Alaba (alle ÖFB) reagieren enttäuscht
Reuters/Daniel Mihailescu
Der Altstar traf bei der ersten Endrunde Nordmazedoniens, Goran Pandev, aber unter gehöriger Mithilfe der ÖFB-Abwehr
Aleksandar Trajkovski (ÖFB) hält sich vor Schmerzen nach einem Foul die Hand vor sein Gesicht
APA/AFP/Daniel Mihailescu
Dragovic und die EM bleiben keine Liebesbeziehung: Ein Cut unter dem Auge bedeutete einen Wechsel zur Pause
David Alaba gegen Aleksandar Trajkovski (ÖFB)
Reuters/Daniel Mihailescu
David Alaba stellte sich als Innenverteidiger in den Dienst der Mannschaft – und legte auch noch ein Tor auf
Parade von Nordmazedoniens Goalie Stole Dimitrievski
Reuters/Marko Djurica
Da hielt Goalie Dimitrievski die Nordmazedonier mit einer Parade nach Gregoritsch-Kopfball noch im Spiel
Ballannahme via Ferse von Marko Arnautovic (ÖFB)
Reuters/Mihai Barbu
Er kam, sah und traf: Arnautovic erzielte sein 27. Länderspieltor und ist in der Ewigen Tabelle nun schon Sechster
Michael Gregoritsch erzielt das 2:1 für Österreich
Reuters/Marko Djurica
Gregoritsch setzte sich im Zweikampf mit dem Goalie durch und erzielte damit die Vorentscheidung
ÖFB-Torschütze Michael Gregoritsch zum 2:1 hält ein T-Shirt mit der Aufschrift „ERIKSEN STAY STRONG“ in die Kamera
Reuters/Marko Djurica
Ein Team, eine Botschaft: Erst Lainer, dann Gregoritsch wünschten Dänen-Star Eriksen alles Gute
Jubel von Marko Arnautovic (ÖFB)
Reuters/Daniel Mihailescu
Das letzte Wort gehört Marko Arnautovic

Am Tag nach dem schrecklichen Vorfall um den dänischen Star Christian Eriksen ließ die UEFA eine Botschaft mit „Best Wishes Christian“ einblenden, die beide Fanabordnungen mit Klatschen würdigten. Mit einer kleinen Zeremonie wurde das erste Spiel in der Gruppe C eingeläutet, ehe die Hymnen ertönten. Bei jener von Österreich schepperten die Handys im Stadion, eine Unwetterwarnung wurde versandt. Aber der Regen war nicht so schlimm wie am Vortag, es konnte nach langem Warten auf diese EM endlich losgehen.

Arnautovic auf der Bank, Alaba in Dreierkette

Außer für Arnautovic, denn der musste wie erwartet zunächst auf der Bank Platz nehmen. Sasa Kalajdzic stürmte auch im sechsten ÖFB-Spiel in Folge von Beginn an. Das war keine Überraschung nach der erst kürzlich überstandenen Muskelverletzung des China-Legionärs. Deutlich überraschender war Alabas Position als zentraler Bestandteil einer Dreierkette. Denn auch wenn er bei den Bayern immer wieder als Innenverteidiger spielte, kam das bisher im Team nie infrage.

Fodas ungewohnter Mut zur Veränderung in der Startelf kam bei den Fans gut an, Alaba hatte das Spiel vor sich, und Österreich startete mit viel Ballbesitz. Aber wie zuletzt hatte man das Gefühl, dass im letzten Drittel die Ideen ausgingen. Nordmazedonien agierte im erwarteten 5-3-2 und lauerte auf Umschaltmomente.

Lainer bringt Österreich in Führung

Marcel Sabitzer, der überall auf dem Platz zu finden war, leitete die erste Chance ein, Kalajdzics Kopfball war aber zu harmlos. Österreich blieb weiter am Drücker, auch weil Sabitzer die Aktionen zunehmend an sich riss. Letztlich sollte sein Geniestreich zur Führung führen.

Nach einem Zuspiel von Andreas Ulmer flankte der Leipzig-Kapitän von links scharf in den Sechzehner zu Lainer, der frei und eingesprungen ins linke Eck zur verdienten Führung traf (18.). Nach 334 Minuten wurde Österreichs Torsperre durch einen Rechtsverteidiger gebrochen, noch schöner als der Treffer war die folgende Geste, ein „Stay strong Eriksen“-Shirt zeigte der Mönchengladbacher in die Kamera.

Führungstreffer für Österreich (18. Minute)

Lainer bringt Österreich nach einer durchwachsenen ersten Viertelstunde in Führung.

Es war das dritte Tor Österreichs bei einer Endrunde, das erste bei einem Auftaktspiel. Alles lief für Österreich nach Plan, und es hätte noch besser kommen können, wenn Kalajdzic nach einer Hereingabe von Sabitzer verwertet hätte. Aber der Stuttgart-Stürmer scheiterte am Fünfer an Nordmazedonien-Goalie Stole Dimitrievski (22.).

