Leichtathletik-WM

Siebenter Platz spornt Weißhaidinger an

Lukas Weißhaidinger ist mit seinem siebenten Platz bei der Leichtathletik-WM in Budapest im hochklassigsten Diskus-Wettkampf der WM-Geschichte sehr zufrieden. Auch deshalb blickt der Oberösterreicher bereits zuversichtlich auf die Olympischen Spiele 2024 in Paris. „Ich bin hungrig für nächstes Jahr“, sagte der 31-Jährige im ORF-Interview.

Die ersten zwei Athleten warfen über 70 Meter, die ersten vier über 68 – das hatte es zuvor noch nie bei einer Leichtathletik-WM gegeben. Weißhaidinger landete mit 65,54 Metern am Ende auf dem siebenten Platz, es war das zweitbeste WM-Ergebnis seiner Karriere. „Ich bin zufrieden. Ich kann erhobenen Hauptes rausgehen, weil ich jetzt nicht den großen Fehler sehe. Es ist eine WM, es ist Leichtathletik, da geht es hart zu Sache. Ich gehöre zu den besten acht Diskuswerfern der Welt, unter der Leichtathletik spricht man da von der Weltelite“, resümierte der Olympiadritte im ORF-Interview am Montagabend.

Der 31-Jährige hätte sich grundsätzlich auch 68 Meter zugetraut. Er hatte auch einen weiteren Wurf als die dann tatsächlich gebrachten 65,54 m auf dem Finger, aber das Momentum sei nicht perfekt gewesen, erklärte der Oberösterreicher. „Es war knapp, dass es wirklich gut ist. Aber ich habe mich, glaube ich, gut präsentiert.“

Weltmeister Stahl als Vorbild

Mehr als ein 67er-Wurf sei für seinen Athleten an diesem Abend aber nicht drinnen gewesen, sagte Trainer Gregor Högler im Bilanzgespräch am Dienstag. „Die Würfe waren solide, aber er hat keinen getroffen. So sportlich muss man sein, wir können nicht sagen, dass wir voll enttäuscht sind.“ Als Vorbild wolle man sich Olympiasieger Daniel Stahl nehmen, der sich nach dem enttäuschenden letzten Jahr zurückgearbeitet hat und am Montagabend Gold eroberte.

der schwedische Diskuswerfer Daniel Stahl
AP/Bernat Armangue
Daniel Stahl stellte in beeindruckender Art und Weise einen neuen WM-Rekord auf

Nachdem sich Titelverteidiger Kristjan Ceh aus Slowenien im letzten Versuch mit 70,02 m an die Spitze geworfen hatte, konterte der Schwede mit dem WM-Rekord von 71,46 m. Vom Ansatz her und mit Wind wäre der Weltrekord (74,08 m) in Gefahr gewesen, waren sich die Expertinnen und Experten einig. „Das war der technisch beste Wurf, den ich je gesehen habe“, merkte Högler an. „Das war eine brutale Leistung der zwei“, meinte Weißhaidinger. Trotz der 70 Meter nicht Gold zu holen, da habe man ja beim Lotto bessere Chancen zu gewinnen, fügte er an.

Bronze eroberte der Litauer Mykolas Alekna mit 68,85 m, der Australier Matthew Denny ging mit dem nationalen Rekord von 68,24 m leer aus. „Mit 68 m Vierter zu werden, das ist echt bitter“, betonte Weißhaidinger. Der Diskuswurf erlebe die stärkste Zeit der Geschichte, es sei eine Ehre, mitkämpfen zu dürfen, aber auch ein bisschen undankbar, meinte Högler diesbezüglich.

Fahrplan in ORF Sport +

Mittwoch: 10.00/18.55 Uhr
Donnerstag: 18.55 Uhr
Freitag: 10.00 Uhr
Samstag: 9.30/19.00 Uhr
Sonntag: 6.55/20.00 Uhr

Wurftechnik soll adaptiert werden

Weißhaidinger selbst warf heuer bereits den neuen österreichischen Rekord von 70,68 m, allerdings nicht im Stadion, sondern auf dem Feld. „Dass er 69 m auch im Stadion wirft, müssen wir trainieren“, gab der Trainer vor. Dafür soll gegen die Wurfriesen mit Armspannweiten wie den 2,23 Metern von Stahl die Technik abermals leicht adaptiert werden.

„Wir müssen sicher daran arbeiten, dass die Hüfte zur Schulter noch aggressiver kommt. Dass es hinten raus mehr schnalzt, das heißt, den Wurf mehr verzögern, das bringt halt extreme Geschwindigkeit auf den Diskus. Das ist natürlich härter für den Körper auch.“ Auch wenn die Konkurrenten lange Arme hätten, seien sie schlagbar. „Die Physik hat auch noch andere Gesetze als Hebel, zum Beispiel Impuls und Geschwindigkeit.“

Man werde wieder das Physikbuch ausgraben und einen Weg finden, fügte Weißhaidinger an. Der dreifache Bronzemedaillengewinner bei Großereignissen erklärte: „Es ist eine enorme Dichte, es lässt keiner aus. Ich werde nicht aufgeben, wir werden weiterarbeiten. Aber nach so einem Bewerb wäre man schlecht beraten, wenn man jetzt Fehler sucht.“

Revanche in Paris

Deshalb freut er sich umso mehr auf die Olympischen Spiele in Paris und will dort Revanche nehmen. „Es ist natürlich auch wieder einmal zu meinen Gunsten möglich.“ Er habe seine Medaillen und er wisse, dass er wieder Medaillen machen könne. „Es war wichtig, dass wir nach dem letzten Jahr den Status wiedererlangen, zu den Top acht zu zählen“, sagte Weißhaidinger und fügte hinzu: „Die Motivation ist absolut da, und das Feuer auch, dass man zurückschlägt.“

ÖLV-Aufgebot für Budapest

Frauen: Susanne Gogl-Walli (200 m, 400 m), Lena Pressler (400 m Hürdenlauf), Julia Mayer (Marathon), Victoria Hudson (Speerwurf), Sarah Lagger (Siebenkampf)

Männer: Markus Fuchs (100 m), Raphael Pallitsch (1.500 m), Lukas Weißhaidinger (Diskuswerfen)

Weiterer WM-Zeitplan

Mittwoch (23.8.) : 4 Entscheidungen (Männer 1.500 m, 400 m Hürdenlauf; Frauen Stabhochsprung, 400 m). In Vorkämpfen: Hudson/Speerwurf (10.20/11.55 Uhr, Qualifikation), Gogl-Walli/200 m (12.05 Uhr Vorlauf)

Donnerstag (24.8.) : 7 Entscheidungen (Männer 35 km Gehen, Weitsprung, 400 m; Frauen 35 km Gehen, Hammerwerfen, 100 m Hürdenlauf, 400 m Hürdenlauf). In Vorkämpfen: Gogl-Walli?/200 m (19.45 Uhr Halbfinale)

Freitag (25.8.) : 4 Entscheidungen (Männer 200 m; Frauen Dreisprung, Speerwurf/20.20 Uhr/Hudson?, 200 m/21.40 Uhr/Gogl-Walli?)

Samstag (26.8.) : 8 Entscheidungen (Männer Stabhochsprung, 800 m, Zehnkampf, 4 x 100 m; Frauen Marathon/7.00 Uhr/Mayer, Kugelstoßen, 5.000 m, 4 x 100 m)

Sonntag (27.8.) : 8 Entscheidungen (Männer Marathon, 5.000 m, Speerwurf, 4 x 400 m; Frauen Hochsprung, 800 m, 3.000 m Hindernislauf, 4 x 400 m)