Irene Fuhrmann
GEPA/Michael Meindl
WM-Qualifikation

Österreicherinnen auf „Pflichtpunkte“ aus

Österreichs Frauen vollziehen in der WM-Qualifikation innerhalb kürzester Zeit einen rasanten Rollenwechsel. Wenige Tage nachdem das Team gegen England noch krasser Außenseiter war, tritt die Truppe beim Gastspiel in Luxemburg am Dienstag (20.00 Uhr, live in ORF Sport +) als haushoher Favorit an. Nicht nur das Ergebnis im ersten Duell, auch die Leistung am Samstag in Sunderland nährt die Hoffnung, dass die laut Teamchefin Irene Fuhrmann „Pflichtpunkte“ um den zweiten Platz im Fernduell mit Nordirland geholt werden.

Die Nordirinnen legten am Montag mit einem 9:0-Schützenfest gegen Nordmazedonien vor, nun müssen die Österreicherinnen entsprechend nachziehen. „Es geht darum, möglichst frisch und vor allem auch mental bereit zu sein, weil wir das Spiel gewinnen müssen. Da gilt es auch, durchschlagskräftig in der Offensive zu sein“, sagte Teamchefin Fuhrmann. Beim 5:0-Sieg im ersten Spiel Ende Oktober in Wiener Neustadt wurde erst kurz vor der Pause der Torbann gebrochen. Neben Doppeltorschützin Nicole Billa waren auch Katharina Naschenweng, Stefanie Enzinger und Sarah Puntigam erfolgreich.

Aufgrund des intensiven Spiels in Sunderlands Stadium of Light, dass die Engländerinnen mit 1:0 für sich entscheiden konnten, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Fuhrmann ihre Startformation im Duell mit dem bei drei Zählern haltenden Tabellenvierten umbaut. „Klar ist, dass ich mit der bestmöglichen Elf starten möchte, weil zu viel Veränderungen die Abläufe stören. Gott sei Dank haben wir aber mittlerweile mehr Optionen zu wechseln. Im Training hatte ich den Eindruck, dass wir breiter aufgestellt sind“, gab die 41-Jährige Einblick. Die schon in England wegen Magen-Darm-Problemen fehlende Laura Feiersinger wird auch diesmal ausfallen.

ÖFB-Teamchefin Fuhrmann erwartet Sieg

Österreichs Frauen-Fußballnationalteam trifft am Dienstag in der WM-Qualifikation auswärts auf Luxemburg. Für Trainerin Irene Fuhrmann zählt nur ein Sieg – und dieser sollte im letzten Spiel vor der Winterpause möglichst hoch ausfallen.

Während die Österreicherinnen direkt von England nach Luxemburg weiterreisten, konnten die zuvor spielfreien Gastgeberinnen gezielt auf die Partie hinarbeiten. „Das wird eine körperliche Challenge, trotzdem sind es drei absolute Pflichtpunkte, wenn wir den Anspruch haben, ins Play-off kommen zu wollen“, betonte Fuhrmann. Worauf es auf dem Weg zum Sieg im letzten Länderspiel vor dem EM-Jahr 2022 ankommen wird, skizzierte Mittelfeld-Ass Sarah Zadrazil: „Wir werden wieder viel Ballbesitz haben, müssen geduldig bleiben, Lösungen finden, Chancen herausspielen und Tore erzielen.“

Stefanie Enzinger jubelnd
APA/Hans Punz
Enzinger (M.) war eine von vier Österreicherinnen, die im ersten Duell mit Luxemburg als Torschützin jubeln durfte.

Niederlage stärkt Selbstvertrauen

Das knapp verlorene Spiel am Samstag gegen die Engländerinnen stärkte jedenfalls das Selbstvertrauen der Österreicherinnen und brachte die Erkenntnis, dass die Mannschaft wieder ein kleines Stück an die Qualität der Weltspitze herangerückt ist. Obwohl die 0:1-Niederlage leistungsgerecht war, konnte dem klaren Tabellenführer in Gruppe D viel mehr Paroli geboten werden als bei den sechs Niederlagen zuvor. Das macht der ÖFB-Auswahl auch Mut für die EM im kommenden Jahr in England, wo man im Eröffnungsspiel in Manchester erneut auf die Gastgeberinnen trifft.

ÖFB-Frauen unterliegen England knapp

Österreichs Frauen-Fußballteam verliert in der WM-Qualifikation nach guter Leistung in Sunderland gegen England knapp mit 0:1. In der Tabelle liegen die Österreicherinnen fünf Punkte hinter England auf Platz zwei.

„Eine Niederlage bleibt eine Niederlage, aber ich bin unheimlich stolz. Das Team ist geschlossen aufgetreten und hat den Matchplan nahezu perfekt umgesetzt“, sagte Fuhrmann. Natürlich habe man im Stadium of Light von Sunderland in der einen oder anderen Situation auch das nötige Glück gehabt. „Insgesamt haben wir in unserer Box gut verteidigt und sind in der zweiten Halbzeit sogar zu Chancen gekommen. Schade, dass wir keine davon nutzen konnten“, so die 41-Jährige, „wir haben gesehen, dass wir nach vorne etwas bewegen können, wenn wir mutig sind“, meinte Fuhrmann.

Lob für die Leistung gab es auch von der englischen Teamchefin Sarina Wiegman. Die ÖFB-Truppe habe ihrem Team einen „harten Kampf“ geliefert. „Es war das engste Spiel bis jetzt. Sie waren sehr gut organisiert und manchmal sehr gefährlich im Konter“, sagte die gebürtige Niederländerin. Der Heimsieg sei insgesamt aber verdient gewesen. „Wir haben das Spiel dominiert, uns viele Chancen herausgearbeitet.“ Ins Tor traf aber nur Ellen White – zum 45. Mal in ihrem 100. Länderspiel. „Es war ein schweres Spiel. Ich bin froh, dass ich dem Team mit dem Tor helfen konnte, aber das Wichtigste war der Sieg“, sagte die City-Stürmerin.

Noch „viel Arbeit“ bis zum EM-Auftakt

Whites Aufstieg zur Rekordtorschützin verhinderte Arsenal-Legionärin Manuela Zinsberger. Das war einer von mehreren „positiven Aspekten“, von denen Fuhrmann nach der Partie sprach. „Die nehmen wir mit und geben uns auch Selbstvertrauen auf unserem weiteren Weg.“ Man sehe dadurch auch Chancen im Heimspiel gegen England am 3. September 2022. Zuvor treffen die beiden Teams noch im EM-Eröffnungsspiel vor 75.000 Zuschauern im Old Trafford am 6. Juli aufeinander.

Bis dahin gilt es für die ÖFB-Auswahl, noch „viel Arbeit“ zu erledigen. „Man hat gesehen, dass uns England, was den physischen Bereich betrifft, klar überlegen ist. Da gilt es für uns aufzuholen“, ist sich Fuhrmann bewusst. Zudem fehle ihrer Truppe gegen physisch so starke Teams an der letzten Linie der notwendige Speed. Von den Zuschauern her war das Duell in Sunderland nur ein kleiner Vorgeschmack auf die EM, da aufgrund des schlechten Wetters „nur“ rund 10.000 Zuschauer im Stadion waren. „Man hat gesehen, wenn die Menge mitgeht, ist es eine geile Atmosphäre. Das taugt mir persönlich, und für die Spielerinnen war es auch ein cooles Erlebnis“, so Fuhrmann.