Eric Martel (Austria) und Taxiarchis Fountas (Rapid)
GEPA/Michael Meindl
Bundesliga

Schlusslicht Austria vor Derby optimistisch

Eine Bilanz von fünf Spielen, null Siegen und dem letzten Tabellenplatz sollte Grund zur Sorge bieten, doch in Favoriten ist dem nicht so. Vor dem 333. Wiener Derby gegen Rapid am Sonntag (17.00 Uhr) in der sechsten Runde der Admiral Bundesliga sprüht man bei der Austria nur so vor Optimismus. Aber auch der Tabellendritte Rapid wollte vor dem Duell in Wien-Favoriten von einer eindeutigen Favoritenrolle nicht sprechen.

„Jetzt packen wir die alte Floskel aus, dass es keinen Favoriten gibt“, sagte Rapids Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic am Freitag. Rapid ist gegen den Erzrivalen vier Ligaspiele ungeschlagen, hat allerdings auch nur eine Partie davon – 3:1 am 1. September 2019 in Favoriten – mit drei Punkten beendet. „Es ist ein Spiel, das wir gewinnen wollen“, sagte Trainer Dietmar Kühbauer vor dem erneuten Gastspiel. Vier Punkte trennen die Clubs in der Tabelle, in der die „Veilchen“ Letzter sind.

Austria-Trainer Manfred Schmid merkt aber ungeachtet dessen „von Woche zu Woche, dass die Zuversicht und das Selbstvertrauen steigen“ und sieht einen Aufwärtstrend. Vor allem auf der Leistung beim 2:2 in Graz wolle man aufbauen. „Es ist kurios“, kommentierte Schmid den Kontrast zwischen Tabellensituation und Leistungen. „Wir haben – und besonders zuletzt gegen Sturm – wirklich gute Leistungen gebracht.“

Vorschau auf das Wiener Derby

Am Sonntag steht zum Abschluss der sechsten Bundesliga-Runde das große Wiener Derby zwischen der Austria und Rapid auf dem Programm.

Kein Austria-Trübsal trotz Tabellensituation

In der Tabelle schlägt sich das bisher jedoch nicht nieder. Der 50-Jährige schätzte die Defensivarbeit seiner Truppe gut ein, bemängelte aber die Chancenverwertung. Sportdirektor Manuel Ortlechner spüre ob der vergangenen Auftritte gar „eine gewisse Grundgelassenheit“, bezeichnete den Blick aufs Tableau aber ebenfalls als „paradox“.

Admiral Bundesliga, 6.Runde

Beginn 17.00 Uhr:

Austria – Rapid

Wien, Generali-Arena

Mögliche Aufstellungen:

Austria: Pentz – Teigl, Mühl, Handl, Suttner – Martel – Fischer, Fitz, Demaku – Pichler, Djuricin

Rapid: Gartler – Stojkovic, Greiml, Hofmann, Ullmann – Petrovic, Ljubicic – Schick, Fountas, Grüll – Kara

Trotz ausbleibender Erfolge bläst man keineswegs Trübsal. Schmid merke „die Zuversicht und das Vertrauen“ seiner Akteure im täglichen Training, „die Spieler glauben an den Erfolg“, so der Wiener. „Was mich positiv stimmt, ist, dass die Mannschaft unbedingt gewinnen wollte – vom Körperlichen und von der Einstellung her“, so Schmid, der sich auf das 2:2 bezog. „Ich habe das Gefühl, da entwickelt sich etwas, die Stimmung ist gut. Von daher habe ich ein richtig gutes Gefühl.“

Was passieren müsse, damit man sich in Zukunft für den Aufwand belohnt: „Diese Konzentration, diesen Fokus, den wir in Graz in der ersten Halbzeit hatten, müssen wir länger halten.“ Effizienz und letztlich Punkte wären die logische Konsequenz. So allerdings geht man wie zuletzt vor vier Jahren als Schlusslicht ins Derby, das damals mit einem 2:2-Remis geendet war. Es war der Startschuss zu einer Serie von acht ungeschlagenen Partien gewesen.

