Hände von Frauen berühren WM-Trophäe
AP/Francisco Seco
Fußball-WM

FIFA schüttet Prämien in Rekordhöhe aus

Die FIFA wird im Rahmen der WM 2023 in Australien und Neuseeland (ab 20. Juli, live in ORF1) so hohe Beträge ausschütten wie niemals zuvor für eine Weltmeisterschaft der Frauen. Das Gesamtpaket umfasse 152 Millionen Dollar (138 Mio. Euro), präsentierte der Weltverband vor Turnierstart eine Summe, die etwa einem Drittel des Männer-Preisgeldes entspricht. Damit sei der Verband laut FIFA-Präsident Gianni Infantino weit näher an gleicher Bezahlung als so manche TV-Anstalt.

In dem neuen Modell, das die FIFA Anfang Juni der Öffentlichkeit vorlegte, wandern rund 50 Mio. Dollar direkt als Prämien an alle Spielerinnen. Die 23 Weltmeisterinnen werden je 270.000 Dollar (245.700 Euro) erhalten. „Dank diesem beispiellosen neuen Verteilschlüssel hat jede Spielerin bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023 die Gewissheit, dass sie für ihren Einsatz gemäß Turnierverlauf voll entschädigt wird“, betonte Infantino laut der offiziellen Pressemitteilung.

„Das Jahresgehalt von Profispielerinnen beträgt weltweit im Schnitt circa 14.000 US-Dollar. Die Beträge, die unter diesem einzigartigen neuen Modell ausgeschüttet werden, haben damit effektive und positive Folgen für das Leben und die berufliche Laufbahn dieser Spielerinnen“, erklärte Infantino weiter. Die Beiträge für alle Spielerinnen des Turniers sind zudem zweckgebunden – das heißt, sie dürfen von den Nationalverbänden nicht für andere Kostenpunkte verwendet werden.

Fußball-Frauen-WM der Superlative

Am Donnerstag startet in Australien und Neuseeland die neunte Fußball-Frauen-WM. Die FIFA wird dabei mit 138 Millionen Euro so hohe Beträge ausschütten wie niemals zuvor für eine Weltmeisterschaft der Frauen. Die großen Favoritinnen sind zweifellos die US-Amerikanerinnen.

„Schritt in die richtige Richtung“

„Ich bin schon überrascht, was für einzelne Spielerinnen an Prämien möglich ist, da tut sich schon im Frauen-Fußball finanziell auch einiges. Ich bin positiv überrascht, dass es in der Höhe ist“, verlieh Ex-ÖFB-Teamkapitänin Carina Wenninger ihrer Anerkennung im APA-Gespräch Ausdruck. „Das war schon längst überfällig. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, das wird das ganze Leistungsniveau noch weiter anheben“, meinte Österreichs Rekordspielerin Sarah Puntigam. David Aganzo, der Präsident der Spielergewerkschaft FIFPro, sprach von einem „Meilenstein“ für den Frauen-Sport.

Frauen-WM im ORF

Die Fußball-WM der Frauen in Australien und Neuseeland von 20. Juli bis 20. August verspricht ein Sportfest der Superlative zu werden. Mehr als eine Million Fans werden in den Stadien erwartet, zudem sind erstmals 32 Teams dabei. Alle Spiele sehen Sie live in ORF1 und ORF Sport +.

Freilich ist bis zur totalen Angleichung an den Männer-Bereich noch ein weiter Weg zu gehen. Bei der WM 2022 in Katar betrug die Gesamtdotation 440 Mio. Dollar (400 Mio. Euro), davon bekam Weltmeister Argentinien mit Superstar Lionel Messi am meisten. Doch zweifellos gibt es Bewegung: Das Preisgeld für die WM 2023 sei eine Verdreifachung gegenüber 2019 und eine zehnfache Steigerung im Vergleich zu 2015, rechnete die FIFA vor.

Australierinnen kritisieren FIFA

Die Spielerinnen von Kogastgeber Australien haben unterdessen die FIFA wegen der Preisgelder ins Visier genommen. „Tarifverhandlungen haben es uns ermöglicht, dass wir jetzt bis auf eine Ausnahme die gleichen Bedingungen wie die ‚Socceroos‘ – des australischen Männer-Teams – haben. Die FIFA bietet den Frauen für die gleiche Leistung weiterhin nur ein Viertel so viel Preisgeld wie den Männern“, sagte Mittelfeldspielerin Tameka Yallop in einem Video der australischen Spielergewerkschaft PFA.

Alle 23 Mitglieder der „Matildas“, wie das australische Team genannt wird, sprechen in dem Video über die Rechte, für die die Auswahl früher und heute gekämpft hat. Das Video erinnert an die Menschenrechtsoffensive der „Socceroos“ vor der Weltmeisterschaft in Katar.

Infantino rügt Gezerre um TV-Rechte

„Unser Ziel ist es, bei den Weltmeisterschaften der Männer 2026 und der Frauen 2027 die gleiche Bezahlung zu haben“, kündigte Infantino im vergangenen März beim FIFA-Kongress in Ruanda an. Dort wurde der Schweizer für weitere vier Jahre in seinem Amt bestätigt. Gleichzeitig rügte er die Medien, indem er Bezug auf das monatelange Gezerre um die TV-Rechte für die Frauen-WM nahm. „Wir müssen in diesem Kampf für die Gleichstellung alle auf derselben Seite stehen“, sagte er. „Die FIFA erhöht ihre Schlagzahl, nicht nur mit Worten. Aber leider ist das nicht bei allen in der Branche der Fall.“

Laut Infantino erhielt die FIFA für die Frauen-Übertragungsrechte Angebote, die nur ein Hundertstel der Offerte der jeweiligen Unternehmen für die Männer-WM ausmachten. „Dieselben öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die von Steuergeldern bezahlt werden, kritisieren die FIFA, weil sie Männern und Frauen nicht die gleiche Bezahlung garantiert“, echauffierte sich Infantino. „Ihr zahlt uns 100-mal weniger, aber eure Einschaltquoten sind ähnlich. Vielleicht 20, 25 Prozent weniger für die Frauen als für die Männer, nicht 100 Prozent. Bieten Sie uns 20-mal weniger an, bieten Sie uns 50-mal weniger an, aber nicht 100-mal weniger!“