Katarina Pandza (AUT)
GEPA/Johannes Friedl
Handball-WM

ÖHB-Damen feiern Sieg nach CoV-Schock

Österreichs Handballfrauen haben allen Widrigkeiten zum Trotz eine erfolgreiche Rückkehr auf die WM-Bühne gefeiert. Eine stark ersatzgeschwächte ÖHB-Truppe besiegte China am Donnerstag im ersten Gruppenspiel 38:27 (22:13) und machte einen ersten Schritt Richtung Aufstieg in die Hauptrunde. Dabei hatte das Team kurz vor dem Spiel die Hiobsbotschaft ereilt, dass vier Spielerinnen positiv auf das Coronavirus getestet worden waren.

Wie der Österreichische Handballbund (ÖHB) rund zwei Stunden vor dem WM-Auftakt mitteilte, wurden nach Teamchef Herbert Müller mit Kapitänin Petra Blazek, Sonja Frey, Stefanie Kaiser und Nina Neidhart vier Spielerinnen positiv auf das Coronavirus getestet und fielen für den ersten WM-Auftritt eines österreichischen Handball-Nationalteams seit zwölf Jahren aus. Man entschied sich mit Zustimmung des Weltverbandes, mit zwölf statt 16 Spielerinnen dennoch aufzulaufen, und eröffnete das Großturnier gegen die asiatische WM-Unbekannte ohne allzu große Abstimmungsprobleme.

Nach einer ausgeglichenen wie torreichen Anfangsphase (6:6) kam Rot-Weiß-Rot immer besser ins Rollen. Torfrau Lena Ivancok gab mit wichtigen Paraden den nötigen Rückhalt, und vorne wurde mit Effizienz geglänzt. Mit 22:13 ging es in die Kabine zum Online-„Call“ mit Herbert Müller, der seine Halbzeit-Coach-Analyse wenig später auch im ORF kundtat. „Ich bin hellauf begeistert. Die Mannschaft macht es herausragend und spielt für alle, die nicht dabei sein können“, sagte Müller. Er wurde von seinem Bruder Helfried Müller vertreten, der gemeinsam mit Sportdirektor Patrick Fölser auf der Bank saß.

Handball-WM Damen: Österreich besiegt China

Bei der Handball-Weltmeisterschaft haben Österreichs Damen trotz CoV-bedingter Ausfälle mit 38:27 klar gegen China gewonnen.

Einen großen Beitrag zum gelungenen Start leistete Rückraumspielerin Katarina Pandza (19), die sich unbeeindruckt von den CoV-Querelen der vergangenen Tage zeigte. Die Deutschland-Legionärin war zunächst als Verdachtsfall gehandelt worden, durfte nach zwei negativen PCR-Tests aber rechtzeitig nachreisen. Mit neun Toren kam sie ausgezeichnet im Turnier an. Zwar wehrten sich die im Vorfeld mangels Videomaterial schwer einzuschätzenden Chinesinnen dank längerer Bank wacker, doch Pandza und Mirela Dedic (8 Tore) hielten ihre Wurfquoten konstant hoch. Anna Hajgato brillierte zudem als Siebenmeter-„Killerin“.

Absage stand nie zur Debatte

Ein Nichtantreten stand laut Verband trotz des CoV-Schocks unmittelbar vor dem Anpfiff jedoch nie zur Debatte. „Alle im Team haben auf dieses Ziel jahrelang hingearbeitet. Die Spielerinnen haben es sich erkämpft und verdient, bei der WM anzutreten. Das Team wird weiter kämpfen und alles geben“, hatte ÖHB-Präsident Plazer vor dem Spiel erklärt. Auch für Sportdirektor Fölser kam eine Absage nicht infrage. „Jenen Spielerinnen, die positiv getestet wurden, mitzuteilen, dass sie nicht spielen können, war sportlich gesehen das Härteste, das ich bisher tun musste. Die Mannschaft wird alles reinhauen, was in ihnen steckt, um das erste WM-Spiel seit zwölf Jahren zu gewinnen.“

Bereits vor der Abreise zur WM nach Spielen wurden die Österreicherinnen von einer CoV-Welle erfasst. So wurde etwa Teamchef Müller positiv auf das Coronavirus getestet und war beim Auftaktspiel gegen China gar nicht dabei. Zudem gab es mit Trainerassistent Erwin Gierlinger sowie der 19-jährigen Pandza zwei weitere Verdachtsfälle, die sich vorsorglich in freiwillige Quarantäne begaben.

Teamchef Müller wurde im ersten Gruppenspiel von seinem Bruder und Nachwuchsteamtrainer Helfried Müller vertreten. Neben den Chinesinnen treffen die Österreicherinnen in Gruppe H auch noch am Samstag auf Argentinien und zum Abschluss am 6. Dezember auf die Gastgeberinnen aus Spanien. Aus den acht Vierergruppen in der Vorrunde steigen jeweils die besten drei Teams in die Hauptrunde auf. Mit dem Sieg gegen China haben die Österreicherinnen den ersten Schritt dorthin gemacht.

Stimmen zum Spiel:

Herbert Müller (ÖHB-Cheftrainer): „Welch eine Charakterstärke unseres Nationalteams. Nach all den Horrornachrichten und gesundheitlichen Rückschlägen in den letzten Tagen so eine Leistung abzurufen, verlangt den allerhöchsten Respekt. Es war ganz wichtig, dass wir eine herausragende erste Halbzeit gespielt haben. Jetzt hoffen wir, dass alle rasch gesund werden, damit wir diese WM genießen können. Gratulation an die Mannschaft. Das war heute herausragend.“

Helfried Müller (ÖHB-Coach): „Ich bin einfach nur stolz. Jeder in Österreich kann nur stolz sein auf den Charakter dieser Mädels. Mir sind die Tränen gekommen, als ich die Mädels gesehen habe, die nicht mitmachen durften. Das Team hat es ihnen gedankt, dieser Sieg ist nur für sie.“

Patricia Kovacs (ÖHB-Spielerin): „Wir sind richtig, richtig erleichtert. Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen. Jeder im Team hat geweint, als die Nachricht gekommen ist. Diese vier haben so für die WM gekämpft, über Jahre, haben ihre Freizeit dafür geopfert, Stefanie Kaiser hat sogar ihren Beruf aufgegeben, um noch mehr zu trainieren. Umso mehr bin ich stolz auf die Mannschaft. Das zeigt, was für ein tolles Team wir sind."

Handball-WM 2021 in Spanien

Donnerstag:

Österreich – China 38:27 (22:13)

Beste Werferinnen: Pandza (9), Dedic (8), I. Ivancok (6) bzw. Zhang Haixia (8)

Tabelle:
1. Spanien 3 3 0 0 93:50 6
2. Argentinien 3 2 0 1 80:82 4
3. Österreich 3 1 0 2 86:89 2
4. China 3 0 0 3 69:107 0