Christiano Ronaldo
AP/Luis Vieira
Fußball-WM

Katar als letzter Vorhang für Superstars

Am Freitag (18.00 Uhr MESZ, live in ORF1) geht die Auslosung der Weltmeisterschaft 2022 (21. November bis 18. Dezember) über die Bühne. Dabei sind zu diesem Zeitpunkt erst 29 der 32 Teilnehmer klar, das Gros des Feldes steht aber. Mit Italien fehlt als regierender Europameister ein ganz großes Kaliber zum zweiten Mal in Folge, ebenso der eine oder andere Starspieler. Die (alten) Superstars sind wieder dabei, einige wohl zum letzten Mal.

Zum vorerst letzten Mal werden 32 Teilnehmer bei einer WM-Endrunde dabei sein, vier Jahre später beim Turnier in Kanada, Mexiko und den USA wird auf 48 Teams aufgestockt. Österreichs Chancen auf eine Rückkehr zum Weltturnier nach dann 28 Jahren Pause steigen auch deswegen, weil 2026 16 europäische Teams statt bisher 13 dabei sind.

Noch einmal geht die Endrunde wie seit 1998 gelernt mit acht Gruppen zu je vier Teams und zwei Aufsteigern ins Achtelfinale über die Bühne, ehe die K.-o.-Phase am katarischen Nationalfeiertag (18. Dezember) ins Finale mündet. Mit Cristiano Ronaldo und Lionel Messi haben die zwei prägenden Fußballer dieses Jahrtausends damit noch einmal die Chance, sich die Krone des Weltfußballs aufzusetzen.

Grafik zu den Teilnehmerländern der Fußball-WM 2022
Grafik: APA/ORF.at

Ronaldo und Portugal „jagen den Traum“

„Wir haben einen Traum und werden ihn jagen“, sagte Ronaldos portugiesischer Trainer Fernando Santos nach dem 2:0-Sieg gegen Nordmazedonien. Dass Ronaldo genau für diesen Traum noch einmal alles investieren wird, dürfte niemanden überraschen. „Die Jahre vergehen, aber die Ziele bleiben die gleichen“, schrieb der 37-Jährige auf Instagram zu einem Foto von ihm und seinem Kollegen Pepe (39).

Argentiniens Ausnahmekicker Messi hat das Turnierticket mit seinem Team schon länger sicher. Wie Ronaldo würde auch Messi allein durch die Teilnahme an der WM in einen erlauchten Kreis vorstoßen. Nur Lothar Matthäus sowie die Mexikaner Rafael Marquez und Antonio Carbajal kamen bisher bei fünf Weltmeisterschaften zum Einsatz.

Messi könnte Matthäus überholen

Theoretisch könnte der 34-Jährige sogar Matthäus als WM-Rekordspieler ablösen. Der Deutsche führt mit 25 WM-Einsätzen derzeit die Liste an, Messi steht bei 19 Partien. Sollte der PSG-Star alle möglichen sieben Spiele bestreiten, würde er an Matthäus vorbeiziehen. Ronaldo (17) hingegen bleibt fix hinter Matthäus.

Lionel Messi
Reuters/Franklin Jacome
Lionel Messi stand mit Argentinien 2014 im WM-Finale, dieses Jahr hofft er auf den Coup

Neymar kündigte WM-Abschied an

Von solchen Zahlen ist Brasiliens Neymar weit entfernt. Und er wird in diese Sphären wohl auch nicht mehr vorstoßen. Der 30-Jährige kündigte bereits an, dass das Turnier in Katar höchstwahrscheinlich seine letzte WM sein wird. Nach dem 1:7-Debakel gegen Deutschland beim Heimevent 2014 und dem Viertelfinal-Aus in Russland 2018 will sich auch er mit dem scheidenden Teamchef Tite den Traum erfüllen.

