Hans Krankl mit FC Barcelona 1981
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Fußball

Demir auf den Spuren von „Goleador“ Krankl

Bis Ende Mai hatte Österreich keinen Fußballlegionär in der höchsten Liga Spaniens, nun jeweils einen bei den bekanntesten Adressen im Weltfußball: Real Madrid und FC Barcelona. Nachdem ÖFB-Star David Alaba bei Real für fünf Jahre unterschrieben hat, darf sich der 18-jährige Yusuf Demir zumindest ein Jahr bei Barcelona versuchen und begibt sich damit auch auf die Spuren des bisher einzigen ÖFB-Legionärs bei Barca: Hans Krankl.

Der 68-Jährige war als gestandener Spieler nach der WM 1978 – Stichworte Cordoba und „Goldener Schuh“ – zu Barca gewechselt und gewann mit dem katalanischen Topclub gleich den Europacup der Cupsieger, beim 4:3 n. V. im Finale gegen Fortuna Düsseldorf erzielte der Stürmer damals auch ein Tor. Im Gedächtnis des Clubs hat sich Krankl aber als Torschützenkönig mit 29 Treffern verankert, was ihm als drittbestem Torjäger Europas den „Bronzenen Schuh“ einbrachte.

Davon kann Demir, der von Rapid für ein Jahr ausgeliehen wurde und 2022 für zehn Millionen Euro gekauft werden kann, nur träumen. Zumal der talentierte Techniker zunächst für die zweite Mannschaft in der dritten Liga vorgesehen ist. „In der ersten Mannschaft hat er (noch) nichts verloren. Demir fehlt die Erfahrung im Männerfußball, war nicht einmal bei Rapid Stammspieler“, sagte Kolumnist Krankl gegenüber Oe24.at, gratulierte seinem „Nachfolger“ jedoch zum Wechsel.

„Eine tolle Auszeichnung für ihn“

„Barcelona holt nur Spieler, von denen man absolut überzeugt ist – das ist eine tolle Auszeichnung für den Jungen und das Beste, was ihm passieren kann. Er wird dort sehr viel lernen, im taktischen, spielerischen und menschlichen Bereich“, erklärte Krankl, der in insgesamt 59 Spielen für den FC Barcelona 44-mal getroffen hatte. Was ihm auch blieb, war der Spitzname „Goleador“. Im Camp Nou, einer der Kathedralen des Weltfußballs, ist sein Name verewigt.

Hans Krankl
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Hans Krankl freut sich für Yusuf Demir, sieht ihn aber noch nicht bereit für die erste Mannschaft

Bisher sind 16 ÖFB-Legionäre in der höchsten spanischen Liga zu Einsätzen gekommen. Toni Polster, der für FC Sevilla, CD Logrones und Rayo Vallecano auf 171 Spiele gekommen war, hält diesbezüglich den ÖFB-Rekord. Alaba wird nun der erste Österreicher sein, der für Real ein Ligaspiel bestreiten wird, Philipp Lienhart gelang das nur im Cup. Demir könnte der zweite nach Krankl bei den „Blaugrana“ sein.

Trainingsstart bei Profis

Demir startet sein Abenteuer am Samstag mit medizinischen Tests. Am Montag bittet Trainer Ronald Koeman dann zur ersten Trainingseinheit, die Demir laut Clubangaben mit der ersten Mannschaft absolvieren wird. Weil einige Stammkräfte für den Vorbereitungsstart noch nicht zur Verfügung stehen, erhalten Demir und neun weitere Akteure, die für das B-Team vorgesehen sind, ihre Chance. Von den Stars sind u. a. Marc-Andre ter Stegen, Gerard Pique oder Jungstar Ansu Fati dabei.

Barcas zweite Mannschaft ist in der dritten spanischen Liga engagiert. Trainer ist Ex-Verteidiger Sergi. Die Talentschmiede hat bereits einige große Namen hervorgebracht. Offen ist die Zukunft des größten aller Barca-Stars. Der Vertrag von Lionel Messi, dem großen Vorbild von Demir, ist ausgelaufen. Ob Demir in naher Zukunft vom sechsmaligen Weltfußballer lernen kann, werden erst die kommenden Wochen zeigen.

Aufstieg als „österreichischer Messi“

Demir, ob seiner Körpergröße (beide trennen drei Zentimeter), aber noch vielmehr wegen seiner Ballführung als „österreichischer Messi“ tituliert, muss sich in einer Saison beweisen, damit Barcelona die Kaufoption für zehn Millionen Euro zieht. Bei Rapid kam der Linksfuß in der Saison 2020/21 vorwiegend als „Joker“ zum Einsatz, machte aber auch mit teilweise sehenswerten Toren auf sich aufmerksam. Weniger mit Worten, denn Interviews sind bisher (noch) nicht seine Sache.

Yusuf Demir (Rapid)
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Bei Rapid glänzte Demir oft als „Joker“, nun versucht das Toptalent sein Glück beim großen FC Barcelona

Der Spielmacher gilt schon seit Jahren als eines der größten Talente seiner Altersklasse. Damit er seine Klasse früher oder später auch im A-Nationalteam ausspielen kann, kam er in der WM-Qualifikation gegen die Färöer (3:1) im März zu seinem Debüt. Sollte er in den nächsten drei Jahren nicht noch einmal im A-Team spielen, könnte er gemäß FIFA-Regularien noch einmal den Verband wechseln, aufgrund seiner Wurzeln wäre er auch für die Türkei ein Thema. Das Ausnahmetalent hat allerdings fast alle ÖFB-Nachwuchsauswahlen durchlaufen, zuletzt war er auch im U21-Team aktiv gewesen und fühlt sich sichtlich wohl.

Sein Debüt bei den Rapid-Profis hatte Demir am 14. Dezember 2019 gegen die Admira (3:0) gegeben – mit 16 Jahren, sechs Monaten und zwölf Tagen als jüngster Rapid-Spieler, der seit Gründung der Bundesliga zum Einsatz kam. Demir hatte sich den Hütteldorfern nach Anfängen bei der Vienna 2013 im Alter von zehn Jahren angeschlossen. Tore hat der 18-Jährige bereits in der Bundesliga, im ÖFB-Cup, in der Champions-League-Qualifikation und in der Europa League erzielt. Nun hofft er, in der kommenden Saison nicht nur für Barcelona B zu treffen.