Wiedersehen an der Seitenlinie

Für Schmid ist es das erste Derby als Cheftrainer. Nachdem er als Akteur bei zahlreichen dabei gewesen war, gab er offen zu: „Der Umgang zwischen Didi und mir am Platz war nicht jugendfrei. Trotzdem war immer Respekt dabei, nach dem Schlusspfiff sowieso.“ In seinen 283 Partien für die Violetten habe er, wie auch Kühbauer, alles für seine Farben gegeben. Als Trainer ist der Burgenländer ihm voraus: „Didi hat sich gut entwickelt, hat Riesenerfolge gefeiert. Dafür habe ich großen Respekt.“

Manfred Schmid (Austria) im Duell mit Dietmar Kühbauer (Rapid), 1997
APA/Herbert Pfarrhofer
Schmid und Kühbauer lieferten sich in den 1990er Jahren harte Duelle

Ausdrückliches Lob gab es auch von Kühbauer für sein Trainer-Gegenüber. „Der ‚Schmidi‘ hat eins richtig gemacht, nämlich, dass er vor der Saison den Druck komplett von der Mannschaft genommen hat. Er hat in Wahrheit gesagt, dass sie zwei Jahre hart arbeiten müssen“, erinnerte er. „Aber ich denke, die Mannschaft ist gut. Man sieht, dass sie in den letzten Wochen immer besser gespielt haben. Es wäre von uns nicht das Beste aufgrund der Tabellensituation zu glauben, wir fahren dort hin und haben ein leichtes Spiel. Ich glaube, dass die Mannschaft besser ist, als sie im Moment dasteht.“

Wie Schmid Kühbauer an der Taktiktafel bezwingen möchte, bleibt ein Geheimnis. „Bei Sturm hat das mit den zwei Stürmen und dem System sehr gut gepasst. Das bedeutet aber nicht, dass wir am Sonntag genauso einlaufen.“ Man werde der hohen Qualität der Hütteldorfer im Umschaltspiel mit einem der vielen in dieser Saison praktizierten Systeme begegnen oder dieses je nach Spielverlauf adaptieren.

Kühbauer erwartet „sehr heißes Spiel“

In puncto Spielausrichtung werde Rapid nicht besonders auf die Austria eingehen. „Wir wissen, was wir tun müssen. Das ist das Entscheidende“, sagte Kühbauer. „Wir freuen uns auf das Spiel und hoffen, dass wir am Sonntag die Leistung wie gegen Luhansk (3:2) annähernd bringen können, dann sind die Karten ganz gut“, fügte der 50-Jährige hinzu. „Aber ich weiß ganz genau, dass da noch mehr Energie freigesetzt wird, deswegen wartet ein sehr heißes Spiel.“

Ein Wackelkandidat bleibt ob seiner Schulterverletzung Einsergoalie Richard Strebinger. „Möglicherweise kann es sich ausgehen. Aber es ist, dass der ‚Strebi‘ das Okay geben muss“, so Kühbauer. Ersatz Paul Gartler habe die Sache gegen Luhansk aber sehr gut gemacht.

Für Rapid-Kapitän Maximilian Hofmann sind Derbys etwas ganz Spezielles. „Für mich waren es immer die schönsten Spiele, in ihrem Stadion zu gewinnen. Auf das brennt ein jeder von uns, dass wir dort mit unseren Fans gemeinsam den Sieg feiern können.“ In der vergangenen Saison seien die Lokalduelle vor fast leeren Rängen „schon eher komisch“ gewesen. Diesmal könnte es am Sonntag wieder ein volles Stadion geben.

Nur Abonnenten und Mitglieder erhalten Tickets

Die Betonung liegt allerdings auf könnte. Denn Ärger gibt es im Rapid-Lager deshalb, weil die Austria keine Karten im freien Verkauf, also primär für Grün-Weiß-Fans, sondern nur für Abonnenten anbietet. Geunkt wurde, dass die Violetten mit dieser Strategie die Generali Arena nicht füllen würden.

Aus Rücksicht auf den Vorteil würde der finanziell angeschlagene Gegner sogar den wirtschaftlichen Verlust in Kauf nehmen, hieß es aus Vereinskreisen. Stand Freitagmittag gingen weit über 10.000 Karten über die Ladentheke.

In der Derby-Gesamtbilanz liegt Rapid mit 136 Siegen voran, auf 119 kam die Austria bisher, dazu gab es 77 Remis. Auch die jüngsten beiden Spiele in der Saison 2020/21 (1:1 und 0:0) gingen ohne Sieger zu Ende.