Das hat Kylian Mbappe bereits geschafft. Der heute 23-Jährige hatte schon beim Turnier vor vier Jahren teils überragende Leistungen gezeigt. Auch deshalb holte Frankreich letztlich den Titel, Mbappe wurde als bester Nachwuchsspieler des Turniers ausgezeichnet.

Neymar
AP/Silvia Izquierdo
Brasiliens Superstar Neymar ist zwar erst 30 Jahre, aber er kündigte schon seinen letzten WM-Ritt an

Weltfußballer Robert Lewandowski erreichte mit Polen das Mindestziel. „Das war einer der schwierigsten Elfmeter meines Lebens“, sagte der 33-Jährige nach dem 2:0 im Play-off-Finale gegen Schweden. Er verwandelte ihn, anschließend tanzten er und seine Teamkollegen vor Freude in der Kabine. „Jetzt können wir feiern.“

Bekannte Abwesende

Wo gefeiert wird, sind im Sport Tränen nicht weit. So bleibt Zlatan Ibrahimovic eine weitere WM-Teilnahme verwehrt. 41 Jahre wäre der Schwede beim Turnier in Katar alt gewesen. Seine sportliche Zukunft im Nationalteam ließ er nach dem 0:2 in Polen zunächst offen. „Das Wichtigste ist, was mit Schweden passiert, nicht, was mit mir persönlich passiert“, sagte er. Erling Haaland ist schon länger klar, dass er mit Norwegen nicht zur WM reisen wird. Anders als Ibrahimovic, Ronaldo und Co. steht der Ausnahmeangreifer von Borussia Dortmund mit seinen 22 Jahren aber erst am Beginn seiner Laufbahn.

Bitter lief es für Mohamed Salah: Erst im Elfmeterschießen gegen Senegal verpasste Ägyptens Starstürmer das WM-Ticket. Während seines Strafstoßes wurde er derart stark von Laserpointern aus dem Publikum geblendet, dass er wohl auch deshalb verschoss. Sein Liverpool-Teamkollege Sadio Mane machte es kurz darauf besser und schoss den Senegal zur Weltmeisterschaft, wo Italien wieder fehlen wird. Bereits am vergangenen Donnerstag blamierte sich der Europameister gegen Nordmazedonien und ist wie 2018 nicht dabei.

Kanada gibt Comeback, acht Teams haben noch Chancen

Sein Comeback nach 36 Jahren gibt Kanada, das vor seiner Heim-WM Turniererfahrung sammelt. Eine noch längere Durststrecke könnte Österreich-Bezwinger Wales beenden, wenn man im verschobenen Play-off gegen Schottland oder die Ukraine gewinnt und erstmals seit 1958 das Ticket bucht. Auch noch WM-Chancen haben Australien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Neuseeland, Peru und Costa Rica.

WM-Teilnehmer 2022

Europa (12 von 13 Startplätzen): Dänemark, Deutschland, Belgien, Frankreich, Kroatien, Schweiz, Serbien, Spanien, England, Niederlande, Polen, Portugal

Asien (5/5-6): Katar (Gastgeber), Iran, Südkorea, Saudi-Arabien, Japan

Südamerika (4/4-5): Brasilien, Argentinien, Uruguay, Ecuador

Nord- und Zentralamerika/Karibik (3/3-4): Kanada, Mexiko, USA

Afrika (5/5): Ghana, Senegal, Kamerun, Marokko, Tunesien

Ozeanien (0-1)

Anm.: Zwei Teilnehmer werden über interkontinentale Play-offs ausgespielt. Ein Vertreter Asiens (Australien oder Vereinigte Arabische Emirate) trifft auf den Fünften aus Südamerika, Peru. Neuseeland, der Sieger in Ozeanien, duelliert sich mit dem Vierten von Nord- und Zentralamerika/Karibik, Costa Rica, um ein weiteres Ticket. In Europa ist noch ein Play-off-Sieger offen, Wales trifft auf Schottland/Ukraine.