Viktor Kassai, 2017
GEPA/Sven Sonntag
Fussball

„Trainer“ Kassai hat mit Ligaschiris viel vor

Österreichs Schiedsrichter tanzen künftig selbst nach einer neuen Pfeife. Der langjährige Topreferee Viktor Kassai soll als neuer technischer Direktor im Österreichischen Fußballbund (ÖFB) den heimischen Unparteiischen unter die Arme greifen. „Wichtig ist es, ihnen zu helfen“, sagte der 47-jährige Ungar, der sich als „Trainer der Schiedsrichter“ sieht, bei seiner Präsentation am Donnerstag.

Der neue „Technical Director“ im Referee Department des ÖFB wird künftig nach jeder Ligarunde Spiele und Situationen analysieren und den Unparteiischen Feedback geben. „Es ist wie eine taktische Einheit für Spieler“, so Kassai. Aufgrund der unterschiedlichen Wohnorte werden die Schulungen online erfolgen. Zudem wird es aber auch Seminare in Präsenz geben. „Aber nicht jeden Monat.“ Zunächst gilt es für ihn, sich ein Bild vom Status quo zu machen.

Kassai hat nur zum Teil über Zusammenfassungen mitbekommen, wie sich die Schiedsrichter vergangene Saison präsentiert haben. Kritik war allerdings beinahe jede Runde zu hören. „Wir müssen zuerst einmal analysieren und herausfinden, was sie brauchen“, sagte Kassai. Wichtig sei jedenfalls eine Verbesserung in „physischer, technischer und mentaler“ Sicht. Dabei könne Kassai selbst nicht in allen Bereichen behilflich sein. „Ich bin kein Spezialist für alles, wir werden auch zusätzliche Spezialisten brauchen“, betonte der Ungar mit Hinweis auf Mental- oder Athletiktrainer.

Kassai neuer Direktor der Referee-Abteilung

Als „Trainer der heimischen Schiedsrichter“ sieht sich der ehemalige Topreferee Viktor Kassai. Er wurde am Donnerstag vom ÖFB als technischer Direktor der Referee-Abteilung präsentiert. Sein langfristiges Ziel ist die Umstellung hin zu Profischiedsrichtern.

VAR erhält eigenen Manager

Die Zeit, um alles auf Schiene zu bringen, drängt allerdings. Schon im Juli startet mit der ersten Runde des Uniqa-ÖFB-Cups und dem Auftakt in den ersten beiden Ligen die neue Saison. „Im Profifußball hat man keine Jahre Zeit für Entwicklung, wir müssen sie so schnell als möglich entwickeln“, ist sich Kassai bewusst. Deshalb reiste er nach dem Pressetermin in Wien gleich weiter nach Salzburg, wo die Schiedsrichter im Rahmen eines dreitägigen Lehrgangs die vergangene Saison Revue passieren lassen und sich auf die neue Spielzeit vorbereiten.

„Es braucht klare Instruktionen, wir müssen eine gemeinsame Sprache sprechen“, hob Kassai einen wichtigen Punkt hervor. Das betrifft auch die Thematik Video Assistant Referee (VAR). Für diesen Bereich wird György Ring verantwortlich sein. „Er wird da mit den Referees im Detail arbeiten. Die Entscheidung kann jeder sehen, aber nicht, wie der VAR die Situation analysiert. Wir müssen die Zeit verbessern, es braucht Entscheidungen so schnell als möglich“, so Kassai. Er arbeitete schon in den vergangenen dreieinhalb Jahren mit seinem ehemaligen Assistenten in Russland und zuletzt Bulgarien zusammen.

Christian Ebenbauer (Bundesliga Vorstand), Robert Sedlacek (Vorsitzender Schiedsrichter Kommission), Viktor Kassai (Technical Director) und Ali Hofmann (Leiter des ÖFB Referee Department)
APA/Eva Manhart
Kassai (2. v. r.) möchte das Niveau der heimischen Schiedsrichter weiter verbessern

Profischiedsrichter als Ziel

Nun will der langjährige FIFA-Schiedsrichter Kassai in Österreich Akzente setzen. Zumindest als „mittelfristiges“ Ziel gab er die Umstellung auf ein Profischiedsrichtertum aus. „Wenn jemand 40 Stunden arbeitet, dann hat er keine optimalen Bedingungen, um sich auf ein Spiel vorzubereiten. Man kann nicht eine Profileistung erwarten, wenn man sich auf einem Amateurlevel vorbereitet“, sprach Kassai Klartext. Die Bezahlung ist ein wesentlicher Faktor. „Es geht ums Geld, aber nicht nur, sondern auch sehr viel um die Einstellung.“

Den „Brotberuf“ aufzugeben, stellt für viele eine Hemmschwelle dar. Auch wird die Schiedsrichtertätigkeit oft als guter Ausgleich neben dem Beruf gesehen. „Für einen Schiedsrichter ist es nicht einfach, den Brotberuf zu verlassen, denn was macht er nach einer Saison, in der er schlecht pfeift, ohne Job“, ist sich Kassai bewusst. Bisher waren die Einsätze der Schiedsrichter in der Bundesliga ziemlich gleichmäßig verteilt, Spitzenreferees kamen so auch nur zu rund 13 bis 16 Partien im Oberhaus.

Viktor Kassai und Messi beim Champions League Finale 2011
IMAGO/Imago Sportfotodienst
Im Finale der Champions League 2011 tanzte auch Lionel Messi (Mi.) nach der Pfeife des Ungarn

Das zählt zu jenen Dingen, die sich in Zukunft ändern könnten. „Ich bin dafür, dass die besseren Schiedsrichter mehr Spiele bekommen“, betonte Kassai. Er werde auch für das „sensible Thema“ Besetzungen verantwortlich sein. „Wenn jemand Fehler macht, muss es Konsequenzen geben“, kündigte der Ungar an. Auf der anderen Seite sollen gute Leistungen dazu führen, dass Österreich auch bei Großereignissen wieder einmal auf der Schiedsrichterlandkarte vertreten sein wird.

Zwei Jahre Vertrag mit Option

Die guten Beziehungen von Kassai in Richtung UEFA und FIFA können nur ein Vorteil sein. „Wir brauchen Spezialisten, um das kleine Rad auf der Scheibe zu drehen, damit die Schiedsrichter von gut auf sehr gut oder top kommen“, meinte Robert Sedlacek, der weiterhin als Vorsitzender der Schiedsrichterkommission tätig sein wird. Kassais Job ist vorerst auf zwei Jahre ausgerichtet, im Vertrag ist eine Option für eine Verlängerung inkludiert, wie Ali Hofmann, der Leiter des Referee Departments ausführte.

„Seine Hauptaufgabe ist es, den Spitzenbereich zu stabilisieren und in weiterer Folge voranzubringen“, so Hofmann. Kassai war mehr als 20 Jahre lang Schiedsrichter im ungarischen Oberhaus, dabei nach eigenen Angaben auch fast zehn Jahre lang mittels Profivertrag ausgestattet. Schon sein Vater war Schiedsrichter. „In meinem ganzen Leben war Fußball immer im Mittelpunkt“, sagte der ehemalige Schiedsrichter, der unter anderem die Leitung des Finales der Champions League 2011 im Lebenslauf stehen hat.