Mercedes-Chef Toto Wolff
GEPA/Christian Walgram
Formel 1

Streit in Chefetage heizt WM-Kampf an

Am Freitag wurden auf dem Losail International Circuit die ersten Trainingsrunden für die Premiere des Grand Prix von Katar am Sonntag (15.00 Uhr) absolviert. WM-Spitzenreiter Max Verstappen blieb dabei zweimal vor seinem Konkurrenten Lewis Hamilton. Doch das Sportliche war an diesem Tag fast nur Nebensache. Denn die nächste Runde im Streit auf der Chefebene zwischen Red Bull und Mercedes war Gesprächsthema Nummer eins.

Auf der Strecke nahe der katarischen Hauptstadt Doha, wo am Sonntag erstmals ein Grand Prix stattfindet, gab Valtteri Bottas mit der schnellsten Trainingszeit den Ton an. Der Finne steuerte seinen Mercedes im zweiten Training in 1:23,148 Minuten über den Kurs und war damit 0,209 Sekunden schneller als Pierre Gasly. Auf Rang drei folgte Verstappen im Red Bull. Der Niederländer verwies Titelverteidiger Hamilton im zweiten Mercedes um 0,072 Sekunden auf den vierten Platz. Im ersten freien Training hatte Verstappen vor Gasly, Bottas und Hamilton sogar klare Bestzeit erzielt.

Vor dem drittletzten Saisonrennen am Sonntag führt der Niederländer in der Gesamtwertung mit 14 Punkten vor seinem britischen Rivalen Hamilton. Im Norden Dohas findet genau ein Jahr vor Beginn der Fußball-WM erstmals ein Formel-1-Rennen statt. Die Strecke ist für Melbourne eingesprungen. Dort kann aufgrund der anhaltenden CoV-Pandemie auch in diesem Jahr kein Grand Prix durchgeführt werden. Ab 2023 gehört das wegen der angespannten Menschenrechtssituation umstrittene Katar für mindestens zehn Jahre dauerhaft zum Rennkalender.

Bottas mit Trainingsbestzeit

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas ist am Freitag beim Training vor der WM-Premiere in Katar klare Bestzeit gefahren. Thema des Tages war allerdings der Protest von Mercedes zum umstrittenen Red-Bull-Manöver in Brasilien.

Mercedes-Protest abgewiesen

Thema des Tages war aber vor allem der nicht weiterverfolgte Protest von Mercedes wegen des Vorfalls in Brasilien, bei dem Verstappen den außen überholenden Hamilton von der Bahn gedrängt hatte. „Es ist alles wie erwartet im Sand verlaufen. Es war ja klar, dass das sinnlos war“, freute sich Red-Bull-Berater Helmut Marko in einem Interview auf ServusTV. Verstappen würde das „lästige Störfeuer“ problemlos wegstecken. „Aber für das Team ist es mühsam, weil Ingenieure, die eigentlich das Auto schneller machen sollen, Unterlagen vorbereiten müssen und so von ihrer Arbeit abgehalten werden“, sagte Marko und bezeichnete die Mercedes-Aktion als „blödsinnig“.

Es sei rasch klar gewesen, dass niemand an einer Fortsetzung der Diskussion interessiert sei, gab sich auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wenig überrascht. Er halte die Entscheidung dennoch für falsch. Zumindest wisse man nun aber, woran man sei. Denn grundsätzlich müsse man dem äußeren Fahrzeug eine Fahrbahnbreite lassen, so der Wiener. Ziel der Aktion war es laut Wolff, Klarheit zu erlangen. „Wir wollten eine Diskussion auslösen. Jetzt wissen wir, wie wir die letzten drei Rennen gegeneinander fahren können“, machte der Mercedes-Boss deutlich, dass Hamilton ab nun ebenfalls die Ellbogen ausfahren könne, „ohne dafür bestraft zu werden, wenn man den anderen von der Bahn drängt“.

