Novak Djokovic
AP/Kirsty Wigglesworth
Tennis

Djokovic greift nach 20. Grand-Slam-Titel

Ein Sieg fehlt ihm noch. Dann steht Novak Djokovic mit 20 Grand-Slam-Titeln auf einer Stufe mit Roger Federer und Rafael Nadal. „Das würde mir alles bedeuten“, sagte der Weltranglistenerste, der nur den ersten Satz in seinen sechs Matches auf dem Weg ins Wimbledon-Endspiel am Sonntag abgegeben hat.

Nicht nur aufgrund seiner Erfahrung ist er der große Favorit gegen den ersten Einzel-Finalisten aus Italien in Wimbledon überhaupt, den 25-jährigen Matteo Berrettini. Wie eigentlich immer, wenn einer der „Big three“ in einem Grand-Slam-Finale steht, kann Geschichte geschrieben werden.

Denn Djokovic könnte nicht nur mit Nadal und Federer gleichziehen. Er hat ja dieses Jahr noch Größeres vor: Siegt er auch auf dem „heiligen Rasen“, es wäre sein insgesamt sechster Triumph in Wimbledon, dann könnte er als erster Spieler seit Rod Laver (1962 und 1969) den „richtigen“ Grand Slam schaffen. Nämlich alle vier Majors im selben Kalenderjahr zu gewinnen.

Novak Djokovic
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„Es steht Geschichte auf dem Spiel“, so Djokovic vor dem Finale

Zudem will er auch bei Olympia Einzel-Gold holen: den „Golden Slam“ (also eben der Grand Slam mit Olympiagold) – den hat bisher nur die Deutsche Steffi Graf 1988 geschafft. Graf beendete ihre Karriere mit 22 Major-Titeln, Serena Williams hält immer noch bei 23, und den Allzeitrekord hat Margaret Court mit 24 inne. In der aktuellen Form und als Jüngster der „Big three“ mit 34 Jahren sind auch diese Zahlen für Djokovic keine Utopie.

„Es steht Geschichte auf dem Spiel“

Die Sympathien am Sonntag könnten aus Sicht des fünfmaligen Wimbledon-Siegers dem Außenseiter Berrettini gehören. „Aber hoffentlich können die Leute auch die Bedeutung dieses Matches für mich anerkennen. Es steht Geschichte auf dem Spiel“, sagte Djokovic.

Die bisherigen zwei Auseinandersetzungen mit dem Weltranglistenneunten hat Djokovic gewonnen: Bei den ATP-Finals in London 2019 gab er nur drei Games ab, und vor wenigen Wochen im Viertelfinale von Roland Garros hatte der Serbe beim 6:3 6:2 6:7 (5/7) 7:5 mehr Mühe. „Es wird eine tolle Schlacht. Im Finale kann alles passieren. Berrettini hat auf Rasen viele Matches gewonnen, er schlägt stark auf und spielt stark“, sagte Djokovic.

Matteo Berrettini
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Berrettini erreichte in Wimbledon sein erstes Grand-Slam-Finale

Auch wenn der Serbe der haushohe Favorit ist, wird er den Teufel tun und Berrettini in dessen erstem Major-Finale unterschätzen. Dieser ist überhaupt der erste italienische Finalist in einem Grand-Slam-Turnier seit Adriano Panatta, der 1976 die French Open gewann. „Er war wahrscheinlich der größte Name, der an mich geglaubt hat, als ich noch ein Kind war“, sagte Berrettini und schilderte, dass er manchmal Kontakt mit Panatta habe.

Volle Unterstützung

Tennis liege in seinen Genen, die ganze Familie bis zu seinen Großeltern spiele es. „Es bedeutet mir alles“, so Berrettini darüber, dass seine Eltern, sein Bruder und einer seiner besten Freunde ihn auf dem Centre-Court anfeuern.

Das Herren-Finale wartet zudem mit einer Premiere auf. Zum allerersten Mal seit Bestehen des Turniers leitet das Match eine Frau. Die 43-jährige Kroatin Marija Cicak wurde als Stuhlschiedsrichterin auserkoren. Cicak kann auf eine langjährige Wimbledon-Erfahrung zurückgreifen. Sie hatte bereits 2014 das Damen-Finale und drei jahre später das Damen-Doppelfinale geleitet. Auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio war sie Referee beim Spiel im Kampf um Gold.

Die kroatische Schiedsrichterin Marija Cicak
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Mit Marija Cicak gibt im Herren-Finale in Wimbledon erstmals eine Frau den Ton an

Historischer Sonntag für Italien

Und nun kommt es in London zum für Italien historischen Sport-Sonntag: Um 15.00 Uhr (MESZ) trifft Berrettini auf den „Djoker“, sechs Stunden später versucht die „Squadra Azzurra“, Gastgeber England im Fußball-EM-Finale im Wembley-Stadion die Heimparty zu verderben.

Wimbledon und Wembley – die sportverrückten Italiener sind aus dem Häuschen. „Kauft euch ein gutes TV-Gerät, wenn ihr noch keines habt, weil es wird ein sehr spezieller Sonntag für uns alle“, sagte Berrettini, der mit dem Titel im Londoner Queen’s Club seine Rasenstärke im Vorfeld bewiesen hatte.

Daumendrücken für die Fußballkollegen

Während Berrettini in seinem ersten Major-Endspiel gegen Djokovic in dessen bereits 30. (!) klarer Außenseiter ist, ist die Ausgangslage für das Fußballfinale eine weit engere. „Wir haben uns nicht für die WM 2018 qualifiziert. Aber den Job, den sie seither gemacht haben, wie hart sie gearbeitet haben – sie haben sich dieses Finale wirklich verdient“, sagte Berrettini über die Truppe von Roberto Mancini.

Doch obwohl auch Berrettini vom Fußballfieber erfasst ist, wird er sich ganz auf sein Ziel, als erster Italiener in Wimbledon zu triumphieren, konzentrieren.

All England Championships Wimbledon

(Großbritannien, 17.066.000 Pfund, Rasen)

Herren-Einzel

Finale:
Novak Djokovic (SRB/1) Matteo Berrettini (ITA/7) 6:7 (4/7) 6:4 6:4 6:3
Halbfinale:
Novak Djokovic (SRB/1) Denis Shapovalov (CAN/10) 7:6 (7/3) 7:5 7:5
Matteo Berrettini (ITA/7) Hubert Hurkacz (POL/14) 6:3 6:0 6:7 (3/7) 6:4
Viertelfinal-Tableau:
Novak Djokovic (SRB/1) Marton Fucsovics (HUN) 6:3 6:4 6:4
Denis Shapovalov (CAN/10) Karen Chatschanow (RUS/25) 6:4 3:6 5:7 6:1 6:4
Matteo Berrettini (ITA/7) Felix Auger-Aliassime (CAN/16) 6:3 5:7 7:5 6:3
Hubert Hurkacz (POL/14) Roger Federer (SUI/6) 6:3 7:6 (7/4) 6:0