US-Turnerin Simone Biles
AP/Jeff Roberson
Olympia

Starauflauf trotz prominenter Absagen

Die am Freitag mit der Eröffnungsfeier (12.55 Uhr, live in ORF1) beginnenden Olympischen Spiele in Tokio werden auch trotz besonderer Umstände wieder ein Schaulaufen der Stars. Das Feld der potenziellen Königinnen und Könige der 32. Spiele der Neuzeit ist aber aufgrund der Coronavirus-Pandemie deutlich ausgedünnter als zuvor. Im Tennis hält der Serbe Novak Djokovic als Weltranglistenerster die Fahnen hoch, bei den Damen hebt sich vor allem US-Turnstar Simone Biles ab.

Mit Roger Federer, Rafael Nadal, Matteo Berrettini, Dominic Thiem, Serena Williams, Simona Halep und vielen weiteren hat vor allem der Tennissport – und das aus unterschiedlichsten Gründen – einen Aderlass für das olympische Turnier hinnehmen müssen. Djokovic verkündete hingegen, „sehr stolz zu sein“, für Tokio zu packen, Teil des Nationalteams zu sein und um die strahlendsten Medaillen in den Olympiaarenen zu kämpfen. „Ich werde mein Bestes tun, uns alle glücklich zu machen“, sagte der Serbe.

Djokovic kann heuer einen besonderen Coup schaffen, denn der 34-Jährige greift nach dem „Golden Slam“: dem Gewinn der vier Major-Turniere sowie der Goldenen bei Olympia. Dieser Coup gelang erst einmal, und zwar 1988, als sich die deutsche Tennislegende Steffi Graf zusätzlich zu den Titeln bei den Australian, French und US Open sowie Wimbledon bei Olympia in Seoul die Goldmedaille sicherte. Die Titel in Melbourne, Paris und Wimbledon hat auch Djokovic bereits in der Tasche. Auf dem Hardcourts von Tokio und später New York ist der Weltranglistenerste ebenfalls der logische Favorit.

Der Serbe Novak Djokovic mit dem Wimbledon-Siegerpokal
Reuters/Paul Childs
Djokovic fügte mit dem Sieg in Wimbledon drei von fünf nötigen Puzzlestücken zum „Golden Slam“ zusammen

Bei den Damen könnte sich Biles zur Königin der Spiele krönen. Die 24-jährige Ausnahmeturnerin aus den USA meldete sich nach eineinhalb Jahren Pause im Mai eindrucksvoll zurück und könnte ihren vier Goldmedaillen von Rio de Janeiro 2016 in Tokio weitere hinzufügen. Dass Biles, die bisher 30 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen zu Buche stehen hat, den Rekord der Russin Larisa Latynina von 32mal Edelmetall bricht, gilt für Experten als ausgemachte Sache.

Tour-Sieger Pogacar mit dabei

Im Golf sagte zwar der Weltranglistenzweite Dustin Johnson, der sich schlicht und einfach die Reise ersparen will, für Tokio ab, dennoch lassen sich viele prominente Namen der Szene den Kampf um Olympiagold nicht nehmen. Der in der Rangliste führende Jon Rahm aus Spanien, der Open-Sieger Collin Morikawa und Justin Thomas (beide USA) werden in Tokio aber abschlagen. Im britischen Radteam fand sich kein Platz für Superstar Chris Froome, in die Pedale treten werden aber Größen wie der seit Sonntag zweifache Gewinner der Tour de France Tadej Pogacar aus Slowenien im Straßenrennen und der Niederländer Mathieu van der Poel im Mountainbike.

Die sechsfache Dressur-Olympiasiegerin Isabell Werth fehlt ebenso wenig wie Judoka Teddy Riner. Der französische Schwergewichtler peilt sein drittes Gold en suite an, an WM-Titeln hat er zehn. Das US-Basketballteam muss unterdessen auf LeBron James, Stephen Curry, Anthony Davis und James Harden verzichten. Im brasilianischen Fußballteam hilft Altstar Dani Alves aus, das Turnier wird traditionell mit U23-Spielern plus älteren Verstärkungen gespielt. Spanien wartet mit einem starken Kader auf: EM-Shootingstar Pedri, Dani Ceballos und Marco Asensio sind mit dabei.

Pau Gaso (Spanien) und Kevin Durant (USA)
AP/John Locher
Durant (r. im letzten Test gegen Spanien) soll die USA zur erwarteten Basketballgoldenen führen

Marathon-Starduell fällt aus

In anderen Sportarten müssen hingegen einige prominente Namen freiwillig oder unfreiwillig zuschauen. In der Leichtathletik ist nach einem positiven Test auf Cannabiskonsum US-Sprinterin Sha’Carri Richardson gesperrt. Der äthiopische Laufstar Kenenisa Bekele, dreifacher Olympiasieger über 5.000 und 10.000 m, sagte für den Marathon ab. Damit entfällt das Duell mit dem kenianischen Weltrekordler und Rio-Olympiasieger Eliud Kipchoge. Der vierfache Olympiagoldmedaillengewinner Mo Farah verpasste die Norm über 10.000 m deutlich. Ein Überdrüberstar wie einst Usain Bolt muss in der olympischen Kernsportart erst gefunden werden.

Für Sechsfacholympiasieger Ryan Lochte, der die Spiele 2016 nach einem Skandal um einen erfundenen Überfall verlassen hatte, gibt es keine glorreiche Rückkehr zu den fünf Ringen. Stattdessen flossen Tränen nach der vergebenen Möglichkeit, bei den US-Ausscheidungsrennen ein Ticket zu lösen. Der dreifache Olympiasieger Sun Yang verstieß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen, der Schwimmstar aus China könnte als 32-Jähriger bei den Sommerspielen 2024 in Paris wieder dabei sein.