Lewis Hamilton (Mercedes) und Max Verstappen (Red Bull)  beim Grand Prix von Brasilien
GEPA/XPB Images
Der hart geführte Zweikampf zwischen Verstappen (hinten) und Hamilton in Sao Paulo hat kein weiteres Nachspiel

Red Bull geht auf Heckflügel los

Der ohnehin schon vergiftete Titelkampf hat seit Freitag damit noch mehr Brisanz. Denn kaum war der Mercedes-Protest abgewiesen, kündigte Red Bulls Teamchef Christian Horner an, den womöglich illegalen Heckflügel von Mercedes beeinspruchen zu wollen. Bei Red Bull hegt man schon lange einen entsprechenden Verdacht und in Brasilien hatte Verstappen das inkriminierte Teil sogar handgreiflich untersucht, was ihm eine 50.000-Euro-Geldstrafe eingebracht hatte.

Laut Horner arbeitet Mercedes am Heckflügel womöglich mit einem versteckten Trick, der das Auto deutlich schneller macht. Die Performance seit Ungarn und speziell in den jüngsten zwei Rennen sei exponenziell gewesen. „Das macht uns hellhörig“, so Horner. Die FIA hatte nach dem Aserbaidschan-Rennen die Flexibilität der Heckflügel neu definiert, nachdem der Verdacht aufgekommen war, die für Abtrieb sorgenden Teile würden sich unter Speed anders verhalten als am stehenden Auto.

Damit ist drei Rennen vor Schluss der Konflikt unter den Teamverantwortlichen endgültig offen entbrannt. Horner brachte das so zum Ausdruck: „Ich muss nicht mit Toto zum Dinner, ich muss ihm nicht den Hintern küssen. Aus meiner Sicht ist es ein Kampf.“ Bei Red Bull hatte man sich zuletzt in Brasilien sehr über den enormen Topspeed der Mercedes gewundert. Ob der unter Verdacht stehende Heckflügel nun in Katar zum Thema wird, bleibt abzuwarten. Eher sei es auf den schnellen Strecken in Jeddah und Abu Dhabi der Fall, vermutete Horner.

Grand Prix von Katar

Zweites Freies Training:
1. Valtteri Bottas FIN Mercedes 1:23,148
2. Pierre Gasly FRA Alpha Tauri + 0,209
3. Max Verstappen NED Red Bull 0,350
4. Lewis Hamilton GBR Mercedes 0,422
5. Lando Norris GBR McLaren 0,484
6. Lance Stroll CAN Aston Martin 0,557
7. Yuki Tsonoda JPN Alpha Tauri 0,587
8. Sergio Perez MEX Red Bull 0,639
9. Sebastian Vettel GER Aston Martin 0,872
10. Carlos Sainz ESP Ferrari 0,885
11. Esteban Ocon FRA Alpine 0,893
12. Fernando Alonso ESP Alpine 0,908
13. Charles Leclerc MON Ferrari 0,947
14. Daniel Ricciardo AUS McLaren 0,987
15. Kimi Räikkönen FIN Alfa Romeo 1,483
16. George Russell GBR Williams 1,806
17. Antonio Giovinazzi ITA Alfa Romeo 1,924
18. Nicholas Latifi CAN Williams 2,061
19. Mick Schumacher GER Haas 2,427
20. Nikita Mazepin RUS Haas keine Zeit
Erstes Freies Training:
1. Max Verstappen NED Red Bull 1:23,723
2. Pierre Gasly FRA Alpha Tauri + 0,437
3. Valtteri Bottas FIN Mercedes 0,471
4. Lewis Hamilton GBR Mercedes 0,786
5. Yuki Tsonoda JPN Alpha Tauri 0,925
6. Carlos Sainz ESP Ferrari 0,990
7. Charles Leclerc MON Ferrari 1,067
8. Sergio Perez MEX Red Bull 1,192
9. Esteban Ocon FRA Alpine 1,249
10. Lando Norris GBR McLaren 1,492
11. Daniel Ricciardo AUS McLaren 1,568
12. Sebastian Vettel GER Aston Martin 1,605
13. Nicholas Latifi CAN Williams 1,965
14. Antonio Giovinazzi ITA Alfa Romeo 2,034
15. Kimi Räikkönen FIN Alfa Romeo 2,105
16. George Russell GBR Williams 2,148
17. Fernando Alonso ESP Alpine 2,182
18. Mick Schumacher GER Haas 2,976
19. Lance Stroll CAN Aston Martin 2,989
20. Nikita Mazepin RUS Haas 3,777