Marco Verratti im Italien-Dress
AP/Franc Zhurda
Fußball

‚Enorme Qualität‘ bei Italien trotz Umbruchs

Seit zweieinhalb Monaten spielt Stefan Posch in der Serie A für Bologna. Der italienischen Liga attestiert der ÖFB-Verteidiger besonders viel individuelle Klasse. Die schlägt auch in der „Squadra Azzurra“ durch, die am Sonntag (20.45 Uhr, live in ORF1) zum Jahresabschluss in Wien gastiert. „Dadurch, dass sie sich nicht für die WM qualifiziert haben, haben sie einen kleinen Umbruch“, sagte Posch am Donnerstag. „Aber sie haben enorme Qualität.“

Die italienische Mannschaft habe sich seit dem EM-Triumph im Vorjahr verändert. Dennoch werde es natürlich „ein sehr schweres Spiel“, betonte Posch im ÖFB-Teamcamp in Marbella. „Das wissen wir“, sagte der Steirer. Im EM-Achtelfinale schaltete die Auswahl von Roberto Mancini damals auch Österreich aus (2:1 n.V.). „Bei der EM waren sie ein sehr eingespieltes Team, sonst wären sie nicht Europameister geworden“, betonte Posch. Eineinhalb Jahre sind seither vergangen.

Als Prunkstück der Italiener nannte Posch die Innenverteidigung, aber auch das zentrale Mittelfeld um Marco Verratti. „Das ist ein Ausnahmespieler“, sagte der 25-Jährige über den Spielmacher von Paris Saint-Germain. Zudem warnte er vor Linksverteidiger Federico Dimarco von Vizemeister Inter Mailand als gefährlicher Waffe.

Stefan Posch (Bologna)
IMAGO/AFLOSPORT/Maurizio Borsari
Posch brilliert bei Bologna nicht nur als Verteidiger, zuletzt schoss er den Club gegen Torino zu einem Heimsieg

Posch selbst ist in Italien zum Außenverteidiger mutiert, in Bologna agiert er rechts in der Viererkette. „Ich glaube trotzdem, dass es mir in einer Dreierkette noch mehr liegt. Ich bin nicht der offensivste Spieler, sondern ein gelernter Innenverteidiger“, erinnerte der 19-fache ÖFB-Internationale. „Aber ich nehme die Position an, die ich spiele. Ich glaube, dass ich mich schon sehr weiterentwickelt habe als Rechtsverteidiger.“

Außenverteidiger im Team sehr gefragt

Das könnte für Posch auch im ÖFB-Team zur Chance werden, zumal dieses auf den Außenverteidiger-Positionen nicht überbesetzt ist, wie auch Teamchef Ralf Rangnick bereits angemerkt hat. Beim 1:0-Arbeitssieg am Mittwoch gegen Andorra schob Posch aus seiner Position rechts in der Dreierkette immer wieder sehr offensiv nach vorn. „Wir müssen ein bisschen mehr in die Tiefe spielen“, meinte Posch. „Das werden wir analysieren und versuchen, es am Sonntag besser zu machen.“

Das Duell mit den Italienern sei für ihn „natürlich etwas Besonderes“. Posch wohnt mit seiner Freundin im Zentrum von Bologna. Über die Stimmung im Land nach der verpassten WM könne er wenig sagen. „Mein Italienisch ist noch ausbaufähig, ich habe noch keine Zeitung gelesen.“ Um die Bedeutung, die seinem Clubkollegen Marko Arnautovic in der Stadt beigemessen wird, weiß er auch ohne Zeitungsstudium. „Sein Standing in Bologna ist schon sehr hoch.“

„Kreativer und mehr Risiko nehmen“

Posch ist vorerst bis Saisonende von Hoffenheim an Bologna verliehen, die Italiener verfügen aber über eine Kaufoption. „Die Einzelspieler-Qualität ist in Italien ein bisschen höher, aber in Deutschland ist es von der Intensität, vom Anlaufen und Pressing ein bisschen mehr“, verglich der Legionär die beiden Ligen. In Italien würde sehr viel mit Ball versucht. „Und sie haben natürlich Weltklasse-Verteidiger.“

Das ÖFB-Team tat sich bereits gegen Andorra schwer, das Spiel früh zu entscheiden. „Wo wir uns verbessern müssen, haben wir klar gesehen“, sagte Posch. Er nannte Chancenverwertung, Zielstrebigkeit und Konsequenz. „Ich glaube trotzdem, dass wir ein bisschen kreativer sein müssen und mehr Risiko nehmen müssen. Und wir müssen kaltschnäuziger sein.“ Die Spielprinzipien unter Rangnick seien immer gleich. „Wir wollen in die Tiefe spielen, aktiven Fußball zeigen und vorne draufgehen. Daran ändert sich nichts – egal, ob wir gegen Andorra oder Italien spielen.“