Jubelwelle der Spieler des FC Blau Weiss Linz
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Bundesliga

Aufsteiger bejubelt „historischen“ Coup

Was seit Dezember 2020 keinem Team gelungen ist, hat Aufsteiger Blau-Weiß Linz am Samstag im ersten Anlauf geschafft. Der Aufsteiger in die Admiral Bundesliga beendete mit einem sensationellen 1:0-Sieg den 45 Spiele währenden Erfolgslauf von Red Bull Salzburg auf eigenem Boden. „Der Sieg hier ist historisch“, sagte Linz-Trainer Gerald Scheiblehner und griff damit auch zu Superlativen.

Blau-Weiß-Torjäger Ronivaldo sorgte in der 61. Minute dafür, dass die Salzburger drei Tage nach den „Magic Moments“ des 2:0-Erfolges in der Champions League bei Benfica Lissabon diesmal mit Alpträumen ins Bett gingen. 37 Runden lang waren die „Bullen“ unbesiegt, auf eigenem Rasen kassierte man davor sogar 45 Spiele in Folge keine Niederlage. Die letzte Heimniederlage setzte es im Dezember 2020 mit 2:3 gegen den RZ Pellets WAC, in der Bundesliga hatten die Salzburger im Juli 2022 bei Sturm Graz mit 1:2 verloren.

Nicht umsonst reihte Linz-Coach Scheiblehner den zweiten Erfolg seiner Mannschaft in der Bundesliga in der Kategorie geschichtsträchtig ein. „Das gibt uns großen Schub“, sagte der 46-Jährige, der sich als „großer Fan dieses Salzburger Fußballs“ outete. „Deshalb ist dieser Sieg für mich etwas Spezielles.“ Und er käme „nicht unverdient, weil wir in vielen Phasen sehr mutig agiert und mit Leidenschaft dagegengehalten haben. In der zweiten Hälfte hat sich die Mannschaft noch mehr zugetraut, gut nach vorne gespielt, Salzburg ist unruhig geworden.“

Aufsteiger stoppt Salzburgs Erfolgsserie

Die imposante Erfolgsserie von Red Bull Salzburg in der Admiral Bundesliga ist am Samstag sensationell gegen Blau-Weiß Linz gerissen. Die „Bullen“ mussten sich dem Aufsteiger mit 0:1 geschlagen geben.

Ende August war der Aufsteiger nach nur einem Punkt aus den ersten fünf Saisonspielen von so manchem bereits abgeschrieben worden, nun schaut die blau-weiße Welt ganz anders aus. Mit acht Punkten, davon sieben aus den jüngsten drei Spielen, ist man Neunter, sechs Punkte vor Schlusslicht Lustenau. „Man darf uns nie abschreiben, das hat man immer wieder getan. Wir sind aber immer wieder zurückgekommen“, sagte Scheiblehner, sah aber freilich nur eine „Momentaufnahme“. „Wir brauchen eine dritte und vierte Luft, um in dieser Liga zu bestehen“, stellte er klar.

Salzburger Rotation als Knackpunkt

Aus Scheiblehners Sicht waren die Rotationen bei Salzburg mit ein Grund, warum der Aufsteiger mit dem großen Favoriten mitspielen konnte. Sein Gegenüber Gerhard Struber hatte die „Bullen“ im Vergleich zum Triumph in Lissabon personell gleich auf neun Positionen verändert. „Das habe ich nicht erwartet. Maximal vier (Spieler, Anm.) hätte ich geglaubt“, so Scheiblehner zur Salzburger „Wechselwut“. Das Unterfangen sei durchaus kein Nachteil für seine Truppe gewesen: „Wenn man so viele Spieler durchwechselt, sind die Automatismen nicht bei 100 Prozent.“

Trainer Gerhard Struber (Red Bull Salzburg) blickt angespannt
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Struber schoss sich mit seiner Rotation möglicherweise selbst ins Knie

Struber selbst wollte diesen Umstand aber nicht als Hauptgrund für die erste Pflichtspielniederlage in dieser Saison sehen. „Wir sind nicht in unsere Grundprinzipien gekommen, auch die Pressing-Momente waren nicht so wie normal. Wir haben nicht den Drive und die Vertikalität gespürt und eigentlich nie unser Spieltempo gefunden“, sagte der Salzburger. Auch Kapitän Andreas Ulmer sah die personellen Umstellungen „eher nicht“ als Ursache. „Der Kader ist gut und groß genug, um so ein Spiel erfolgreich zu gestalten.“

In der ersten Hälfte noch klar dominant und auch mit einigen Chancen ausgestattet, fielen die Hausherren nach Seitenwechsel gegen immer mutigere Gäste deutlich ab. Einer der Defensivfehler resultierte schließlich im entscheidenden Treffer von Ronivaldo (61.). Die verbleibende gute halbe Stunde konnte Salzburg gegen die leidenschaftlich verteidigenden Gäste nicht mehr gewinnbringend nutzen.

Ernüchterung vor Cupschlager

Die Ernüchterung auf Salzburger Seite war jedenfalls groß. Mit der ersten Niederlage der Saison öffnete der Serienmeister und Spitzenreiter wieder die Tür für die Konkurrenz – allen voran Puntigamer Sturm Graz. „So ein Auftritt darf nicht mehr wieder passieren“, sagte daher auch Trainer Struber, „dass sie (die Spieler, Anm.) es heute nicht so auf die Reihe gebracht haben, ist schmerzhaft zu realisieren.“ Auch Ulmer, einer der neun Neuen im Team, war sichtlich konsterniert: „Wir haben uns das ganz anders vorgestellt.“

Viel Zeit zur Aufarbeitung hat man beim Titelverteidiger aber nicht, denn bereits am Dienstag (20.45 Uhr, live in ORF1) wartet das brisante Duell in der zweiten Runde des Uniqa-ÖFB-Cups gegen Austria Salzburg. Apropos Cup: Auch dort hatte Blau-Weiß Linz im bisher einzigen Aufeinandertreffen vor der Bundesliga-Sensation die Nase vorne. Am 19. September 2010 warfen die Linzer als Regionalligist Salzburg unter Trainer Huub Stevens mit 3:1 aus dem Cup. Blau-Weiß gastiert diesmal am Mittwoch (18.30 Uhr, live in ORF Sport +) im Burgenland beim AV Draßburg.