Christiano Ronaldo und Pepe Pedro beim Training
IMAGO/GlobalImagens/Pedro Correia
FIFA WM 2022

Letzter Versuch der „Goldenen Generation“

Das portugiesische Nationalteam holt einmal mehr zum großen Wurf aus. Bisher blieb ein WM-Finale für die „Selecao“ trotz Stars wie Luis Figo und Co. unerreicht. Für die letzten Vertreter der „Goldenen Generation“ wie etwa Cristiano Ronaldo bietet sich nun in Katar die wohl letzte Chance, auf der WM-Bühne aufzuzeigen. Welche Rolle die Routiniers spielen werden, ist offen. Der Erfolg der „Selecao“ ist nicht mehr so abhängig von ihrer Leistung wie in vergangenen Jahren.

Der Umbau des portugiesischen NationalTeams hat längt begonnen, im Tor dürfte etwa der erst 23-jährige Diogo Costa vom FC Porto gegenüber der langjährigen Stammkraft Rui Patricio (34) den Vorzug erhalten. In der Innenverteidigung hat zwar der mittlerweile 39-jährige Pepe den größten Namen, aus sportlicher Sicht ist der 25-jährige Ruben Dias als Stammkraft von Manchester City aber mittlerweile eine viel größere Nummer.

Dessen Clubkollege Joao Cancelo verteidigt auf der rechten Seite und ist genauso wie die beiden Mittelfeldstützen Bernardo Silva (auch ManCity) und Bruno Fernandes (Manchester United) erst 28 Jahre alt. Die beiden stehen längst mehr im Rampenlicht als der 36-jährige Joao Moutinho, der bei Wolverhampton noch regelmäßig zum Einsatz kommt. Auch beim 37-jährigen Ronaldo ist nicht mehr sicher, ob er bei seiner fünften WM-Teilnahme – bisher traf er bei jeder Auflage – ein Standing als unangefochtener Stammspieler hat.

Ronaldo in Katar eingetroffen

Cristiano Ronaldo ist mittlerweile mit dem portugiesischen Nationalteam in Katar angekommen. In den letzten Wochen hat der Stürmer von Manchester United hauptsächlich für Schlagzeilen abseits des Platzes gesorgt. In Katar soll nun wieder der Sport im Vordergrund stehen.

Bei Manchester United war das in der laufenden Saison nicht mehr der Fall. In der Liga traf der Stürmerstar in zehn Partien nur einmal, hinzu kamen zwei Treffer in der Europa League. Nicht erst nach seinem Rundumschlag in einem aufsehenerregenden Interview mit dem britischen Sender TalkTV, in dem der 37-Jährige gegen United, Trainer Erik ten Haag, dessen Vorgänger Ralf Rangnick und einige Ex-Kollegen austeilte, dürfte seine Zeit in Manchester abgelaufen sein.

Milan-Torjäger Leao läuft Ronaldo Rang ab

Auch im Teamdress hat er schon bessere Zeiten erlebt, in den jüngsten neun Länderspielen traf er nur beim 4:0 gegen die Schweiz, aber da doppelt. In Ronaldos Fußstapfen könnte in Zukunft der 23-jährige Rafael Leao treten, der bei AC Milan im Herbst mit sechs Toren in 18 Pflichtspielen einen guten Eindruck hinterließ. Was ihm noch fehlt, ist allerdings ein Nationalteamtor. Das hat ihm der 22-jährige Joao Felix voraus, auch vom Atletico-Madrid-Offensivgeist dürfen Genieblitze erwartet werden.

Rafael Leao im AC Milan Dress
Reuters/Daniele Mascolo
Bei Milan hat Rafael Leao seinen Torriecher bereits bewiesen, im Nationalteam fehlt ihm noch sein erster Treffer

Die gute Mischung aus Jung und Alt könnte ein Erfolgsfaktor werden. Davon ist auch Fernando Santos überzeugt, der sich mittlerweile seit Ende September 2014 im Amt halten konnte. „Wir haben das Beste noch vor uns, und es wird dieses Jahr kommen“, betonte der 68-jährige Portugiese im Vorfeld des Turniers. Europameister war er mit seinem Team 2016, die Nations League konnte 2019 gewonnen werden. In seiner Vita fehlt ihm nur noch ein WM-Triumph.

Altstars für Jungstars als „Extramotivation“

Der fehlt der ganzen Nation noch. Dass mit Ronaldo, Pepe und Moutinho drei Akteure, die den portugiesischen Fußball wie auch Weltfußball in den letzten Jahren geprägt haben, noch einmal dabei sind, sei für das Team enorm wichtig. „Es ist großartig. Das ist absolut eine Extramotivation“, sagte Dias. Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Abschneiden würde sein Team erfüllen. „Wir sind definitiv eine Generation mit viel Talent, aber auch andere Teams haben Talent, wir sind nicht die einzigen“, rechnete der Abwehrspieler mit harter Gegenwehr. Entscheidend werde sein, all die individuell hohe Qualität als Team auf den Platz zu bringen.

Portugal-Trainer Fernando Santos
AP/Armando Franca
Teamchef Fernando Santos setzt auch eine Mischung aus Jung und Alt und hofft auf den großen Coup

Das war zuletzt nicht immer der Fall. Nach der jüngsten WM war auch bei der EM 2021 schon im Achtelfinale Schluss. Das Katar-Ticket wurde erst im Play-off gelöst, und in der kürzlich zu Ende gegangenen Nations-League-Gruppenphase verpasste der Weltranglistenneunte hinter Spanien den Aufstieg ins Finalturnier. Auch deshalb stehen die Fans nicht voll hinter Santos.

WM-Auftakt gegen Ghana

Portugal startet am 24. November gegen Ghana in die Gruppe H. Vier Tage später bietet sich die Chance, Revanche an Uruguay für die WM-2018-Achtelfinal-Niederlage (1:2) zu nehmen. Zum Abschluss geht es am 2. Dezember gegen Südkorea. Keine Rolle kann dabei Diogo Jota spielen, der Liverpool-Angreifer verpasst wegen einer Wadenverletzung das Turnier. Portugals bisher bestes WM-Abschneiden war Platz drei 1966, 2006 konnte Platz vier erreicht werden.

Portugals 26-Mann-Kader

Tor: Diogo Costa (FC Porto), Jose Sa (Wolverhampton Wanderers), Rui Patricio (AS Roma)

Abwehr: Diogo Dalot (Manchester United), Joao Cancelo (Manchester City), Danilo Pereira (Paris Saint-Germain), Pepe (FC Porto), Ruben Dias (Manchester City), Antonio Silva (Benfica Lissabon), Nuno Mendes (Paris Saint-Germain), Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund)

Mittelfeld: Joao Palhinha (Fulham), Ruben Neves (Wolverhampton Wanderers), Bernardo Silva (Manchester City), Bruno Fernandes (Manchester United), Joao Mario (Benfica Lissabon), Matheus Nunes (Wolverhampton Wanderers), Vitinha (Paris Saint-Germain), William Carvalho (Betis Sevilla), Otavio (FC Porto)

Angriff: Cristiano Ronaldo (Manchester United), Joao Felix (Atletico Madrid), Rafael Leao (AC Milan), Ricardo Horta (Sporting Braga), Goncalo Ramos (Benfica Lissabon), Andre Silva (RB Leipzig)