Jannik Sinner (ITA)
IMAGO/Juergen Hasenkopf
Tennis

Topduo spielt sich Wien-Titel aus

Die diesjährige Ausgabe der Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle sieht – von der Papierform her – das Traumfinale. Nachdem der topgesetzte Titelverteidiger Daniil Medwedew aus Russland den Griechen Stefanos Tsitsipas mit 6:4 7:6 (8/6) in die Schranken wies, kämpfte sich auch die Nummer zwei Jannik Sinner (ITA) in das Endspiel am Sonntag (14.00 Uhr).

Sinner setzte sich vor rund 9.600 Zuschauerinnen und Zuschauern gegen Medwedews als Nummer drei gesetzten Landsmann Andrej Rublew mit 7:5 7:6 (7/5) durch und greift damit nach seinem zehnten Sieg auf der ATP Tour. Der Südtiroler hat gegen seinen Finalgegner Medwedew eine 1:6-Bilanz, den bisher einzigen Sieg feierte der erst 22-Jährige allerdings erst vor wenigen Wochen im Peking-Finale mit zweimal 7:6.

Medwedew hofft, in Wien erstmals überhaupt einen Titel erfolgreich verteidigen zu können. Der fünffache Major-Finalist hat bisher 20 Turniersiege einstreifen können, alle an verschiedenen Schauplätzen. Erstmals seit 1994 standen die Top Vier in Wien im Semifinale, und überhaupt zum ersten Mal vier Spieler aus den Top Sieben der Weltrangliste.

Stefanos Tsitsipas (GRE) und Daniil Medvedev (RUS)
GEPA/Walter Luger
Daniil Medwedew (r.) wahrte seine Chance auf die erfolgreiche Titelverteidigung in Wien

Medwedew mit sich „glücklich“

Der Weltranglistendritte Medwedew hatte in dem über weite Strecken sehenswerten Match gegen den als Nummer vier gesetzten Tsitsipas zumeist den längeren Atem, der Grieche präsentierte sich in seinem ersten Wien-Semifinale aber ebenfalls stark. Ein Break zum 4:3 bedeutete im ersten Satz die Vorentscheidung, Medwedew servierte nach 39 Minuten zum 6:4 aus. Im zweiten Durchgang nutzte der Russe insgesamt drei Breakbälle nicht, es ging ohne Serviceverlust ins Tiebreak.

„Ich bin glücklich mit mir, keine Breaks gegen mich. Ich habe einige Möglichkeiten im zweiten Satz nicht genutzt, aber er hat auch gut gespielt“, sagte Medwedew. Mit Tsitsipas hatte Medwedew in der Vergangenheit einige Unstimmigkeiten in aufgeheizter Stimmung. „Ja, es macht die Rivalität vielleicht ein bisschen schärfer. Ich will immer jedes Match gewinnen, aber vielleicht stimmt es, dass ein Zusatzprozent Motivation da ist.“

Dem Finale gegen Sinner blickt der Russe jedenfalls ebenfalls mit Spannung entgegen – schon aufgrund des verlorenen Endspiels zuletzt in Peking. „Jannik spielt gut, er ist erst 22. Es war ein toughes Match in Peking, aber es war auch sehr eng. Ich werde versuchen, wieder mein Service nicht zu verlieren und im Tiebreak besser zu spielen“, prophezeite Medwedew.

Sehenswerter Fight geht an Sinner

Im zweiten Semifinale lag Rublew im ersten Satz schon mit 5:2 voran, gab aber den Satz noch mit 5:7 ab. Der mitunter sehr hitzige Russe schlug sich in dieser Phase zweimal mit der Bespannung aufs linke Knie und verletzte sich dabei auch leicht. Der Russe fing sich und bot dem Südtiroler auch im zweiten Durchgang einen sehenswerten Fight. Ein Break zum 4:5 glich Rublew mit sofortigem Rebreak noch aus, im Tiebreak hielt er sich bis 5:5, doch dann hatte Sinner das bessere Ende für sich.

Der Südtiroler steht damit ohne Satzverlust im Endspiel. „Es bedeutet mir viel, dass ich da im Finale bin und noch mehr gegen Daniil, weil ich oft gegen ihn verloren habe, das letzte Mal gewonnen, aber hier ist ein ganz anderer Platz“, erklärte Sinner. „Letztes Jahr hat er mich da geschlagen, schauen wir. Aber generell kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein.“ Mit seinem 55. Saisonsieg hat Sinner auch einen italienischen Rekord aufgestellt. Noch kein Landsmann hat in der Geschichte in einer Saison mehr Erfolge gefeiert (bisher Corrado Barazzutti mit 54 im Jahr 1978).

Ehrung für Straka

In der Pause vor dem zweiten Semifinal-Spiel erhielt Turnierdirektor Herwig Straka noch eine Auszeichnung. Der 57-jährige Steirer, der seit 15 Jahren das Wiener Turnier zu neuen Höhen geführt hat, erhielt von Stadtrat Peter Hanke das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien. Auch 2023 wird die Zuschauer-„Schallmauer“ von 70.000 Fans geknackt und die Vorjahreszahl sogar übertroffen.

ATP-500-Turnier in Wien

(Österreich, 2.559.790 Euro, Hartplatz, Halle)

Semifinale
Daniil Medwedew (RUS/1) Stefanos Tsitsipas (GRE/4) 6:4 7:6 (8/6)
Jannik Sinner (ITA/2) Andrej Rublew (RUS/3) 7:5 7:6 (7/5)
Viertelfinal-Tableau:
Daniil Medwedew (RUS/1) Karen Chatschanow (RUS/8) 6:3 3:6 6:3
Stefanos Tsitsipas (GRE/4) Borna Gojo (CRO) 7:6 (7/4) 7:5
Andrej Rublew (RUS/3) Alexander Zverev (GER/5) 6:1 6:7 (5/7) 6:3
Jannik Sinner (ITA/2) Frances Tiafoe (USA/7) 6:3 6:4