Kathrine Switzer mit der Nummer 261
AP/Elise Amendola
Laufsport

„261Fearless“: Ein Projekt, das Mut macht

So manche Nummer im Sport ist untrennbar mit ihrem Träger verbunden, wie etwa die 99 mit Eishockey-Superstar Wayne Gretzky oder die 23 mit Basketball-Legende Michael Jordan. Die Zahl 261 steht aber für mehr als nur sportliche Höchstleistungen. Mit dieser Nummer absolvierte Kathrine Switzer 1967 als erste Frau in Boston offiziell einen Marathon. Daher ist die 261 auch das perfekte Symbol für das von der Österreicherin Edith Zuschmann und Switzer ins Leben gerufene Projekt „261Fearless“, das Frauen ermutigen soll, den berühmten ersten Schritt zu setzen.

Das Projekt geht auf Zuschmanns eigene Erfahrungen zum Thema Frauen und Laufen zurück. „Ich bin selbst leidenschaftliche Läuferin und hatte immer das Thema, dass, wenn ich Frauen darauf angesprochen habe, meist als Antwort kam, das ist nichts für mich oder das trau ich mich nicht, weil ich zu langsam bin“, so die gebürtige Niederösterreicherin im Gespräch mit ORF.at.

Um die „oft den Frauen zugeschriebenen Vorurteile“ zu bekämpfen, gründete Zuschmann 2012 in Klagenfurt einen Laufclub für Frauen. Die Wahlkärntnerin und Switzer hatten sich bereits davor beim Wiener Frauenlauf kennengelernt: „Daraus ist eine wunderbare Freundschaft entstanden.“ Daher willigte die Marathon-Pionierin auch sofort ein, als Zuschmann die legendäre Startnummer 261 in den Namen ihres Clubs aufnehmen wollte.

Der Startschuss einer Erfolgsgeschichte: „Wir haben gesehen, es funktioniert, und weil wir auch weltweite Anfragen hatten, haben wir uns entschlossen, es auch weltweit zu versuchen“, so Zuschmann. 2016 meldeten sie und Switzer „261Fearless“ als Non-Profit-Organisation zwar in den USA, aber mit Hauptsitz in Klagenfurt an. Eine Erfolgsgeschichte: „Wir haben ein Schulungsprogramm entwickelt, damit Frauen als Coaches ausgebildet werden können. In sechs Jahren haben wir es geschafft, auf fünf Kontinenten diese 261-Laufclubs aufzubauen“, so Zuschmann.

261 steht für „weiblichen Mut“

Doch nicht nur die körperliche Ertüchtigung ist dem Projekt ein Anliegen. Ganz im Sinne der Nummer 261, die laut Zuschmann für „weiblichen Mut“ steht, gehe es auch darum, „Frauen Mut zu machen und zu überzeugen, um anderen Frauen zu helfen.“ Das sei speziell in Ländern und Gesellschaften eine Herausforderung, in denen Frauenrechte teilweise nicht einmal auf dem Papier bestehen. Aber: „Es gibt in vielen Ländern Initiativen, mit denen wir zusammenarbeiten. Social Media spielt eine große Rolle.“

Besonders stolz ist Zuschmann in diesem Zusammenhang auf einen ins Leben gerufenen Lauftreff für geflüchtete Frauen aus Syrien und Afghanistan. „Diese Frauen haben traumatische Situationen hinter sich“, so die 261Fearless-Chefin, „wir haben einfach geschaut, dass sie lachen und sehen, dass es Spaß macht. Wir wollten ihnen vermitteln, dass ihnen hier nichts passiert, wenn sie rausgehen und sich bewegen. Es hilft ihnen auch, die deutsche Sprache zu erlernen, das fällt im Freien und bei Bewegung leichter als in einem engen Klassenzimmer.“

Gesellschaftliche Strukturen aufbrechen

Daneben ist es Zuschmann auch ein Anliegen, die gesellschaftlichen Strukturen beim Thema Frauen und Sport aufzubrechen. Das fange schon bei den Kindern an, wo etwa auf Spielplätzen Mädchen im Vergleich mit Burschen noch immer oft „zurückgepfiffen“ würden, wenn sie ein Klettergerüst in Angriff nehmen. „Das prägt uns. Wir müssen da sehr viel in der Gesellschaft ändern, aber wenn wir speziell den Frauen zeigen, die ja hauptsächlich die Kinder erziehen, dass sie es können, dann wird sich etwas ändern. Natürlich bricht es auf, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.“

In einem sind sich Zuschmann und Switzer einig: Der Laufsport ist die ideale Möglichkeit, sich mit einfachen Mitteln ein Stück Freiheit zu verschaffen. „Laufen ist das Natürlichste, sonst hätte die Menschheit nicht überlebt“, erklärt Zuschmann mit einem Lachen, „unser Ziel ist es, jeder Frau die Möglichkeit zu geben, dass sie unbeschwert laufen gehen kann.“ Schon mit einer Frau, die losläuft, sei das Ziel erreicht: „Es ist wie beim Marathonlauf selbst: Wenn ich an das Ziel denke und mir vorstelle, es sind 42 Kilometer bis dorthin, werde ich es nur schwer erreichen. Aber setze ich einfach einen Schritt nach dem anderen, dann komme ich irgendwann an.“