Nations League

Frankreich zeigt ÖFB-Team Grenzen auf

Das österreichische Fußballnationalteam hat am Donnerstag in der UEFA Nations League eine 0:2-Niederlage bei Weltmeister Frankreich hinnehmen müssen. Der Sieg der Gastgeber vor 70.188 Zuschauern im Stade de France war hochverdient und hätte noch weitaus höher ausfallen können. Dem Team von Ralf Rangnick droht damit der Abstieg aus der A-Liga, einzig positiv vermerkt werden durfte der Rekordeinsatz von Marko Arnautovic.

Frankreich hatte schon vor der Pause genügend Chancen auf Tore, scheiterte aber an deren Verwertung und auch an ÖFB-Goalie Patrick Pentz, der sich auszeichnen konnte. Österreich kam etwas verbessert aus der Kabine, aber ein Fehler von Marcel Sabitzer ebnete dem überragenden Kylian Mbappe den Weg zum 1:0 (56.). Wenig später traf Olivier Giroud per Kopf zum völlig verdienten Endstand (65.).

Frankreich (5) überholte mit dem ersten Sieg im fünften Spiel der Gruppe A1 Österreich und hat nun den Klassenerhalt in der eigenen Hand. Das ÖFB-Team, neues Schlusslicht (4), braucht am Sonntag (20.45 Uhr, live in ORF1) gegen Kroatien (10) zwingend einen Heimsieg und zudem Schützenhilfe von Dänemark (9). Die Kroaten haben nach einem 2:1 im Parallelspiel wiederum die Tabellenführung übernommen.

Giroud köpfelt das 2:0 (65. Minute)

Olivier Giroud stellt auf 2:0 für Frankreich. Nach einer Griezmann-Flanke trifft er per Kopf.

Würdiger Rahmen für Arnautovic-Rekord

Mit Anpfiff durften die Chronisten festhalten: Österreich hat nun zumindest bis Sonntag zwei Rekordteamspieler. Arnautovic hält wie Andreas Herzog offiziell bei 103 Einsätzen in Rot-Weiß-Rot. Der Rahmen dafür durfte als würdig und recht bezeichnet werden. Das Stade de France, wo Herzog 1998 das bislang letzte WM-Tor Österreichs erzielt hatte, war quasi voll. Eine opulente Lichtershow tat ihr Übriges.

Saint-Denis Stadion
ORF.at/Bernhard Kastler
Vor fast ausverkauftem Haus absolvierte Arnautovic seinen Rekordeinsatz für Österreich

Karim Onisiwo stürmte neben Arnautovic, im Mittelfeld durfte Andreas Weimann beginnen und in der Defensive setzte Rangnick auf eine Viererkette. „Wir sind mit ihr bislang sehr gut gefahren. Die meisten Spieler spielen die Viererkette auch bei ihren Vereinen“, sagte der Teamchef vor dem Spiel im ORF. Neben Kapitän David Alaba bekam Philipp Lienhart den Vorzug in der Innenverteidigung, im Tor Stade-Reims-Legionär Pentz das Vertrauen von Rangnick geschenkt.

Während die rot-weiß-rote Startelf nur in kleinen Dosen überraschte, erkannte man die französische Formation von Didier Deschamps kaum wieder. Das lag daran, dass nicht weniger als zwölf Spieler verletzt fehlten. Das bescherte Benoit Badiashile und Youssouf Fofana ihr Debüt für „Les Bleus“. In der Offensive kannte man die Namen allerdings nur zu gut. Angeführt wurde sie von Superstar und Ausnahmespieler Kylian Mbappe.

Frankreich zeigt seine ganze Breite

Rangnick und Alaba betonten vor dem Spiel, dass zwölf Ausfälle den Franzosen nichts ausmachen werden, weil ihre Breite so groß ist bzw. „Weltklasseformat“ (Alaba) hat. Nun, die beiden wissen, wovon sie sprechen. Frankreich spielte in der ersten Hälfte weltmeisterlich, abgesehen von der Chancenverwertung. Mbappe traf schon nach 90 Sekunden, stand dabei aber im Abseits. In dieser Tonart ging es weiter.

