Franco Foda
GEPA/Philipp Brem
WM-Qualifikation

Welche Schrauben Foda anziehen muss

Im ersten Spiel der österreichischen Nationalmannschaft nach der EM-Endrunde war am Mittwoch einiger Rost zu bemerken. Denn spielerisch war der 2:0-Pflichtsieg in der WM-Qualifikation gegen Moldawien keine Offenbarung. Die Ausfälle mehrerer Stammkräfte sowie der laut Teamchef Franco Foda fehlende Rhythmus einiger Akteure wirkten sich negativ auf den Spielfluss aus. Bis zum nächsten Spiel am Samstag in Israel (20.45 Uhr, live in ORF1) hat der Deutsche nicht viel Zeit, um die nötigen Schrauben festzuziehen.

„Wir haben die Pflichtaufgabe erfüllt, obwohl mich das Spiel über 90 Minuten nicht ganz zufriedengestellt hat“, sagte Foda nach dem mühevollen Erfolg am Mittwoch in Chisinau. „Am Samstag erwartet uns ein anderer Gegner.“ Statt der Nummer 175 geht es in Haifa gegen die vom ehemaligen ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner betreute Nummer 81 der Weltrangliste des Internationalen Fußballverbands (FIFA). Österreich ist als 23. im Ranking zwar erneut Favorit, Foda warnte aber vor allem vor Israels Sturmduo Eran Sahavi und Munas Dabbur, die ihr Team am Mittwoch zu einem 4:0 auf den Färöern schossen.

Spitzenreiter Dänemark ist nach einem 2:0 gegen Schottland mit vier Siegen und 16:0 Toren weiter makellos. Der EM-Halbfinalist, der am Samstag auf den zur dänischen Krone gehörenden, aber autonom regierten Färöern gastiert, liegt im Kampf um das Direktticket für die WM 2022 in Katar fünf Punkte vor den ersten Verfolgern Israel und Österreich. „Es hat sich nichts verändert, man konnte von diesen Ergebnissen ausgehen“, meinte Foda. Bei der angestrebten Aufholjagd zählen für das ÖFB-Team aber nur noch Siege.

Steigerung gegen Israel nötig

Das ÖFB-Team ist nach dem 2:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen Moldawien nach Israel weitergereist. Die Ausfälle mehrerer Stammkräfte sowie der laut Teamchef Franco Foda fehlende Rhythmus einiger Akteure wirkten sich negativ auf den Spielfluss aus. Gegen Israel ist jedenfalls eine Steigerung nötig.

Jener in Chisinau fiel verdient, aber glanzlos aus. „Wir waren in gewissen Phasen unkonzentriert, vor allem im letzten Drittel. Wir waren nicht entschlossen genug, das müssen wir im nächsten Spiel besser machen“, forderte Foda. „Wir müssen zielorientierter agieren. Immer wenn wir das Tempo erhöht haben, kamen wir zu klaren Torchancen.“ Die Treffer durch Christoph Baumgartner (45.) und Marko Arnautovic (94.) fielen in beiden Halbzeiten aber jeweils erst spät.

Verletzungssorgen auf vielen Ebenen

Foda führte die verletzungsbedingten Ausfälle von Stefan Lainer, Xaver Schlager, Julian Baumgartlinger, Marcel Sabitzer und Sasa Kalajdzic ins Treffen. „Das war ein Problem. Das zweite Problem war, dass einige Spieler, die gespielt haben, auch keinen Rhythmus in den Vereinen haben.“ Louis Schaub etwa sei eine „Bereicherung“ im Spiel gewesen, meldete eine halbe Stunde vor Schluss aber Wadenprobleme. „Er ist ein sehr, sehr guter Spieler, aber man merkt den Rhythmus. Er kommt in Köln immer nur kurz zum Einsatz.“

Auch die Zentrumsspieler Florian Grillitsch und Konrad Laimer, den zuletzt immer wieder Adduktorenprobleme plagten, sind offensichtlich noch nicht in Vollbesitz ihrer Kräfte. Für das Israel-Spiel wird Foda laut eigener Aussage „die eine oder andere Veränderung vornehmen müssen“. Baumgartner erlitt in Chisinau kurz vor Schluss eine Knöchelverletzung, der Teamchef hofft, keine gravierende. „Er ist umgeknickt. Ich hoffe, dass es da Entwarnung gibt.“

Louis Schaub (AUT) und Alexandr Belousov (MDA)
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Schaub (l.) zeigte in Chisinau eine engagierte Leistung, musste jedoch später angeschlagen vom Platz

Mit David Alaba musste Foda bereits einen Schlüsselspieler lange auf der Bank schmoren lassen. Der Legionär von Real Madrid laboriert laut dem ÖFB-Coach an einer leichten Muskelverhärtung im Oberschenkel. Ein längerer Einsatz wäre im Hinblick auf die Partie in Haifa und das Heimspiel gegen die Schotten am Dienstag (20.45 Uhr, live in ORF1) zu riskant gewesen. „Ich gehe aber davon aus, dass er dann in Israel wieder voll dabei ist und auch über 90 Minuten spielen kann“, sagte der Teamchef.

Demir als Option

Gar nicht zum Einsatz kam der 18-jährige Barcelona-Youngster Yusuf Demir. Foda argumentierte das mit taktischen Überlegungen. Man wollte gegen die tief stehenden Moldawier über die Flanken kommen und mit Michael Gregoritsch durch einen zweiten kopfballstarken Stürmer Präsenz im Strafraum erlangen und bei defensiven Standards absichern. Das Rezept ging nur bedingt auf, Gregoritsch machte keinen echten Stich.

Demir muss damit weiter auf sein zweites A-Länderspiel warten. „Ich sehe Yusuf entweder auf der Neuneinhalb oder der Zehn und nicht am Flügel. Deswegen hat er nicht von Anfang an gespielt“, sagte Foda. „Er ist ein Talent und wird sicherlich auch in Zukunft noch viele Einsätze beim Nationalteam erhalten. Es hängt aber immer davon ab, wie wir spielen wollen – mit welcher Art und Weise, mit welchem System, mit welcher Taktik.“

Yusuf Demir (AUT)
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Die Option Demir sparte sich Teamchef Foda vorerst noch auf

Defensive vor mehr Arbeit

Positiv vermerkte Foda die defensive Stabilität – auch wenn Martin Hinteregger und Co. in Chisinau nicht wirklich gefordert waren. In Israel bekommt es die heimische Defensive aber wieder mit Sahavi zu tun, an den die Erinnerungen nicht die besten ist. Der Torjäger erledigte das ÖFB-Team im März 2019 in der EM-Quali mit drei Toren beim 4:2 fast im Alleingang. „Wir kennen seine Qualitäten, haben es auch schon einmal am eigenen Leib gespürt. Er ist ein Topstürmer. Da gilt es vor allen Dingen auch, in der Verteidigung konzentriert zu Werke zu gehen“, sagte Foda.

Man werde aber auch selbst Chancen vorfinden, ist der Teamchef überzeugt. „Es wird ein anderes Spiel in Israel“, versicherte Foda. „Ich denke, dass wir dann auch noch konzentrierter sein werden, als das hier der Fall war.“ Wegen der Ausfälle und der notwendigen Improvisation wollte er für das Moldawien-Spiel etwas Nachsicht walten lassen. „Aber wir waren so oft durch. In der letzten Zone und auch beim Torabschluss muss man einfach zielstrebiger sein. Das ist das, was mich ärgert.“