Pannentor bringt Nordmazedonien zurück

Nordmazedonien agierte bis zu diesem Zeitpunkt offensiv unauffällig, Österreich half aber in der 28. Minute entscheidend mit, das zu ändern. Ezgjan Alioski brachte den Ball auf Verdacht von links in die Mitte, Martin Hinteregger schoss Sabitzer vor sich an, und das Unheil nahm seinen Lauf. Bachmann kam aus dem Tor, weil Alaba nicht mehr an den Ball kam. Aleksandar Trajkovski behinderte den Watford-Goalie in seinem dritten Länderspiel, das Leder kam frei. Der 37-jährige Pandev stand goldrichtig und schob zum Ausgleich ein. Wer, wenn nicht die Legende erzielte das erste Tor Nordmazedoniens bei einer Endrunde.

Pandev gleicht aus (28. Minute)

Durch einen groben Fehler der österreichischen Hintermannschaft kam Nordmazedonien zum Ausgleich durch Goran Pandev.

Es war ein Weckruf für die Fans im Stadion, die sich nach der Führung für Österreich zurückhielten. Nun gab es für den „Oldie“ naturgemäß Sprechchöre. Ältester EM-Torschütze blieb aber Ivica Vastic, der 2008 als 38-Jähriger getroffen hatte. Geändert hatte sich aber nun dieses Spiel, denn Nordmazedonien kam Österreich auch im Ballbesitz näher. Gute Chancen gab es auf beiden Seiten vor der Pause aber nicht mehr.

Dragovic bleibt Pechvogel

Nicht weiter ging es in der zweiten Hälfte für Aleksandar Dragovic, der sich nach einem erlittenen Ellbogencheck verletzte und ausgetauscht werden musste. Die EM und der Innenverteidiger sind eine schwierige Beziehung, wurde er doch 2016 beim Auftakt ausgeschlossen und verschoss im dritten Spiel einen Elfmeter. Für ihn kam Philipp Lienhart.

Nach der Pause hatte zunächst Nordmazedonien etwas Oberwasser, aber auch wenn Bachmann nicht immer sattelfest wirkte, war er in der zweiten Hälfte stets da, wenn es brenzlig wurde. Das wurde es sehr selten.

„Immer wieder Österreich“ hallte erstmals durch das Stadion, ein Beleg für die Zufriedenheit der rund 2.000 ÖFB-Fans mit dem Gezeigten. Österreich kam mit Fortgang der zweiten Hälfte mehr und mehr auf.

„Joker“-Tore von Gregoritsch und Arnautovic

Auch dank Arnautovic und Gregoritsch, die nach rund einer Stunde für die glücklosen Kalajdzic und Christoph Baumgartner kamen. Die EM-Debütanten waren bemüht, aber vorne war viel auf Zufall aufgebaut. Der Druck wurde nun größer, von Gregoritschs Hinterkopf landete der Ball Richtung Tor, aber Dimitrievski machte sich lang genug (64.).

Österreich blieb dran, musste aber nach unnötigen Ballverlusten im vorderen Drittel immer wieder in der Restverteidigung aufpassen. Die Verteidigung um den überragenden Abwehrchef Alaba ließ nichts zu.

In der Offensive hatte man die Geduld und wurde schließlich belohnt. Alaba, der sich zu diesem Zeitpunkt wieder vermehrt nach vorne orientierte, kam über die linke Seite und bediente sehenswert Gregoritsch, der im Duell mit Dimitrievski am Fünfer nicht zurückzog und traf. „I bin do“, richtete der Steirer seinen Zweiflern aus und hielt wie zuvor bereits Lainer ebenfalls das Eriksen-Shirt in die Kamera (78.).

Österreichs Fans feierten schon, aber Arnautovic setzte den Schlusspunkt. Nach einer feinen Laimer-Weitergabe umkurvte der „Joker“ Dimitrievski und erzielte das dritte EM-Tor Österreichs, das waren letztlich mehr als in der bisherigen heimischen EM-Geschichte. „Oh wie ist das schön“ – auch die Fans hatten am Ende ihren Schlusspunkt gesetzt, weil ihr Team in Bukarest abgeliefert hat.

EM 2021, Gruppe C, erster Spieltag

Sonntag:

Österreich – Nordmazedonien 3:1 (1:1)

Bukarest, Arena Nationala, 13.000 Zuschauer, SR Ekberg (SWE)

Torfolge:
1:0 Lainer (18.)
1:1 Pandev (28.)
2:1 Gregoritsch (78.)
3:1 Arnautovic (89.)

Österreich: Bachmann – Dragovic (46./Lienhart), Alaba, Hinteregger – Lainer, Laimer (93./Baumgartlinger), Sabitzer, X. Schlager (94./Ilsanker), Ulmer – Kalajdzic (59./Arnautovic), Baumgartner (58./Gregoritsch)

Nordmazedonien: Dimitrievski – S. Ristovski, D. Velkovski, Musliu (86./M. Ristovski) – Nikolov (63./Bejtulai), Bardhi (82./Trickovski), Ademi, Elmas, Alioski – Pandev, Trajkovski (63./Kostadinov)

Gelbe Karten: Lainer bzw. Trajkovski, Alioski