Rapid-Trainer Ferdinand Feldhofer
GEPA/Hans Oberlaender
Bundesliga

Rapid gerät in die Bredouille

Das Rennen im Grunddurchgang der Admiral Bundesliga nähert sich der Ziellinie, im konkreten Fall der Punkteteilung und der Teilung in Meister- und Qualifikationsgruppe. Und zwei Runden vor Schluss deutet vieles darauf hin, dass die Wiener Fans um weitere Derbys umfallen. Rapid rutschte mit dem 2:2 bei Sturm Graz aus den Top Sechs und steht mit dem Rücken zur Wand, haben den Aufstieg aber in eigener Hand. Zumindest in der Theorie, denn die aktuelle Formkurve in der Liga spricht dagegen.

Nach dem 2:2 in Graz liegt Rapid zwei Punkte hinter der sechstplatzierten SV Ried, die die WSG Tirol mit 3:2 in die Knie zwang, und zwei Zähler hinter dem Erzrivalen Austria Wien, der sich mit einem 2:0-Sieg daheim gegen Hartberg auf Platz fünf vorschob. Theoretisch können es die Hütteldorfer noch aus eigener Kraft unter die Top Sechs schaffen. Zwei Siege bei WSG Tirol am Sonntag und gegen Austria Klagenfurt am 6. März bringen fix einen Platz im „oberen Play-off“.

Es könnte zwar sein, dass die Rapidler auch bei einem Sieg hinter den Klagenfurtern bleiben, in diesem Fall würden sie allerdings fix zumindest die SV Ried überholen, da die zuvor noch auf Klagenfurt trifft. Die restlichen Konkurrenten Austria Wien, LASK und Hartberg, das wohl nur noch theoretische Chancen hat, haben keine direkten Duelle mehr ausständig. „Es ist relativ einfach, wir sollten sechs Punkte machen, dann sind wir sicher oben“, sagte Rapid-Trainer Ferdinand Feldhofer und gab damit die Marschroute vor.

Kampf um Meistergruppe spitzt sich weiter zu

In der Bundesliga ist Rapid auf Rang sieben zurückgefallen, den Wienern droht die Qualifikationsgruppe. Im Kampf um drei offene Plätze in der Meistergruppe kommen neben Rapid noch fünf weitere Teams infrage.

Dem einfachen Rechenspiel auf dem Papier stehen die aktuellen Resultate in diesem Jahr gegenüber. Den von den bisher vier Pflichtspielen 2022 konnte Rapid nur jenes gegen Vitesse Arnheim im Hinspiel des Sechzehntelfinales in der UEFA Europa Conference League am Donnerstag gewinnen. In der Liga sind sie nach einem 1:2 daheim gegen Salzburg und dem Remis gegen Sturm zwei Spiele sieglos. Dazu kommt das Aus im Uniqa-ÖFB-Cup gegen Hartberg.

Standardsituationen retten Punkt

Trotz der aktuellen Bilanz strich Trainer Feldhofer am Sonntag lieber die positiven Aspekte des Punktegewinns in Graz hervor. „Großes Lob an mein Team, das nach dem 0:1-Rückstand ruhig geblieben ist, große Willensstärke gezeigt hat und sehr flexibel in der Positionierung war. Das hat auch zum verdienten Ausgleich geführt“, so Feldhofer, der dem Remis etwas Gutes abzugewinnen versuchte.

Der Ausgleich wurde von Kevin Wimmer kurz vor Schluss (83.) erzielt und fiel wie das 1:1 von Emanuel Aiwu (35.) nach einem Eckball. „Wir haben mentale Stärke gezeigt, es hat uns ausgezeichnet, dass wir immer zurückgekommen sind“, sagte Mittelfeldspieler Robert Ljubicic. Dass ausgerechnet Wimmer sein Team vor einer Niederlage bewahrte, kam überraschend, war es doch sein erster Treffer im 16. Pflichtspiel für sein Team. „Von den Emotionen her war es ein richtig geiles Feeling. Und das Tor war kein Unwichtiges, kann noch viel wert sein“, meinte der Innenverteidiger.

Kevin Wimmer (Rapid) jubelnd
GEPA/Hans Oberlaender
Wimmer sorgte dafür, dass sich der Rückstand auf Platz sechs nicht auf drei Punkte vergrößerte

Die Steirer ärgerten sich über das Zustandekommen der Gegentreffer sehr. „Wir müssen uns ankreiden lassen, dass wir in entscheidenden Situationen nicht ausreichend verteidigt haben, Standards sind oft spielentscheidend, da müssen wir einen Schritt nach vorne machen“, forderte Sturm-Kapitän Stefan Hierländer. Auch beim 2:2 zuletzt bei WSG Tirol hatte man bei ruhenden Bällen Schwächen offenbart. „Bei Standards fehlt uns das Selbstverständnis, die Klarheit“, sagte Sturm-Coach Christian Ilzer, der mit seiner Mannschaft als Dritter in Sachen Teilnahme an der Meistergruppe keine Sorgen hat.

Aussetzer und Ausfälle

Leichte Gegentreffer kassierten auch die Rapidler. Vor dem dritten Saisontor im zweiten Spiel von Rasmus Höjland (6.) patzte Aiwu, der von Jakob Jantscher (69.) verwandelte Elfmeter wurde nach einem unnötigen Foul von Martin Moormann im Strafraum gegeben. „Fehler passieren, es ist wichtig, dass man daraus lernt und gestärkt rauskommt“, sagte Feldhofer. Einen Fauxpas leistete sich auch der als Kapitän aufgebotene Filip Stojkovic, indem er eine unnötige Verwarnung kassierte und mit fünf Gelben Karten gegen Tirol zuschauen muss.

„In der Hitze des Gefechts passieren solche Dinge, es ist eine kleine Aktion mit einer Riesenauswirkung“, so Feldhofer, der darüber nicht erfreut war. Schon die Partie zuvor in Arnheim verpasste der Rechtsverteidiger nach Gelb-Rot beim 2:1-Hinspielsieg. Die Personalsorgen Rapids werden so nicht kleiner, auch da Einsergoalie Paul Gartler wegen muskulärer Probleme mehr als das Sturm-Spiel verpassen könnte und der mit einem Wintertransfer nach Washington in Verbindung gebrachte Taxiarchis Fountas krank ist. „Durch die Ausfälle bewegen wir uns momentan auf einem dünnen Seil, aktuell fehlen mir ein bisschen die Optionen“, so Feldhofer.

Zeit, um viel darüber nachzudenken, bleibt nicht. Schon am Donnerstag geht es in Arnheim um den Aufstieg ins ECL-Achtelfinale, für das ein Remis reicht. „Die leichten Fehler müssen wir abstellen, wir haben gesehen, dass die hart bestraft werden“, sagte Wimmer. Im Tor könnte der 20-jährige Niklas Hedl – Sohn von Ex-Rapid-Tormann Raimund Hedl – nach seinem Debüt in der Bundesliga auch zu jenem im Europacup kommen. Für Feldhofer kein Grund zur Sorge: „Er hat eine sehr reife Leistung gezeigt.“