Lille Spieler Burak Yilmazim Zweikampf mit Salzburg’s Mohamed Camara.
APA/AFP/Joe Klamar
Champions League

Nächste Chance für Salzburg auf Fixaufstieg

Meister FC Salzburg hat am Dienstag (21.00 Uhr) die nächste Chance, den historischen Achtelfinal-Einzug in der UEFA Champions League zu fixieren. In Lille türmt sich der französische Meister und erste Verfolger als Hürde auf. Vor dem vorletzten Gruppenspiel führt Salzburg mit besten Aufstiegschancen die Tabelle mit zwei Punkten Vorsprung an.

Mit demonstrativer Zuversicht und dem gewohnten Understatement brachen die „Bullen“ am Montag nach Lille auf. „Wir fahren mit einer breiten Brust nach Lille und wollen sie natürlich nochmal ärgern. Wir sind guten Mutes und gut vorbereitet“, sagte Trainer Matthias Jaissle auf dem Salzburger Flughafen. Er betonte, nicht gern von Matchbällen zu sprechen, und warnte stattdessen vor einer „Topmannschaft“ mit „unfassbarer Qualität“. „Wir müssen auf der Hut sein.“

Dass der aktuelle Zwölfte der Ligue 1 schlagbar ist, zeigten die Salzburger beim 2:1-Heimsieg. Jaissles Personal ist unverändert, sogar dieselbe Startformation wie im ersten Duell in Gruppe G Ende September gilt als wahrscheinlich. Hinter dem Einsatz von Angreifer Noah Okafor, der an einer Oberschenkelverhärtung laboriert, stand ein Fragezeichen, am Dienstagabend war letztlich klar, dass es für den Schweizer nicht reichen würde – er steht auch nicht im Kader.

Salzburg will in Lille Aufstieg fixieren

Am Montag ist Meister Salzburg zum Champions-League-Spiel nach Lille gereist. Trotz der Tabellenführung ist vor den letzten zwei Spielen aber auch noch das internationale Aus möglich.

Salzburg mit Sieg in K.-o.-Phase

Das Spiel im Norden Frankreichs hat das Potenzial für ein historisches Ereignis. Mit einem Sieg würden die Salzburger fix erstmals in der Clubgeschichte in die K.-o.-Runde der Königsklasse einziehen. Auch ein Remis würde reichen, wenn Sevilla gleichzeitig kein Heimsieg gegen Wolfsburg gelingt. Den Aufstieg aus der ersten Gruppenphase hat von österreichischen Clubs bisher nur Sturm Graz geschafft. 21 Jahre ist das mittlerweile her. Der Coup 2021 würde durch zusätzliche 9,6 Millionen Euro vergoldet, die vom Europäischen Fußballverband (UEFA) für die Achtelfinal-Qualifikation ausgeschüttet werden.

Gruppe G, fünfter Spieltag

Dienstag, 21.00 Uhr:

Lille – Salzburg

Stade Pierre Mauroy, SR Taylor (ENG)

Lille: Grbic – Celik, Fonte, Djalo, Reinildo – Weah, Renato Sanches, Xeka, Bamba – Yilmaz, David

Salzburg: Köhn – Kristensen, Onguene, Wöber, Ulmer – Sucic, Camara, Aaronson, Seiwald – Sesko, Adeyemi

Okafor meinte, die Mannschaft würde die Dinge gerne schon am Dienstag regeln. „Wir haben uns eigentlich vorgenommen, immer von Spiel zu Spiel zu schauen“, sagte der Schweizer, gestand aber: „Die Tabelle ist immer ein bisschen im Hinterkopf.“ Nach drei Spielen mit sieben Punkten schon fantastisch auf Kurs, könnte es doch noch knapp werden. Das 1:2 im vergangenen Gruppenspiel in Wolfsburg war ein erster kleiner Dämpfer.

„Sind fähig, jeden Gegner zu ärgern“

Auch in der Bundesliga agierte Salzburg mit einem 1:0 gegen Austria Wien und dem 0:0 gegen die Admira zuletzt ohne Glanz. Jaissle lächelte die Frage nach dem aktuell fehlenden Killerinstinkt bei Karim Adeyemi und Co. milde weg. „Am Wochenende hatten wir auch ein Stück weit Pech.“ Das habe er auch in seiner morgendlichen Ansprache an die Mannschaft klargemacht. „Ich bin mir sicher, dass wir das morgen schon wieder besser machen.“

Vor pandemisch bedingten „Geisterspielen“ in Österreich – darunter das mögliche „Gruppenfinale“ am 8. Dezember gegen Sevilla – dürfte es auch auf den Rängen noch einmal hitzig werden. Das knapp 50.000 Zuschauer fassende Stade Pierre Mauroy wird gut gefüllt sein. Das für die EM 2016 gebaute Stadion genießt durch sein schließbares Dach den Ruf eines „Hexenkessels“. Jaissle prognostizierte: „Das wird eine geile Atmosphäre sein.“

Der Gegner hat zu einem „match capital“, einem Entscheidungsspiel, geladen. Zwanzig Jahre nach dem allerersten CL-Auftritt Lilles werden die damaligen Helden zum Daumendrücken erwartet. Zum Feiern war dem Sensationsmeister des Vorjahres zuletzt aber selten zumute. Zwar hievte sich die Mannschaft von Jocelyn Gourvennec durch den 2:1-Sieg in Sevilla im Europacup in eine ausgezeichnete Position, doch in der Ligue 1 läuft es holprig. Seit fünf Ligaspielen ist Lille ohne Sieg.

„Doggen sind müde“

„Die Doggen sind müde“, hieß es zuletzt – und ersatzgeschwächt, Benjamin Andre und Jonathan Ikone sind gelbgesperrt. Zudem vermisste der Trainer zuletzt Abgeklärtheit und Reife. AS Monaco wurde am Freitag, dem Nationalfeiertag im Fürstentum, trotz Überzahl noch der Ausgleich geschenkt (2:2).

Gut in Schuss ist hingegen der kanadische Jungstar Jonathan David, der sieben der jüngsten neun Lille-Tore in Pflichtspielen erzielt hat. Geleitet wird die Partie vom Engländer Anthony Taylor, dem Schiedsrichter des EM-Achtelfinales zwischen Österreich und Italien.