Sevilla-Spieler jubeln
AP/Petr David Josek
Europa League

Sevillas Party und Mourinhos Frust

Der siebente Europa-League-Triumph des FC Sevilla, der sich am Mittwoch in Budapest nach einem Krimi im Finale gegen die AS Roma durchgesetzt hat, hat auch die Medien in Spanien in Ekstase versetzt. „Es lebe die Sevilla-Liga“, schrieb die Sportzeitung „Marca“. Während die Rekordsieger ausgelassen feierten, breitete sich vor allem bei Roma-Coach Jose Mourinho der Frust über seine erste Finalpleite aus. Seine Zukunft in Rom ließ der Portugiese offen.

Mourinhos Gegenüber, Sevilla-Coach Jose Luis Mendilibar, hoffte indes, dass er trotz einer durchwachsenen Saison und nur Rang elf in der Liga weiter Trainer bleiben darf. Immerhin bescherte er dem Club mit dem siebenten Titelgewinn des Clubs im UEFA-Cup bzw. der Europa League auch die Qualifikation für die UEFA Champions League. Die AS Roma steht indes als Sechste in der Serie A vielleicht am Ende der Saison sogar mit leeren Händen da.

Mendilibar freute sich über „die größte Trophäe, die ich je gewonnen habe“. Der 62-Jährige dankte seinem Torhüter Yassine Bono dafür, dass er im Elferschießen einen Schuss abgewehrt habe. Marokkos Teamtorhüter verwies darauf, dass er auch am zweiten Fehlschuss der Römer an die Stange noch dran gewesen sei. Romas Pechvogel war am Ende Gianluca Mancini. Der Verteidiger traf zunächst unglücklich zum 1:1 ins eigene Tor und wuchtete den Ball in der Entscheidung mit einem Elfer genau in die Mitte auf den Fuß von Bono.

Sevillas Party und Mourinhos Frust

Während der FC Sevilla nach dem siebenten Europa-League-Triumph feierte, breitete sich vor allem bei Roma-Coach Jose Mourinho der Frust über seine erste Finalpleite aus.

Navas stemmt Pokal zum vierten Mal

Einer, der schon 2006 bei Sevillas erstem Triumph dabei war, durfte den Pokal als Erster stemmen. „Unglaublich“ fühle sich der Titelgewinn an, sagte der 37-jährige Kapitän Jesus Navas. Der Flügelspieler war auch 2007 und 2020 dabei und darf sich nun vierfacher Bewerbssieger nennen. Ein weiterer Spezialist für entscheidende Szenen war Gonzalo Montiel. Der spät eingewechselte Argentinier hatte bei der WM im Elferschießen gegen Frankreich den letzten Elfer verwertet und tat das auch diesmal, wenn auch mit Zittern. Sein erster Versuch wurde zur Beute von Rui Patricio. Da der Roma-Keeper dabei einen Schritt aus dem Tor machte, wurde der Elfer wiederholt. Montiel traf im zweiten Versuch.

Während die Spanier feierten, war Roma-Coach Mourinho schon Richtung Kabine verschwunden. Die Medaille, die er als Finalist bekommen hatte, wollte der Portugiese nicht. Stattdessen warf Romas Startrainer sie einem jungen Fan auf der Tribüne zu. Nach dem 1:4 seiner AS Roma im Elferkrimi von Budapest ließ Mourinho auch seine Zukunft in Rom offen. Er sei „müde“, sagte Mourinho nach seinem ersten verlorenen Europacup-Endspiel als Trainer. „Ich habe fünf Finale gewonnen, aber ich war nie stolzer als heute“, sagte der 60-Jährige und lobte seine Spieler.

Highlights des EL-Finales

Der FC Sevilla hat in der Europa League seine Rekordserie ausgebaut. Die Andalusier siegten am Mittwochabend im Finale von Budapest gegen die AS Roma mit 4:1 nach Elfmeterschießen. Nach 90 Minuten und Verlängerung war es 1:1 gestanden.

„Körperlich und mental ausgelaugt, tot“

Ab Montag habe er Urlaub, und dann werde man sehen, so der Portugiese auf seine Zukunft angesprochen. Sollte er mit einem anderen Club in Kontakt treten, würde es sein derzeitiger Arbeitgeber zuerst erfahren, beteuerte er. Bei der Roma steht Mourinho noch bis Sommer 2024 unter Vertrag. In den vergangenen Wochen wurde er mit einem Engagement bei Paris Saint-Germain und seinem Ex-Club Chelsea in Verbindung gebracht. Die „Blues“ haben allerdings mittlerweile den Argentinier Mauricio Pochettino verpflichtet. Er habe seit Dezember, als er Portugals Nationalteam übernehmen sollte, „keinen Kontakt mit irgendwem gehabt“, beteuerte Mourinho in Budapest jedoch.

Jose Mourinho
AP/Petr David Josek
Mourinho wirkte nach seiner ersten Finalpleite sichtlich gezeichnet, die Silbermedaille schenkte er einem jungen Fan

„Körperlich und mental ausgelaugt, tot“, fühle man sich nun im Roma-Lager, erklärte Mourinho nach der Niederlage nach 120 Minuten samt insgesamt über 25-minütiger Nachspielzeit. Außerdem kritisierte er die Leistung von Schiedsrichter Anthony Taylor. Der Engländer habe „spanisch gewirkt“. Sevillas Erik Lamela hätte nach Meinung des Roma-Trainers eine zweite Gelbe Karte sehen müssen und demnach im Elfmeterschießen nicht mehr antreten dürfen.

Auf einem in der Tiefgarage der Puskas Arena gedrehten Video ist zu sehen, wie Mourinho („Das ist eine verdammte Schande“) laut Medienberichten in Taylors Richtung schimpft. Der Engländer selbst ist darauf nicht zu sehen. Taylor und sein Team hatten Schwerstarbeit zu verrichten. 13 Gelbe Karten zückte der Referee gegen Spieler, siebenmal wurden Roma-Profis verwarnt – ein Rekord in Europa-League-Finalspielen. Auch Mourinho erhielt im Finish der Partie die Gelbe Karte.

UEFA Europa League, Finale

Mittwoch:

FC Sevilla – AS Roma 1:1 n. V. / 4:1 i. E. (1:1 / 0:1)

Budapest, Puskas Arena, 65.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, SR Taylor (ENG)

Torfolge:
0:1 (35.) Dybala
1:1 (55.) Mancini (Eigentor)

Elfmeterschießen:
1:0 – Ocampos trifft
1:1 – Cristante trifft
2:1 – Lamela trifft
2:1 – Mancini scheitert an Bono
3:1 – Rakitic trifft
3:1 – Ibanez verschießt
4:1 – Montiel trifft nach Wiederholung

Sevilla: Bono – Navas (95./Montiel), Bade, Gudelj (128./Marcao), Telles (95./Rekik) – Fernando (129./Jordan), Rakitic – Ocampos, O. Torres (46./Suso), B. Gil (46./Lamela) – En-Nesyri

Roma: R. Patricio – Mancini, Smalling, Ibanez – Celik (91./Zalewski), Cristante, Matic (120./Bove), Spinazzola (106./Llorente) – Pellegrini (106./El Schaarawi) – Dybala (68./Wijnaldum), Abraham (75./Belotti)

Gelbe Karten: Mir, Jordan (beide auf Bank), Rakitic, Lamela, Montiel, Ocampos bzw. Mourinho (Trainer), Karsdorp (auf Bank), Matic, Pellegrini, Mancini, Cristante, Celik, Zalewski

Die Besten: Ocampos, Navas, Fernando bzw. Dybala, Smalling, Cristante