Mbappe-Tor aus Abseitsposition (2. Minute)

Nach nicht einmal zwei Minuten schlägt der Ball zum ersten Mal im Tor der Österreicher ein. Stürmerstar Kylian Mbappe kam allerdings aus einer strafbaren Abseitsposition.

Österreich kam nicht ins Pressing, weil Frankreich sich dem mit seiner Klasse entzog und die Gäste laufen ließ. Dem ÖFB-Team fehlte die notwendige Ruhe mit dem Ball, es verlor ihn auch immer wieder leichtfertig. Am Ende der ersten Hälfte standen 15:1-Torschüsse, aber bei der einzig wahren Kategorie, den Toren, stand es noch 0:0.

Alaba klärte nach wenigen Minuten vor Giroud (7.) und fälschte einen Griezmann-Schuss erfolgreich ab (15.). Erst nach mehr als 20 Minuten verzeichnete Sabitzer Österreichs ersten Torschuss (24.), zuvor hatte Rangnick das Sturmduo Arnautovic/Onisiwo zu sich zitiert, weil das Offensivspiel nicht funktionierte. In der Folge war Österreichs Sturm ein Lüfterl, mehr aber auch nicht.

Pentz mit Glanztaten

Ganz anders die Franzosen: Mbappe traf nach Doppelpass mit Giroud alleine vor Pentz den Ball nicht gut genug (26.), dann zirkelte der PSG-Star das Leder hauchdünn vorbei (27.). Wenige Minuten später rettete Pentz mit Glanztaten: Erst lenkte er einen Tchouameni-Fallrückzieher an die Latte, um gleich danach gegen Griezmann zu parieren (35.).

Dass es tatsächlich torlos mit 0:0 in die Katakomben ging, lag auch daran, dass Fofana eine Hereingabe von Mbappe nicht verwertete (45.). Der 23-jährige Vorlagengeber zeigte dabei einmal mehr seine herausragende Schnelligkeit, die einen nur staunend zurücklässt.

Pentz zeichnet sich aus (35. Minute)

ÖFB-Goalie Patrick Pentz ist gleich doppelt zur Stelle. Zunächst pariert er einen Fallrückzieher von Tchouameni, im nächsten Moment ist er gegen Griezmann auf dem Posten.

Nach der Pause hatte Österreich zunächst einige Minuten besseren Zugriff auf das Spiel und sogar eine gute Möglichkeit auf die völlig unverdiente Führung. Doch Xaver Schlager war selbst überrascht, als er im Sechzehner an den Ball kam und das Spielgerät alleine vor dem eingewechselten Goalie Alphonse Areola nicht kontrollieren konnte (51.). Das war es auch schon mit den offensiven ÖFB-Ambitionen.

Mbappe bestraft Fehler eiskalt

Österreich blieb zwar nach der Pause im Spiel, doch Frankreich kurbelte die Offensivmaschine wieder an. Jonathan Clauss verzog noch nach Mbappes Zuspiel alleine vor Pentz über das Tor (52.). Drei Minuten später ging Frankreich dann aber völlig verdient, jedoch auch mit ÖFB-Unterstützung in Führung. Denn Sabitzer unterlief eine Mischung aus Stoppfehler und Fehlpass. Giroud übernahm das Leder, bediente Mbappe, der ließ mit seinem Können vier Österreicher stehen und bezwang Pentz letztlich trocken zur viel umjubelten 1:0-Führung (56.).

Jubel der Franzosen
APA/AFP/Anne-Christine Poujoulat
Frankreich durfte nach einer weltmeisterlichen Vorstellung verdient jubeln

Die Plexiglaswand auf der Coachingbank der Österreicher musste herhalten, so sehr ärgerte man sich über den vermeidbaren Fehler. Während Frankreich feierte, versuchten Rangnick und sein Team noch etwas in Gang zu setzen, dafür musste Rekordspieler Arnautovic für Michael Gregoritsch weichen – auch weil der 33-Jährige angeschlagen war. Christoph Baumgartner kam für den ebenfalls glücklosen Onisiwo.

