Julia Scheib (AUT)
GEPA/Harald Steiner
Ski alpin

Scheib empfiehlt sich für WM-Startplatz

US-Star Mikaela Shiffrin hat ihre Rekordjagd im Weltcup mit Siegen in den beiden Riesentorläufen auf dem Kronplatz eindrucksvoll fortgesetzt. Einziger Lichtblick aus österreichischer Sicht war in Südtirol Julia Scheib, die mit den Rängen zwölf und elf jeweils neue persönliche Bestmarken aufstellte.

Jubelstürme löste das bei der 24-jährigen Steirerin, die erst vor dem Jahreswechsel ihr Comeback nach fast zweijähriger Verletzungspause gegeben hatte, aber nicht aus. „Ich bin mit dem zweiten Lauf nicht zufrieden, aber das Ergebnis passt einmal“, sagte Scheib nach dem zweiten RTL am Mittwoch. Sie selbst und das ganze Team könnten es aber noch deutlich besser. „Wir haben alle mehr vor bei den nächsten Rennen“, so die ehemalige Junioren-Weltmeisterin.

Für Scheib könnte das nächste Rennen der WM-Riesentorlauf am 16. Februar im französischen Meribel sein. Die Nominierung des österreichischen Teams erfolgt am Sonntag nach den beiden Slaloms in Spindleruv Mlyn. „Ich glaube, dass das ein gutes Zeichen war, ich bin in einer guten Form. Zweimal Top 15, darauf kann ich aufbauen“, sagte Scheib zu ihrer Bilanz auf dem Kronplatz. Aktuell ist die 24-Jährige klar die konstanteste ÖSV-Läuferin, denn inklusive Kranjska Gora (13.) war Scheib dreimal in Folge beste Österreicherin in dieser Disziplin und näherte sich sukzessive den Top Ten an.

Shiffrin fehlen nur noch zwei Siege auf Stenmark

Mikaela Shiffrin hat ihre Skiweltcup-Rekordmarke am Mittwoch auf 84 Siege verbessert. Die US-Amerikanerin feierte auf dem Kronplatz ihren bereits zehnten Sieg in dieser Saison.

Scheib aktuell konstanteste Läuferin

Auch ÖSV-Frauen-Rennsportleiter Thomas Trinker lobte Scheib, insgesamt hat sein Team freilich noch viel Luft nach oben. „Es ist ein Auf und ein Ab. Wir sind da und dort gar nicht so weit weg. Aber natürlich ist auf das Stockerl zu fahren im Riesentorlauf hart, da wird auf einem sehr hohen Niveau gefahren. Wir kämpfen und arbeiten sehr hart und wollen natürlich den Anschluss schaffen.“ Die WM-Nominierungen im Riesentorlauf hängen laut Trinker auch von der ÖSV-Quotenverteilung zwischen Frauen und Männern ab.

Er werde sich jedenfalls besonders für Scheib einsetzen, ließ Trinker am Mittwoch auch im ORF-Interview durchblicken. „Sie ist für die WM ein sehr großes Thema. Sie hat eine zweijährige Verletzung hinter sich, sie hat sich am Semmering noch nicht mal qualifiziert und fährt jetzt um die Top Ten. Sie ist dran, ich glaube, wir sehen noch mehr“, so der Trainer. Ricarda Haaser, Elisa Mörzinger und Elisabeth Kappaurer empfahlen sich in San Vigilio zumindest mit Teilerfolgen immerhin dafür, als Kandidatinnen für Meribel in Betracht gezogen zu werden.

Julia Scheib (AUT)
GEPA/Thomas Bachun
Scheib fuhr in den beiden Rennen auf dem Kronplatz trotz hoher Nummer 38 jeweils in die Nähe der Top Ten

Fix qualifiziert für die WM ist bisher nur Katharina Liensberger, die mit ihrem fünften Platz in Killington die geforderte Norm erbrachte. Die Vorarlbergerin gab mit der Qualifikation für den zweiten Lauf am Mittwoch immerhin ein kleines Lebenszeichen von sich, nachdem sie davor zweimal en suite im ersten Durchgang auf der Strecke geblieben war. Zumindest Trinkers Hoffnung in Liensberger ist ungebrochen: „Im Skisport kann es oft schnell gehen, dass man das Ruder rumreißt.“

Nächstes Double für Shiffrin

Shiffrin gewann wie schon auf dem Semmering beide Riesentorläufe. Kommendes Wochenende könnte sie mit zwei Slalom-Siegen im tschechischen Spindleruv Mlyn die Allzeitrekordmarke von 86 Siegen des legendären Schweden Ingemar Stenmark einstellen. Sollte das nicht gelingen, wird die Marke wohl bald nach der WM fallen. Trotz großer Müdigkeit wollte Shiffrin am Donnerstag noch einen Trainingstag einlegen, erst danach soll es einen Ruhetag geben, um sich auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren.

Mikaela Shiffrin
GEPA/Thomas Bachun
Shiffrin ist zwar müde, aber alles andere als am Boden

Die Rekordjagd ringt der Konkurrenz großen Respekt ab. „Sie hat Geschichte geschrieben und ist noch nicht fertig. Es ist schwierig, Worte zu finden, weil sie so Unglaubliches leistet, und mit ihr zu fahren ist eine Ehre“, sagte ihre slowakische Dauerrivalin Petra Vlhova und bekannte: „Manchmal ist es hart, weil sie immer wieder gewinnt.“

Auch die Französin Tessa Worley ist überzeugt, dass noch viele Siege der 27-Jährigen folgen werden. „Es ist keine Überraschung, wir wussten alle, dass sie den Rekord brechen wird, es war nur eine Frage der Zeit. Das ist beeindruckend und inspirierend und auch ein gutes Zeichen für Frauen im Skisport.“ Die Schweizerin Lara Gut-Behrami streute Shiffrin ebenfalls Rosen. „Sie ist eine großartige Athletin. Es ist unglaublich, was sie macht. Sie ist so konstant und fährt so großartig.“

Wo alles begann

Der nächste Schauplatz im Weltcup löst bein Shiffrin schöne Erinnerungen aus, hat sie in Spindleruv Mlyn im März 2011 doch ihre ersten Weltcup-Rennen bestritten. „Ich freue mich sehr auf Spindler, das ist ein spezieller Platz für mich“, sagte die US-Amerikanerin, die natürlich auf die Fortsetzung ihres Erfolglaufes hofft. „Der Rekord ist theoretisch möglich, aber ich muss schauen, dass ich meine Energie für zwei weitere Tage auf die Slalom-Ski bringe“, so die 2019 in Tschechien in einem Slalom schon einmal siegreiche vierfache Weltmeisterin in dieser Disziplin.