Giroud besorgt Endstand

Diese Einwechselungen hatten ihren Effekt nach einer Minute verloren, denn da erhöhte Giroud zum 2:0. Eine Maßflanke von Griezmann auf der linken Seite bugsierte der Milan-Stürmer im Duell mit Lienhart ins linke Eck (65.). Die Messe war damit endgültig gelesen, da war es auch egal, dass Mbappe das leere Tor verfehlte – er stand im Abseits (67.).

Alaba verließ dann auch angeschlagen den Rasen, mit Romano Schmid statt Marcel Sabitzer wurde noch ein Debütant eingewechselt. Das änderte aber nichts mehr am Ausgang der einseitigen Partie. Mbappe vergab eine weitere Chance (90.), ehe er das Feld unter Sprechchören verlassen durfte. Österreich verlor damit auch bei seinem fünften Antreten im Stade de France, nahm aber dafür einige Erkenntnisse mit.

Stimmen zum Spiel:

Ralf Rangnick (ÖFB-Teamchef): „Natürlich hätten wir schon zur Hälfte zurückliegen können, da hätten wir uns nicht beklagen dürfen. Aber dass das Gegentor zu diesem Zeitpunkt auf diese Art und Weise gefallen ist, war extrem ärgerlich. So darfst du das Tor nicht kriegen, egal wie gut der Gegner ist. Ich hatte das Gefühl, dass wir das Spiel da in den Griff kriegen. Unmittelbar vor dem Tor hatten wir eine Chance. In solchen Spielen geht es auch darum, wer das erste Tor schießt. Frankreich hat so gespielt, wie man es von einem Weltmeister erwartet, wir waren nicht auf unserem allerbesten Niveau.“

Marko Arnautovic (ÖFB-Rekordspieler gemeinsam mit Andreas Herzog): „Es war nicht einfach, gegen die (Franzosen, Anm.) zu spielen, und man muss klipp und klar sagen, sie haben verdient gewonnen. Sie sind Weltmeister. Ich glaube bei der nächsten WM werden sie wieder ganz oben mitspielen. Sie haben auch noch viele Ausfälle gehabt. Man sieht einfach, dass sie Weltklassespieler haben.“

Patrick Pentz (ÖFB-Tormann): „In der ersten Halbzeit sind sie überhaupt nicht ins Pressing gekommen, da haben wir immer herausgespielt. Es hat uns aber der letzte Zug zum Tor gefehlt, Chancen haben wir aber durchaus vorgefunden. 90 Minuten ist ein Mbappe richtig schwierig zu verteidigen.“

Didier Deschamps (Teamchef Frankreich): „Es gibt nichts Besseres als Siege. Im Juni war es eine schwierige Situation, heute haben sich die Spieler belohnt. Sie sind sehr ambitioniert, und wir hatten das Glück, heute vor einem großen Publikum mit einer tollen Stimmung zu spielen. Es war ein wundervoller Abend. Wir haben uns sehr gut gefühlt. Wir waren sehr effizient in der Abwehr, sie hatten nur eine Halbchance. Österreich stellte uns im Hinspiel vor viel mehr Probleme. Wir haben uns aber gut auf sie eingestellt. Ich hatte einige Schwierigkeiten gegen Österreich erwartet, aber wir haben ihnen keine Zeit gelassen, sich aufzustellen.“

UEFA Nations League, Gruppe A1, fünfter Spieltag

Donnerstag:

Frankreich – Österreich 2:0 (0:0)

Saint-Denis, Stade de France, 70.188 Zuschauerinnen und Zuschauer, SR Ekberg (SWE)

Torfolge:
1:0 Mbappe (56.)
2:0 Giroud (65.)

Frankreich: Maignan (46./Areola) – Kounde (23./Saliba), Varane, Badiashile – Clauss, Tchouameni, Fofana, Mendy – Griezmann (78./Dembele) – Giroud (78./Nkunku), Mbappe (91./Kolo Muani)

Österreich: Pentz – Trimmel, Lienhart, Alaba (70./Posch), Wöber – Weimann (50./D. Ljubicic), Seiwald, X. Schlager, Sabitzer (69./Schmid) – Onisiwo (64./Baumgartner), Arnautovic (64./Gregoritsch)

Gelbe Karte: Weimann